Trinkwasser

Neuauflage des Stadt-Land-Dialogs

Von Corinna Willführ

Regenmangel seit April auch im Vogelsberg: Der Klimawandel ist eine große Herausforderung auch bei der Sicherstellung der Trinkwasserversorgung der Menschen. (Fotos: Corinna Willführ)

Frankfurt braucht Wasser – der Vogelsberg hat es.  Eine einfache Feststellung, die seit Jahrzehnten zu Konflikten zwischen der Metropole und der Region führt. Um zwischen den unterschiedlichen Interessen auszugleichen, fand am 12. November 1990 im Frankfurter Römer der erste Stadt-Land-Dialog zum Thema Trinkwasser statt. Ein weiterer folgte am 14. Januar 1993 in Schotten (Vogelsbergkreis). Nun gibt es eine Neuauflage des Diskussionsforums. „Das Klima verändert sich – wie gehen wir mit der kostbaren Ressource Wasser um?“ lautet die Frage, auf die am Freitag, 7. September 2018, in einer Veranstaltung von Bündnis 90/Die Grünen im Hessischen Landtag im Haus der Jugend in Frankfurt Antworten gesucht werden.

Unterschiedliche Interessen in Einklang bringen

Seit 1873 wird Wasser aus dem Vogelsberg in die Rhein-Main-Region transportiert. Aus den einst 10.500 Kubikmetern täglich, sind heute 30 Millionen Kubikmeter jährlich geworden. Und der Bedarf steigt. Denn Frankfurt wächst und wächst. Bis 2030, so die Prognosen, werden neue Wohnungen für circa 30.000 Einwohner in der Mainmetropole entstehen. Doch nicht nur in Frankfurt, sondern auch in Wiesbaden, Darmstadt  und dem Taunus fließt  das Lebensmittel Nummer eins aus dem Basaltsteingebirge aus Rohren und Hähnen. Hoffnungen, den Interessenskonflikt beheben zu können, setzen beide Seiten in das IWRM. Nach einem eineinhalbjährigen Dialog zwischen den unterschiedlichen Interessensvertretern hat das Hessische Umweltministerium vor kurzem ein Leitbild zum „Integrierten Wasser-Ressourcen-Management Rhein-Main“ (IWRM) erstellt. Sein Ziel: „eine nachhaltige Ressourcenbewirtschaftung, eine rationelle Wasserverwendung und eine effiziente Organisation“ in Einklang zu bringen.

Lösungen für steigende Herausforderungen

Dabei soll nun der Stadt-Land-Dialog helfen. „Der Stadt-Land-Dialog erarbeitet Lösungen zum möglichen Einklang zwischen den wasserwirtschaftlichen Herausforderungen für Ballungsgebiete und der Naturverträglichkeit in den Gewinnungsgebieten“, heißt es in der Einladung der Landtagsfraktion der hessischen Grünen zu der Veranstaltung am Freitag, 7. September 2018, in Frankfurt. Zu den Herausforderungen an eine künftige Wasserwirtschaft gehören auch der Klimawandel, die zunehmende Siedlungsverdichtung im Ballungsraum, der steigende Verbrauch an Wasser und die gefährdete Biodiversität.

Impulsvorträge von Achinal, Wack und Koenigs

Neben Dr. Anne Achinal, Vorsitzende der AG „Rettet den Burgwald“ werden am 7. September Dr. Hans-Otto Wack und Tom Koenigs Impulsvorträge halten. Wack ist wisenschaftlicher Berater der Schutzgemeinschaft Vogelsberg (SGV) und Leiter des Umwelt-Büros Schotten. Der ehemalige Grünen-Bundestagsabgeordnete war von 1989 bis 1999 Dezernent für Umwelt, Energie und Brandschutz in Frankfurt. Koenigs war Initiator der ersten Stadt-Land-Dialoge.

„Spirale“ im Vulkaneum Schotten, die die Wasserströme aus dem Vogelsberg nach Rhein-Main symbolisiert.

