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Zeitungsfusion

Wetzlardruck und Gießener Anzeiger

Die Fusionswelle auf dem hessischen Zeitungsmarkt geht weiter. Die VRM Holding aus Mainz („Mainzer Allgemeine“, „Wiesbadener Kurier“, „Wiesbadener Tagblatt“) will über ihre Tochterfirma „Gießener Anzeiger“ bei der Wetzlardruck GmbH („Wetzlarer Neue Zeitung“) als neuer Mehrheitsgesellschafter einsteigen.

Noch eine Zeitungsfusion

Die bisherigen Gesellschafter sollen über eine Beteiligungsgesellschaft am Unternehmen beteiligt bleiben. Das Kartellamt muss der Übernahme noch zustimmen, meldet der Verlag des Gießener Anzeiger. Die VRM hatte in den letzten Jahren bereits unter anderem den Gießener Anzeiger und das Darmstädter Echo übernommen. Eine andere Zeitungsfusion geschah zum  1. April 2018 in Frankfurt. Da übernahm die Münchener Ippen-Gruppe die Frankfurter Neue Presse und die Frankfurter Rundschau mitsamt der Mörfelder Societäts-Druckerei.  Der Neue Landbote berichtete darüber hier.

Die Deutsche Journalisten Union in der  Dienstleistungsgewerkschaft Verdi sieht ihre Befürchtungen bestätigt, dass die Pressevielfalt in Hessen immer weiter abnimmt. „Bis auf wenige Ausnahmen gehören fast alle hessischen Tageszeitungen bald ganz oder mehrheitlich entweder zur VRM oder zur Ippen-Gruppe“, stellt Manfred Moos von ver.di Hessen fest. Nun gehe es darum, betriebsbedingte Kündigungen in den Verlagsbetrieben und der Druckerei zu vermeiden und den Erhalt der redaktionellen Unabhängigkeit der übernommenen Zeitungstitel zu sichern.

Bei Wetzlardruck erscheinen die Wetzlarer Neue Zeitung, das Herborner Tageblatt, die Hinterländer Zeitung, das Weilburger Tageblatt sowie Dill-Post und Dill-Zeitung. Das Unternehmen verfügt auch über eine eigene Zeitungsdruckerei und Zeitungslogistik in Wetzlar. Das Unternehmen wurde 1982 gegründet. Die Wurzeln des Gießener Anzeiger sind noch älter: Er erschien 1750 zuerst als Gießener Wochenblatt und ist somit laut Wikipedia die viertälteste deutsche Zeitung. 

Laut Gießener Anzeiger entsteht durch die Übernahme der auflagen- und umsatzstärkste Zeitungsverlag in Mittelhessen. Die Zeitungen des neuen Gemeinschaftsunternehmens haben demnach eine Auflage von täglich 95 000 Exemplaren. Hinzu kommen Anzeigenblätter in hoher sechsstelliger Auflage. Die VRM bringt  den Gießener Anzeiger in den neuen Konzern ein, zu dem auch die Titel Oberhessische Zeitung, Lauterbacher Anzeiger, Usinger Anzeiger und Kreis-Anzeiger gehören.

Insgesamt sind von den Fusionsplänen knapp 400 Beschäftigte der beiden beteiligten Verlagshäuser in Wetzlar und Gießen betroffen, hinzu kommt eine hohe Zahl von Zeitungszustellern. An dem neuen Unternehmen ist die VRM Holding GmbH & Co. KG aus Mainz beteiligt sowie die Schnitzler Verlags-und Kinne Beteiligungs-GmbH aus Wetzlar. Die Beteiligungsgesellschaft Rossano-Eifinger wird als Gesellschafter von Wetzlardruck ausscheiden.

Hans Georg Schnücker, Sprecher der VRM-Geschäftsführung und Vorsitzender des hessischen Zeitungsverlegerverbandes (VHZV), betont die Notwendigkeit von Fusionen: „Mit der Investition in eine neue noch leistungsstärkere Gruppe können wir für die Menschen in der Region nachhaltig unabhängigen Journalismus anbieten -eine der wichtigsten gesellschaftlichen Aufgaben dieser Zeit.“

„Wir haben die wirtschaftlichen Herausforderungen in den letzten Jahren gut gemeistert und können mit der derzeitigen Situation sehr zufrieden sein. Allerdings führen die deutlich veränderten Mediennutzungsgewohnheiten sowie die Dynamik globaler, digitaler Märkte dazu, dass Medienunternehmen zunehmend nur im Verbund eine handlungsfähige Rolle im Wettbewerb um die Aufmerksamkeit der Kunden einnehmen können“, äußert sich Wetzlardruck-Geschäftsführer Michael Emmerich zur Transaktion. Unklar bleibt vorerst, was sie für die Beschäftigten und für die Struktur der zugehörigen Blätter bedeutet.  „Ich denke, wir können wechselseitig von unserem Know-how profitieren“, beurteilt GAV-Geschäftsführer Michael Raubach den Entschluss.

In der neuen Konstellation erscheinen künftig neben dem Gießener Anzeiger und der Wetzlarer Neuen Zeitung weitere neun Tageszeitungen zwischen Haiger und Lauterbach sowie zwischen Biedenkopf und Usingen. Die Gesamtauflage aller Lokalzeitungen der neuen Gruppe beträgt mehr als 95.000 Exemplare. Darüber hinaus erscheinenAnzeigenzeitungen mit einer Gesamtauflage von mehr als 500.000 Exemplaren in der Wochenmitte und mehr als 270.000 Exemplaren am Wochenende. Die Online-Dienste der Gruppe erzielen über 6 Mio. Seitenaufrufe im Monat, meldet das Unternehmen.