Solaranlagen

Der Boom ist vorbei

Von Klaus Nissen

Die beste Nachricht vorab: Das Jahr 2017 wird deutlich sonniger als 2016. Das können die Techniker aus der Mittelhessischen Energiegenossenschaft (MiEG) in Kilowattstunden aus ihren 37 Solardächern (hier in Glauburg mit Bürgermeister Carsten Krätschmer, rechts) messen.  Trotzdem brauchen die 530 Freunde der Energiewende neue Geschäftsmodelle.

Solaranlagen auf dem Dach

Auf seiner Terrasse zeigt Diethardt Stamm eine Balkon-Solaranlage. Damit können jetzt auch Mieter Solarstrom erzeugen. Foto: Nissen

In den ersten sechs Monaten des Jahres hat die Sonne viel mehr Strom als im Vorjahr produziert. Damit verdient die 2011 in der Wetterau gegründete Genossenschaft ihr Geld. Im Zeichen der Energiewende betreibt sie 37 Fotovoltaik-Anlagen auf den Dächern von Schulen, Gemeinschaftshäusern und Kindergärten in der Wetterau und den Nachbarkreisen. Ein Jahresgewinn von knapp 20000 Euro kam dabei zuletzt heraus, berichtete Schatzmeister Reinhold Friedrich bei der Generalversammlung im Bürgerhaus von Oppershofen. Das Geld wird nicht an die Anteilseigner ausgezahlt, sondern reinvestiert.

Richtig zufrieden blickten die sämtlich ehrenamtlich aktiven Vertreter der rund 530 Energie-Genossen nicht drein.   Denn der Zuwachs wird immer langsamer. Nur zwei Solaranlagen habe man in den letzten zwölf Monaten neu installiert, so Vorstandsmitglied Diethardt Stamm aus Münzenberg: eine große mit 240 Modulen von jeweils 270 Watt Leistung auf dem Dach der Erich-Kästner-Schule in Rosbach-Rodheim und eine Klein-Anlage von weniger als zehn Kilowatt Leistung auf dem Dach eines Gemeinschaftshauses in Laubach. Weil letztere an die Gemeinde verpachtet ist, fällt keine Erneuerbare Energien-Umlage an. Und nur solche Pacht-Modelle mit Kleinstanlagen sind als Neubauten noch rentabel. „Wir haben viele Themen, aber nicht genug reale Investitionen“, klagte denn auch Reinhold Friedrich im Namen des MiEG-Vorstands. „Wir brauchen neue Betätigungsfelder!“

Neue Geschäftsmodelle in Sicht

Projekte gibt es genug. Zuletzt organisierte die Genossenschaft die Beteiligung von 120 privaten Geldgebern aus dem Raum Kefenrod an drei Rotoren im neuen Windpark Sodernwald bei Wenings. Die Menschen dort könnten so bei großer Investitions-Sicherheit ein wenig Geld verdienen, hieß es bei der Generalversammlung.

Geld verdienen will die Genossenschaft auch mit der Betreuung von „Energieeffizienz-Netzwerken“. Da soll ein Betreuer mit bis zu 15 kleinen und mittleren Firmen ergründen, wie man deren Energieverbrauch reduziert und damit Kosten spart. Ein anderes Projekt ist die Beratung von Leuten, die auf Elektroautos umsteigen wollen. Beim Verkehr stehe man vor großen Umwälzungen, sagte Vorstandsmitglied Sigbert Steffens. Die Energie-Genossen  glauben, dass die Zukunft dem Einsatz kleiner, in Nachbarschaften geteilter  Elektroautos gehört, die man nachts an der eigenen Steckdose aufladen kann.

Ebenfalls am Anfang steht das Geschäftsmodell der Balkon-Photovoltaik: Neuerdings bekommen Kunden Rabatt und Betreuung, wenn sie über die Genossenschaft ein oder zwei Solarmodule kaufen und auf dem eigenen oder gemieteten Balkon installieren. Den Strom könne man in die Steckdose schicken und so seine Stromrechnung verringern, sagt Diethardt Stamm. Mehr erfährt man über die Homepage www.mittelhessische-energiegenossenschaft.de.

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