Eine Rückblende in die frühen 1990er Jahre: In Wiesbaden ist die zweite Rot-Grüne-Landesregierung unter Ministerpräsident Hans Eichel (SPD) am politischen Ruder. In ihre Amtszeit fällt die Grundwasserabgabe, die am 1. Juli 1992 verordnet wird. In Südhessen muss der Wassernotstand ausgerufen werden. Von der Maßnahme sind 3,3 Millionen Menschen im Bezirk des Regierungspräsidiums Darmstadt betroffen. In der Vogelsbergstadt Schotten ist vom 15. August bis zum 31. Oktobers das Bett der Nidda „zum ersten Mal seit Menschen Gedenken ausgetrocknet“. Am 15. Juli 1993 wird erneut in einer „Gefahrenabwehrverordnung“ amtlich das Wassersparen verordnet. Davon betroffen sind 2,75 Millionen Menschen in Frankfurt, dem Hochtaunuskreis und einigen Kommunen im Wetteraukreis.

Rückblick in die frühen 1990er Jahre

Die Stadt Frankfurt startet auf Initiative von Koenigs im Februar 92 eine Kampagne gegen Wasserverbrauch. Sie hat Erfolg: Der Verbrauch geht erstmals seit 1979 deutlich zurück: von 279 Millionen Kubikmeter in 1991 auf 258 Millionen Kubikmeter 1993. Die Kampagne wird ausgezeichnet; der sogenannte Frankfurter Weg zum Wassersparen gilt aus vorbildlich

Im Dezember 1995 wird der 1908 zwischen der Provinz Oberhessen und der Stadt Frankfurt geschlossene Wasserlieferungsvertrag erneuert. „Die Liefergrenze der Oberhessischen Versorgungungs AG hat ihre Grenze in der ökologischen Belastbarkeit des Vogelsbergs“, so der damalige OVAG-Chef, Dr. Jochen Zwecker. In dem Vertrag werden keine Liefermengen mehr festgelegt.

Erstmals in der Bundesrepublik wird 1995 mit Frankfurt-Zeilsheim ein Stadtteil mit wassersparender Technologie aus öffentlichen Geldern ausgerüstet. Die Frankfurter Flughafen AG nutzt im neuen Terminal 2 Regenwasser für die Toilettenspülung. Für die Klimatechnik wird Wasser aus dem Main genommen. Die dortige Feuerwehr hält auch Brauchwasser zum Löschen bereit.

Verbindliche Zweitleitung

„Kein Trinkwasser mehr für Frankfurter Klos“ ist bis heute eine der Forderungen der SGV. So wird Dr. Hans-Otto Wack bei der Veranstaltung im Haus der Jugend wie kürzlich bei einer Veranstaltung mit der derzeitigen Frankfurter Umweltdezernentin Rosemarie Heilig darauf dringen, bei allen städtischen Neubauten eine Zweitleitung verbindlich zu machen. Vor den Impulsvorträgen führt die Eva Goldbach als Sprecherin für Kommunales und den ländlichen Raum der Grünen im Hessischen Landtag fachlich in das Thema einführen. Die Moderation der Diskussions- und Fragerunde nach den Vorträgen übernimmt Martina Feldmayer, im Hessischen Landtag Sprecherin für Landwirtschaft und Wald.

Kreistag für Sicherung des Wassers

Auf seiner jüngsten Sitzung sprach sich der Vogelsberger Kreistag für die Sicherung des Wassers in dem Mittelgebirge aus. Einstimmig wurde ein Änderungsantrag der CDU/SPD-Koalition angenommen, den die Schottener Bürgermeisterin Susanne Schaab (SPD) formuliert hatte. Im Wortlaut heißt es da: „Der Vogelsberger Kreistag stellt sich vollinhaltlich hinter das im Juni 2018 unter der Federführung des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz verabschiedete Leitbild für ein Integriertes Wasserresourcen-Management.“ Die Änderung erfolgte an dem zuvor eingebrachten Antrag der Linken-Fraktion. Sie hatte die Abstimmung über die Forderung „Vogelsberger Wasser nachhaltig sichern“ gewünscht. Dem Anliegen wurde nicht widersprochen, doch schien die Formulierung den Abgeordneten nicht konkret genug.

Eine Anmeldung zum  Stadt-Land-Dialog Trinkwasser   ist gewünscht. Sie ist an Isabel Kemper, Telefon: 0611/350 1655 oder an i.kempfer@ltg.hessen.de zu richten. Die Veranstaltung am Freitag, 7. September 2018, ist im Haus der Jugend, Deutschherrnufer 12 in Frankfurt-Sachsenhausen.  Dauer: 15 bis 18 Uhr.

sgv-ev.de

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