Umsonstladen

Geschäft der anderen Art

Von Elfriede Maresch

Eines fehlt in diesem Geschäft in Friedbergs Innenstadt komplett: die Ladenkasse. Und noch etwas ist ungewöhnlich: Warum gehen etliche Leute mit Schachteln, Körben, Paketen hinein und kommen mit leeren Händen wieder heraus? In der Engelsgasse 21 hat seit einigen Monaten ein „Geschäft der anderen Art“ eine neue großzügige Unterkunft gefunden: der Umsonstladen. Welche Idee steht dahinter?

Geben und Nehmen

„Wir verstehen den Umsonstladen generell als Treffpunkt des Austauschs, der guten Erfahrung des Gebens und Nehmens“ ist aus dem ehrenamtlichen Organisationsteam zu hören. „Gleichzeitig möchten wir dazu anhalten, sich mit dem eigenen Konsumverhalten auseinander zu setzen und kritisch zu prüfen, was man wirklich benötigt.“

Das Team des Umsonstladens. (Fotos: Maresch)

Die erste Anregung zum Umsonstladen kam 2013 von Erika Scheller-Wagner und Monika Lux, die das Projekt vorantrieben. Rund 70 solcher Einrichtungen gibt es in der Bundesrepublik. Dankbar ist das Team, das sich mit dem Internationalen Zentrum Friedberg e.V. ein Träger fand und der Umsonstladen 2015 an anderer Stelle eröffnet werden konnte. Seit seiner Eröffnung an anderer Stelle in Friedbergs Innenstadt und erst recht jetzt in der Engelsgasse ist dieser Ladentreffpunkt zum Magneten für zwei Gruppen geworden: für Abgebende, die gut erhaltene Alltagsgegenstände bringen und für Annehmende, die sie brauchen und kostenlos mitnehmen können. Unentbehrlich ist das Team, das unter dem Motto „Solidarisch – ökologisch – selbstorganisiert“ den Umsonstladen führt. Ungefähr 20 Ehrenamtliche aus vielen Nationen – Deutschland, Syrien, Afghanistan, Marokko, Bulgarien und mehr – arbeiten hier zusammen.

Alles was man so braucht

Nicht wenige Passanten schauen erst einmal aus purer Neugier in den Laden und fangen an zu stöbern. Aber auch Stammkunden kommen gern „einfach mal so“ vorbei, denn der Warenzu- und Abfluss macht jeden Besuch im Umsonstladen zur Überraschung. Ganz wichtig ist dem Team, den Eindruck von „Abhollager“ oder „Zufalls-Flohmarkt“ gar nicht aufkommen zu lassen. Die hellen Innenräume sind nach Themenschwerpunkten eingerichtet. So gibt es im kleineren Raum eine Spielecke für Kinder, ein ganzes Regal mit Bilder- und Kinderbüchern, mit Spielsachen, daneben aber auch Familien- und Erwachsenenspiele, Puzzles. Mal finden sich hier Klassiker wie Monopoly oder Trivial Pursuit, manchmal sogar Neuerscheinungen wie die „Burgen von Burgund“, noch eingeschweißt. Auch besondere Einzelteile werden hier präsentiert, mal ein Puppenhaus mit mehreren Räumen, mal eine große Stehlampe mit Korbunterteil im 50-er Jahre-Stil, wie denn der Umsonstladen ein Magnet für Nostalgie-Fans ist – hier sind sie schon öfter fündig geworden!

Kein Platz für Langeweile: hier können Kinder spielen, während die Eltern im Umsonstladen stöbern

„Alles, was man so braucht, sauber und funktionstüchtig“ findet sich im großen Raum. Übersichtlich und ansprechend sind die Warengruppen präsentiert: kleinere Elektrogeräte, Lampen, Uhren, Heimtextilien von Tischdecken bis zu Bettbezügen und Vorhängen, Küchenzubehör von Töpfen bis zu pfiffigen kleinen Haushaltshelfern: Spargelschäler, Spätzlepressen, Gemüseschnitzelmühlen. Weiter alles für den gedeckten Tisch hier zu finden: Geschirr, Gläser, Besteck, Blumenschalen, Vasen. Daneben steht das Regal mit Werkzeug. Wer Möbel anzubieten hat, kann Bilder samt Abholadresse und – zeit an eine Pinnwand hängen.

Es gilt die Fünfer-Regel

Mittwochs von 16 bis 18 Uhr ist Annahme. Warum kommen die „Zulieferer“? „Ich ziehe um und habe Puzzles und Spiele aussortiert, an denen sicher andere Spaß haben“ meint ein 37-jähriger. „Ich habe während des Studiums hier oft Gebrauchsgegenstände holen können, und bringe jetzt Spielsachen, aus denen meine Kinder herausgewachsen sind“ meint eine Mutter, die ein Körbchen mit Babyrasseln, Greiflingen und Kuscheltieren bringt. „In meinem Alter muss man sich verkleinern“ meint eine Seniorin, die ein großes Service abgibt.

Samstags von 10 bis 13 Uhr können Besucher kommen, stöbern und sich aus den Waren bedienen. Allerdings gilt die Fünfer-Regel: bis zu fünf Gegenstände können mitgenommen werden, wobei Kleinteile wie Besteck als ein Objekt gelten. Saisonales wie Weihnachts- oder Frühjahrsdekoratives geht extra. Müllvermeidung ist angesagt, Plastiktüten gibt es nicht. Wenn Abholer weder Korb noch Tasche dabei haben, bekommen sie eine Schachtel oder einen Stoffbeutel. An jedem ersten Donnerstag von 18 bis 20 Uhr ist offener Treff, alle Interessierten sind willkommen.

Wer das Projekt unterstützen möchte, kann dies mit einer regelmäßigen Patenschaft oder einer Spende tun. Nähere Infos, auch über Sonderaktionen finden sich auf der Homepage umsonstladen-friedberg.de

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