Teurer Traumbusen

Klinik wirbt für Schönheitsoperationen

von Ursula Wöll busen1

Die Anzeige im auflagenstarken „Lahn-Dill-erleben“ vom 11. Juni ist 10 cm hoch und 28 cm breit. Also unübersehbar, zumal sie mit dem Foto einer knackigen Schönen mit herausquellendem dicken Busen versehen ist. Die Überschrift lautet „Traumbusen für 2.999,–Euro“. Geschaltet wurde sie von einer Würzburger GmbH namens ‚DeutscherÄrzteService‘. Was steckt hinter diesem Angebot zum Schnäppchenpreis?

Operation aus Jux und Dollerei

Um meine Position gleich kundzutun: Ich selbst finde es schöner und auch gesünder, wenn Frauen naturbelassen bleiben und sich nicht mit Implantaten oder Botox vollstopfen lassen. Weil es die aktuelle Mode oder der Liebste so will. Natürlich gilt das nicht für einen Wiederaufbau der Brust nach Unfällen oder Krebsoperationen. Dann erweist sich die plastische Chirurgie als segensreich. Die Großanzeige wirbt jedoch für eine Brustoperation aus Jux und Dollerei. Damit auch Frauen mit schmalem Geldbeutel geködert werden, können sie mitmachen „für bequeme 74,–Euro im Monat“. Der Eingriff in das eigene Fleisch kann in Frankfurt, Mainz oder auch Giessen vorgenommen werden, so steht es in der Anzeige.

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Ich rief die angegebene 0800er-Telefonnummer an und brachte aus der freundlichen Dame heraus, dass diese medizinisch überflüssigen, wenn nicht schädlichen Eingriffe in Giessen von Agaplesion, also dem Evangelischen Krankenhaus Mittelhessen, vorgenommen werden. Ich hatte mir eine sinistre Spelunke vorgestellt, aber hätte nie vermutet, dass ein so angesehenes und renommiertes Krankenhaus unter einer Deckadresse, für medizinisch überflüssige Eingriffe auf eine so abstoßende Weise die Werbetrommel rühren lässt. Waren die Frauen klüger geworden, nachdem tausende von schadhaft gewordenen Implantaten ersetzt werden mussten? Oder ging die Nachfrage auch deshalb zurück, weil mehr Frauen ihr Alter akzeptieren, in dem der „Traumbusen“ halt mitgealtert ist? Offenbar besitzt das Krankenhaus noch eine kleine Schamgrenze, weil es sich hinter dem seriös klingenden ‚DeutscherÄrzteService‘ versteckt, der wohl gemeinsam mit anderen Krankenhäusern nur zu diesem Zweck gegründet wurde.

Wenn ein Krankenhaus also heftig für medizinisch überflüssige Eingriffe wirbt, und zwar nicht auf seiner Website, sondern unter einem anderen Namen, so kann es ja nur um Umsatzsteigerung, um Kasse gehen. Auf der Website dagegen können wir lesen: „Was sich nicht ändert, ist unsere christliche Identität.“ Erst im Januar hatte der Hessische Ministerpräsident der gemeinnützigen Aktiengesellschaft Agaplesion-Evangelisches Krankenhaus in Giessen einen Fördermittelbescheid von 25 Millionen Euro überreicht, mit denen unter anderem  die OP’s modernisiert werden sollen. Überflüssige Schönheitsoperationen entziehen den wichtigen OP’s Apparate, Belegzeit und Personal, sind daher streng genommen Trittbrettfahrer auf Steuermitteln.

Ein Gedanke zu „Teurer Traumbusen“

  1. So isses nun mal, wer krank ist und arm ist, der ist in der Ar….
    gekniffen, weil für ihn erst Platz im Hospital ist, wenn solche OP’s erledigt sind.
    Im Zusammenhang mit dem Artikel:’Sexistische Werbung‘, sind zwei Dinge auf den Punkt gebracht, an denen unsere Gesellschaft krankt.

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