Weltklimakonferenz

Schnee ade?

von Ursula Wöll

Fast 40000 Menschen demonstrierten am 1. Dezember in Köln und Berlin für eine schnelle Energiewende. In Brüssel gingen am 2. Dezember über 60000 DemonstrantInnen auf die Straße. Es waren vor allem junge Leute, denn sie werden die Folgen der Erderwärmung schon in den nächsten Jahren ausbaden: Dürren hier oder in Afrika und Überschwemmungen anderswo, Anhebung des Meeresspiegels, Stürme. Der am 3. Dezember begonnene Weltklimagipfel soll verhindern, dass das Klima über 2 Grad Celcius ansteigt. Eile ist geboten, Schon ist das Klima über 1 Grad höher als vor Beginn der Industrialisierung. Wenn nicht sehr bald sehr viel passiert, fliegt der Menschheit der Laden um die Ohren, denn die Erderwärmung wird dann unkontrollierbar. (Bild: Die Jäger im Schnee)

Eile ist nötig!

Im Jahr 1565 malte Pieter Bruegel der Ältere das Ölbild „Die Jäger im Schnee“. Die flämische Landschaft ist mit Schnee eingehüllt. Die Teiche sind zugefroren, so dass sie die vielen Schlittschuhläufer tragen. Sogar das Wasser der Bucht scheint eingefroren. Die Menschen tragen alle Kopfbedeckungen. Sie sind die kalten Winter gewöhnt und führen ihr Leben auch im Freien weiter. Wie vieles aus ihrem Alltag ist auf dem Bild zu entdecken! Bruegel malte die kleinen Leute, die offenbar auch die Kälte genossen.

Im Jahr 1862 zeichnete Kaulbach den jungen Goethe, da war Goethe hochbetagt bereits verstorben. Der junge Goethe fährt Schlittschuh auf dem zugefrorenen Main, Dom und Brücke bezeugen es. Das ist uns heute kaum glaubhaft, aber so kalt war es wohl einst tatsächlich. Goethe hat sich den Pelz seiner Mutter umgeworfen, die mit den Händen im Muff ihren Hätschelhans bewundert. Das tun auch etliche junge Damen, die vordere trägt selbst Schlittschuhe, die hintere hält einen Schneeball. Das Bild des jungen Dichters wird bei Kaulbach zur Allegorie reiner Lebensfreude. Und das bei Minusgraden.Später dann hat Gabriele Münter immer wieder die schneebedeckten Dörfer der Voralpenlandschaft gemalt. Und das durchaus farbenfroh, wie etwa auf dem Gemälde „Drei Häuser im Schnee“. Als Kind habe auch ich den Winter durchaus als schön erlebt. Ich erinnere mich an die glühenden Backen beim Schlittenfahren oder Schlittschuhlaufen. Man konnte gar kein Ende finden.

Schnee von gestern

So kalt wie einst wird es in unseren Breiten nie mehr werden. Selbst wenn die Klimakonferenz im polnischen Kattowice die erforderlichen drastischen Schritte zur Umsetzung des Pariser Gipfels von 2015 beschließt. Die schon erfolgte Erderwärmung ist nicht mehr zurückzuschrauben, hier versagt unser Machbarkeitswahn. Die Polkappen sind ja bereits kleiner geschmolzen, der Permafrostboden ist am Auftauen, viele Urwälder wurden für Palmölplantagen gerodet und sind unwiderbringlich perdu. Außerdem kaufen die Leute noch immer SUVs, was das Zeug hält. Und noch immer wird der Gott „Wachstum“ angebetet. Und Kohle, gar Braunkohle mindestens noch die nächsten Jahre in Kraftwerke geschaufelt.

Nur das Schlimmste kann noch verhindert werden, nämlich eine Erwärmung bis zu 3 Grad gegen Ende des Jahrhunderts. Dafür muss die bewusstseinsmäßige Verdrängung des tödlichen Prozesses ein Ende haben. Selbst die UN-Klimaorganisation fordert, dass die Staaten sofort dreimal so viel Maßnahmen beschließen und auch in Praxis umsetzen wie bisher geplant. Aber unsere Kanzlerin hält es nicht für nötig, zur Eröffnung der Konferenz nach Kattowice zu kommen. Ihre Teilnahme hätte die Bedeutung dieses globalen Treffens als letzte Chance unterstrichen.

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