Walter Lübcke

Kreis Gießen verurteilt feige Tat

Der Landkreis Gießen trauert um den getöteten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke. Der Kreistag hat in seiner jüngsten Sitzung einstimmig ein Bekenntnis des Gedenkens und der Mahnung verabschiedet. „Seine feige Ermordung trifft uns bis ins Mark“, erklären die Kreistagsmitglieder.

Angriff auf die Demokratie

Im verabschiedeten Text heißt es: „Der Landkreis Gießen trauert um Walter Lübcke. Unsere Gedanken und Gebete sind in diesen Tagen bei seiner Familie und seinen Angehörigen. Walter Lübcke war ein Demokrat durch und durch mit klaren Standpunkten und einem offenen Herzen. Er war aufrecht und mutig, auch in schwierigen Diskussionen. Seine feige Ermordung trifft uns bis ins Mark. Der Angriff auf Walter Lübcke war auch ein Angriff auf uns und unsere freiheitliche Demokratie. Walter Lübcke war sehr beliebt, aber nie beliebig. Er stand mit seinen Werten und seiner Haltung für all das, was dem oder den Tätern verhasst war. Wir danken den Behörden für die bisherige Arbeit, die zu der Festnahme des Tatverdächtigen geführt hat. Wir erwarten, dass die vollständige Aufklärung dieses scheußlichen Verbrechens absoluten Vorrang hat und auch intensiv ermittelt wird, ob es Mittäter oder ein Unterstützernetzwerk gegeben hat. Alle Tatumstände und Hintergründe zum Beispiel zum NSU müssen durch die Sicherheitsbehörden umfassend aufgedeckt werden. Dies betrifft auch die Freigabe der NSU-Akten, die derzeit noch weitere 120 Jahre unter Verschluss bleiben sollen.“

Weiter heißt es: „Walter Lübcke ist, nach allem was wir wissen, das Opfer von rechtsextremer Gewalt geworden. Die Entfesselung extremer rechter Gewalt bis hin zu Rechtsterrorismus gedeiht in einem Umfeld rechten Hasses und rechter Hetze im Internet und in sozialen Medien.

Die geistigen und sprachlichen Propagandisten von Hass und Ausgrenzung haben den Weg zur Gewalt bereitet. Sie tragen damit Verantwortung für die gezielte Vergiftung des gesellschaftlichen Klimas und die Verrohung des politischen Diskurses in unserem Land.

Rechtsextremismus bekämpfen

Die Ermordung Walter Lübckes ist eine Zäsur und muss uns eine Lehre sein. Er steht für zahllose Menschen, die sich vor Ort für andere haupt- und ehrenamtlich engagieren. Polizei, Justiz, Verfassungsschutz müssen Rechtsterrorismus mit aller Konsequenz bekämpfen. Hier kann es keine Nachsicht oder Relativierung geben. Der Kampf gegen den Rechtsextremismus und für die freiheitliche Demokratie ist aber nicht nur eine Angelegenheit der Sicherheitsbehörden, sondern auch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Es ist unsere gemeinsame Verpflichtung, diesen Entwicklungen entgegenzutreten nicht erst bei physischer Gewalt, sondern schon dort, wo gehetzt und ausgegrenzt oder Gewalt verharmlost wird. Deshalb ist es auch wichtig, menschenverachtende Kommentare in den sozialen Medien auf das Schärfste zu missbilligen. Der Kreistag des Landkreises Gießen fordert, dass Staatsanwaltschaften und Polizei die Möglichkeiten dazu erhalten, bei Hass und Hetze im Netz die Anonymität aufzuheben, um die Täter konsequent zu verfolgen. Wir fordern, dass Plattformbetreiber ihre Verantwortung wahrnehmen, um strafbares Verhalten zu unterbinden. Dafür soll der notwendige rechtliche Rahmen geschaffen werden.

Unsere Aufgabe im Landkreis Gießen ist es, unterschiedliche Ansichten auf der Grundlage unserer Verfassung miteinander in Einklang zu bringen und Kompromisse zu suchen, die unsere Gesellschaft zusammenhalten. Dabei kann für Hass und Gewalt kein Platz sein. Dies gilt immer und insbesondere auch für Rechtsextremismus. Diesen mit allen Mitteln des Rechtsstaates und der politisch gesellschaftlichen Diskussion zu bekämpfen ist für uns im Landkreis Gießen eine herausragende Verpflichtung.“

Ein Gedanke zu „Walter Lübcke“

  1. Am Samstag, 29. 6., 11 Uhr, findet in Gießen auf dem Kirchenplatz eine Mahnwache anlässlich der Ermordung des Regierungspräsidenten statt. Zu dieser Mahnwache hat ein breites Bündnis aufgerufen.

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