Südlink – Stromtrasse

Die Wetterau ist noch nicht aus dem Spiel

Von Klaus Nissen

Im Jahr 2025 soll der Südlink in Betrieb gehen. Das ist eine neue Höchstspannungsleitung, die den Windstrom aus Schleswig-Holstein zu den Verbrauchern nach Süddeutschland bringt. Von Wilster an der Elbe nach Grafenrheinfeld will der Tennet-Konzern ein Erdkabel verlegen, das 1,3 Meter unter der Grasnarbe den Gleichstrom mit bis zu 525 000 Volt Spannung transportiert. Wo das Kabel verläuft, ist noch unklar.  Eine Variante führt durch Vogelsberg und Wetterau.

Südlink – Stromtrasse

Unsicher ist noch, wo das Kabel genau verläuft. Durch Thüringen oder durch Hessen? In der Diskussion steht  auch eine Trasse durch den Vogelsberg und die östliche Wetterau. Sie sei schon aus dem Spiel, hieß es im Sommer 2016. Denn der Bauherr möchte das Kabel lieber weiter im Osten verlegen. Doch dann meldete sich die Thüringer Landesregierung. Sie dringt auf eine westliche Route, die komplett an Thüringen vorbei und durch die Wetterau führt. Die Bundesnetzagentur in Bonn hat nun das letzte Wort.

Warum das Stromkabel keinesfalls durch Thüringen verlaufen sollte, beschrieb das Erfurter Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft im April 2017 in einem 111 Seiten dicken Gutachten. Als Hauptargument nennt es das „Gebot der Geradlinigkeit“ einer Stromtrasse. Im Gutachten steckt auch eine Landkarte mit möglichen hessischen Kabel-Korridoren, die nach Ansicht der Thüringer besser geeignet sind. Einer davon führt westlich am Vogelsberg vorbei. Er verläuft westlich von Ulrichstein, berührt auf dem Weg nach Süden dann Ober-Seibertenrod, Kölzenhain, Rüdingshain, Eschenrod und erreicht bei Gedern-Steinberg den Wetteraukreis. Durch die Gemarkungen von Merkenfritz, Gelnhaar, östlich an Büdingen vorbei führt das Stromkabel in dieser Variante schließlich nach Gründau und westlich von Gelnhausen durch den Main-Kinzig-Kreis in Richtung Aschaffenburg nach Bayern.

Dieser Vorschlag hatte vor Ort keinerlei Begeisterung hervorgerufen, bevor er 2016 als scheinbar irrelevant abgehakt wurde. Dabei hätte der Starkstrom in der Erde wohl kaum negative Auswirkungen. Direkt auf der Trasse dürfen lediglich keine Häuser gebaut oder Bäume gepflanzt werden. Zur Beruhigung führte 2016 die Nachricht, dass Tennet den Südlink aus fachlichen Gründen lieber weiter im Osten durch Thüringen oder bei Fulda verlegen würde. Das bekräftigten die in Bayreuth sitzenden Stromleitungs-Bauer am Dienstag.  Die Bundesnetzagentur hatte Tennet beauftragt, die eigenen Planungen mit den im April 2017 geäußerten Wünschen der Thüringer zu vergleichen und zu bewerten. Warum Tennet trotzdem die Ost-Trasse für besser hält, kann man nun in einem „Fact-Sheet“ nachlesen.

Darin steht zum Beispiel, dass auf der westlichen Route viel mehr „Konfliktpunkte“ gebe als im Osten. Straßen, Flüsse, Gebirgszüge und Siedlungen machen dem Leitungsbau im Westen an 70 Stellen Probleme, auf der Ost-Route nur an 41 Stellen. Im Westen gebe es auch mit drei „roten Konfliktpunkten“ die größten Hindernisse. Damit meint Tennet Stellen, an denen das oberarmdicke Stromkabel nicht vergraben werden kann, sondern auf mehr als tausend Metern durch Bohrungen in den Grund getrieben werden müsste. Konkret zum Beispiel bei Lohr, wo das Kabel zuerst einen steilen Abhang hinunter, dann unter einer Eisenbahn, einer Straße und dem Main hindurch zu verlegen wäre.

So sehen Starkstrom-Kabel aus, nachdem sie in den aufgepflügten Boden verlegt worden sind. Die mit Kunststoff isolierten Kabel können den auf mehr als 300 000 Volt gespannten Gleichstrom unter der Erde von der Nordseeküste nach Bayern transportieren. Fotos: Tennet

Ein vorläufiges Fazit zog am 11. Dezember 2017 der für Fulda, die Rhön und den Vogelsberg zuständige  CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Brand: „Mit dem Ergebnis des Prüfgutachtens ist doch offensichtlich, dass die Thüringen-Strategie, die Stromtrasse einfach Richtung Westen zu verschieben, fachlich überhaupt nicht begründbar ist. Nicht politische, sondern rein fachliche Argumente müssen den Trassenverlauf entscheiden, auch um das Risiko jahrelanger Klageverfahren zu vermeiden.“

Nun ist die Bundesnetzagentur in Bonn am Zuge. Wann sie über den etwa tausend Meter breiten Trassen-Korridor entscheidet, steht laut Pressesprecher Olaf Peter Eul noch nicht fest. Im nächsten Jahr werde das wahrscheinlich noch nicht sein. Danach steht ein Planfeststellungsverfahren an, in dem noch einmal Anlieger der ausgewählten Trasse ihre Meinung kundtun können. Der Bau müsste laut Ulrike Hörchens von Tennet im Jahr 2021 beginnen, wenn die Stromtrasse 2025 in Betrieb gehen soll.

Dass sich die Netzagentur für die Wetterau-Trasse entscheidet, dürfte nach dem Gutachten der Spezialisten von Tennet wohl nicht so wahrscheinlich sein wie eine Ost-Route. Aber sicher ist man nicht. Der regionale Stromversorger Ovag hat übrigens bislang keine Meinung zum besten Erdkabel-Verlauf geäußert. Das Erdkabel ist nicht direkt mit dem Mittel- und Niederspannungsnetz der Ovag verbunden.

Eine Karte mit den bisher vorgeschlagenen Trassen für Südlink steht hier: .suedlink_suedostlink_eigenerkorridor_2017_5 

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