Waldbesetzer am Flughafen

Topfpflanze im Bombenkrater

Mit Zelten, Baumhäusern, Kompostklo und Transparenten halten Waldbesetzer den ganzen Januar und Februar 2018 im Treburer Oberwald neben der A5 durch. Sie wollen auch im kommenden Winter verhindern, dass sechs Hektar gerodet werden.

Waldbesetzer am Flughafen

Obwohl die Sonne scheint, sitzen die Waldbesetzer am späten Nachmittag dick eingekleidet im Kreise. Die Feuertonne in der Mitte ist noch kalt. Auf dem Gasherd im Küchenzelt hat ein junger Mann Reis mit Tomatensoße und Gemüse gekocht – das Essen spenden meistens Anwohner aus Zeppelinheim und Walldorf. Über den Baumwipfeln orgelt ein Flugzeug steil nach oben. „Die Autobahn ist hier aber lauter“, sagt Wiki und deutet auf die 50 Meter entfernt vorbeirasenden Laster und Personenwagen.

Der Student und seine ebenso jungen Mit-Besetzer harren in Frostnächten hier aus, weil sie den Bau des A5-Anschlusses ans geplante Terminal 3 zumindest verzögern wollen. Eine Frau namens Libelle sagt: „Es geht darum, ein Zeichen zu setzen. Ich will nicht tatenlos zusehen, wenn hier die Bäume fallen.“ Ohne die Waldbesetzer von Robin Wood und anderen Gruppen wären die Bäume wohl schon weg, vermutet eine andere junge Frau. Man mache sich keine Illusionen: im kommenden Winter werden wohl die Männer mit den Kettensägen kommen. Doch die Einverleibung dieses Waldes in den Flughafen solle für Fraport möglichst teuer und „nervig“ werden.

Etwa ein halbes Dutzend Menschen lebt im Wald, versorgt und häufig besucht von Leuten aus der Nachbarschaft. So komme man an Wasser, Dusch- und Schlafmöglichkeiten, berichtet Peter. Der 55-Jährige hat schon beim Protest-Camp an der Startbahn West mitgemacht und bringt jede Menge praktischer Erfahrungen und Kontakte ein. Er leiht den jungen Leuten Werkzeug, damit sie aus Paletten-Holz ihre Baum-Nester zimmern können. Eine junge Frau hat in einer großen Buche sogar ein doppelstöckiges Baumhaus mit Fenster verankert, das nur über ein vertikales Seil zu erreichen ist.

Der Besetzer-Alltag spielt sich meistens aber unten ab, zwischen den Zelten und Protest-Transparenten. Eins davon ist sogar auf Klingonisch verfasst.  Das meist miese Wetter, der Lärm und das Todgeweihte dieser Siedlung wird ironisch begleitet. Die Komposttoilette haben die Waldbesetzer mit schicken Vorhängen und Paletzten zu einem richtigen Thron gemacht. Und den 75 Jahre alten Bombenkrater mitten im Camp schmückten sie mit einer Topf-Pflanze. Ja – und echte Natur gebe es in dieser lauten Waldinsel zwischen Rollbahn und Bahngleisen noch immer. „Wir haben drei fette Wildschweine und jede Menge Rehe gesehen“, erzählt Wiki. „Und Haselmäuse. Und Greifvögel“.

Aktuelles aus dem Camp der Waldbesetzer und zum Konflikt um den Bau des Terminal 3 gibt auf dem Blog waldbesetzung.blogspot.de

und auf Twitter über #TreburBleibt

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