Sprudelhof

Sprudelhof: Bürger fragen kritisch

Kritische Beiträge von Bürgern bestimmten den Frageteil bei der Bürgerversammlung am Donnerstagabend in der Trinkkuranlage in Bad Nauheim. Dabei ging es um Therme und Sprudelhof.

Zwei Stunden verstrichen, ehe sich die Zuhörer der Bürgerversammlung zum Thema Sprudelhof und Therme äußern konnten. Denn zunächst ging es eineinhalb Stunden um die Notfallversorgung im Wetteraukreis und den Erweiterungsbau des Gesundheitszentrums Wetterau. Anschließend stellte Rathauschef Kreß den Fahrplan für das Gesamtkonzept Thermalbad und Sprudelhof vor (siehe weiterer Artikel von heute).

Das Gesamtkonzept für den Sprudelhof erregte die Gemüter bei der Bürgerversammlung. (Bild: Petra Ihm-Fahle)
Das Gesamtkonzept für den Sprudelhof erregte die Gemüter bei der Bürgerversammlung. (Bild: Petra Ihm-Fahle)

Harzenetter soll sich erklären

Ein Zuhörer wollte danach wissen: „Gibt es eine schriftliche Erklärung des Landesdenkmalpflegers Dr. Markus Harzenetter zur Wohnbebauung im unmittelbaren Umfeld des Sprudelhofs?“ Denn er könne sich nicht vorstellen, dass ein Landesdenkmalpfleger so etwas ins Auge fasst. Es kam Applaus und „Bravo“ aus dem Publikum. Wie Kreß erklärte, habe sich Harzenetter begeistert geäußert, etwa im Kuratorium der Stiftung Sprudelhof. Doch auch Harzenetter braucht laut Kreß die Visualisierung: Deshalb werde er erst nach dem Wettbewerb für Architekten seine abschließende Zustimmung geben. Wie der Bürgermeister ergänzte, habe Harzenetter immer gefordert, das Umfeld des Sprudelhofs ebenfalls in den Blick zu nehmen und „das Denkmal zu fassen“.

Die Bürger stellen Fragen zum Sprudelhof. (Bild: Petra Ihm-Fahle)
Die Bürger stellen Fragen zum Sprudelhof. (Bild: Petra Ihm-Fahle)

„Keine Luxus-Bebauung“

Die nächste Frage aus dem Publikum bezog sich auf das Thema Gesamtkonzept. Davon werde immer gesprochen – das störe ihn, sagte ein Mann. „Was hat eine Wohnbebauung mit der Therme zu tun?“ Das Auditorium klatschte. Er schlug vor, das Parkdeck für die Bevölkerung unterirdisch zu erweitern – „ohne Luxusbebauung für steinreiche Investoren“. Kreß sagte erneut, dass sich der Begriff Gesamtkonzept auch auf das Umfeld beziehe – und sich nicht jeder die für ihn passenden Rosinen herauspicken könne. Er appellierte, visionär zu sein, „vielleicht gibt es ja einen Entwurf, der den Sprudelhof noch schöner macht“. Auch hier kam Beifall.

Die Bürger stellen Fragen zum Sprudelhof. (Bild: Petra Ihm-Fahle)
Die Bürger stellen Fragen zum Sprudelhof. (Bild: Petra Ihm-Fahle)
Keine Vorträge halten?

Stadtverordnetenvorsteher Gerhard Hahn (FW/UWG) appellierte mit Blick auf die Uhr an das Publikum, „keine Vorträge zu halten“. Eine Frau regte sich auf: „Die Bürgerversammlung ist dazu da, dass die Bürger Fragen stellen dürfen.“ Wie sie meinte, seien die Zuhörer wegen der Therme und des Sprudelhofes gekommen – nicht wegen des vorangegangenen Tagesordnungspunkts Krankenhaus. Die Frau bemängelte den Zustand einiger Gehsteige – dies sei viel wichtiger. Und vor allem realisierbarer als das riesige Projekt Sprudelhof, meinte sie. Wie Kreß erwiderte, sei das Hochwaldkrankenhaus in Bad Nauheim auch ein sehr wichtiges Projekt. Hinsichtlich der Straßen bestehe in der Tat ein Investitionsstau, da wegen der Straßenbeiträge viel liegengeblieben sei. Nachdem das Stadtparlament die Straßenbeitragssatzung nun abgeschafft habe, werde aber alles getan, um voranzukommen.

Die Bürger stellen Fragen zum Sprudelhof. (Bild: Petra Ihm-Fahle)
Die Bürger stellen Fragen zum Sprudelhof. (Bild: Petra Ihm-Fahle)
Mit Harzenetter diskutieren

Der Autor des Buchs „Das Bad Nauheim Desaster“, Prof. Walter Simon, forderte Kreß auf, Denkmalpfleger Harzenetter einzuladen, um persönlich mit den Bürgern zu debattieren. Laut Kreß werde Harzenetter sicher nicht „ins Blaue hinein diskutieren“. Aber sobald die konkreten Fakten vorlägen, halte er es für denkbar, dass die Denkmalpflege den Wunsch erfüllt.

Die Bürger stellen Fragen zum Sprudelhof. (Bild: Petra Ihm-Fahle)
Die Bürger stellen Fragen zum Sprudelhof. (Bild: Petra Ihm-Fahle)
Sofortiger Bürgerentscheid?

Dr. Erik Meyer, Sprecher der BI „Für einen zügigen Thermenneubau ohne Reihenhausbebauung“, blickte auf einen Pressebericht aus dem September 2017 zurück. Darin habe es geheißen, dass Denkmalpfleger Harzenetter dem Thermenanbau mit Anbindung an den Sprudelhof zustimme. „Von einem städtebaulichen Gesamtkonzept war seinerzeit noch nicht die Rede“, sagte Meyer. Es sei also gar nicht richtig, dass ein Thermenbau nur zusammen mit Wohnbebauung möglich sei. Ein weiterer Zuhörer bemängelte ebenfalls, die Verbindung zwischen Therme und neuen Wohnhäusern nicht zu verstehen. Und offenbar sei auch Kreß davon schon abgerückt, meinte er. Der Mann forderte, den Bürgerentscheid sofort zu vollziehen: „Denn die Mehrheit der Einwohner will überhaupt keine Bebauung.“

Bürgermeister Klaus Kreß gibt Antworten. (Bild: Petra Ihm-Fahle)
Bürgermeister Klaus Kreß gibt Antworten. (Bild: Petra Ihm-Fahle)
Keine Stammtisch-Frage

Kreß appellierte, mit einem Bürgerentscheid nicht leichtfertig umzugehen. Die Frage, über die abgestimmt wird, müsse präzise sein und auf Fakten basieren. Eine Stammtisch-Frage „Wollt ihr eine Änderung – Ja oder Nein“ könne es nicht sein. Sollten sich die Bürger gegen die Bebauung entscheiden, unterstrich er, werde die Stadt dies auch nicht tun. Aus rechtlichen Gründen sei ein Bürgerentscheid aktuell aber nicht möglich. Zu Wetterauer Zeitung und Frankfurter Neuer Presse hatte er im November 2017 gesagt, dass die Stadt die Erlöse aus den Grundstücksverkäufen für die Wohnhäuser für die Finanzierung der Therme verwenden wolle.

Das sagen die Denkmalpfleger

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