Windpark am Winterstein

Ökostrom für 9000 Haushalte

Von Klaus Nissenwindrad

Der Windpark auf dem Taunuskamm am Winterstein kann und muss bald kommen. Das proklamieren Grüne, die Initiative „Querstellen – Friedberg“ und die Mittelhessische Energiegenossenschaft. Auf der Kleinen Freiheit in Friedberg erzählten sie bei der Fukushima-Mahnwache am 14. März 2015, wie es um das Projekt steht.

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Am Taunuskamm  gibt es Platz für 15 Windmasten. Grüne und die Energiegenossenschaft machen Druck, damit sechs Rotoren gebaut werden. Grafik: Querstellen-Friedberg

 

Rotoren am Winterstein

Sechs Windmasten der Drei-Megawatt-Klasse sollen so schnell wie möglich im Wald am 482 Meter hohen Winterstein wachsen. Fernab jeder Siedlung, westlich der lärmenden A5 können sie 33 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr produzieren, rechnet der Friedberger Grünen-Fraktionsvorsitzende Florian Uebelacker vor. Das sei genug Energie für 9000 Haushalte. Die Stadt Friedberg ist Eigentümerin des Waldes und könnte nach branchenüblicher Sitte ein Drittel des Gewinns aus dem Stromverkauf einstreichen – um die 9000 Euro pro Windmast und Jahr. Auch Anwohner müssten sich an den Windstrom-Fabriken beteiligen können, so Uebelacker.

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Der Grünen-Stadtverordnete Carl Cellarius im Atomkatastrophen-Outfit. Foto: Klaus Nissen

Der kommunale Energieversorger OVAG, die Friedberger Stadtwerke und die Mittelhessische Energiegenossenschaft (MiEG) wollen den Windpark laut Uebelacker betreiben. Wichtig sei, dass die Friedberger Stadtverordneten bald die Ausschreibung für den Bau der Windmasten genehmigen. Uebelacker: „Wir brauchen bis Ende April Beschlüsse und das Ergebnis der Ausschreibung kurz nach der Sommerpause“ – damit eine ausreichende Vergütung für den Windstrom gesichert sei. Silvester 2016 können und sollen die Windrotoren in Betrieb gehen, sagte Diethardt Stamm, Vorstand der Energiegenossenschaft.

 Zweifel an der 15-Kilometer-Vorschrift

Dazu sind noch einige Bretter zu bohren. Die Grünen wollen in den nächsten Wochen mit drei öffentlichen Fraktionssitzungen für das Windpark-Projekt werben. Eine Mehrheit im Parlament scheint dazu nicht sicher zu sein. Bürgermeister Peter Keller (SPD) zögert, weil die Deutsche Flugsicherung einen 15-Kilometer-Abstand jedes neuen Windmastes zu ihren Funkfeuern fordert – und dies jüngst auch in einem Gerichtsurteil durchsetzte. Man stelle deshalb zum Winterstein-Projekt eine Anfrage bei der Flugsicherung, teilte Keller Anfang März mit. Die Winterstein-Windmasten wären 14,5 Kilometer vom Funkfeuer Erbstadt entfernt, so Florian Uebelacker. Bestehende Masten – wie die drei Anlagen zwischen Bruchenbrücken und Ober-Wöllstadt – stünden viel näher am Funkfeuer.

Diethardt Stamm (MiEG)
Diethardt Stamm von der Mittelhessischen Energiegenossenschaft glaubt, dass ein 15-Kilometer-Abstand zu Funkanlagen der Flugsicherung juristisch auf Dauer nicht durchsetzbar ist. Foto: Hans-Dieter Wagner

Der 15-Kilometer-Abstand lässt sich nicht durchsetzen, hofft Diethardt Stamm von der MiEG. Obere Gerichtsinstanzen hätten andernorts schon im Sinne der Windmast-Erbauer geurteilt. Außerdem: Wenn wegen der Flugsicherung südlich Friedbergs keine Windmasten mehr gebaut werden dürften – „dann knäueln sich die Anlagen bald in der nördlichen und östlichen Wetterau“. In Planung sind laut Stamm Anlagen bei Butzbach-Bodenrod, Oppershofen, Nidda und Büdingen. Die Stadt Bad Nauheim will sich am Bodenroder Windmast-Projekt beteiligen, so die Erste Stadträtin Brigitta Nell-Düvel (Grüne) zum Landboten. Auf dem Oppershofener Hinterfeld plant eine Firma drei Windmasten der Drei-Megawatt-Klasse mit 139 Metern Nabenhöhe.

Diethardt Stamm will nicht, dass die Friedberger eine internationale Ausschreibung für den Bau der sechs Windmasten am Winterstein beschließen. „Dann kommen irgendwelche Billiganbieter aus Europa zum Zuge“, sagte der Vorstand der Mittelhessischen Energiegenossenschaft. Besser sei es, gute Anlagen zu bauen und den Sachverstand der Firma Hessenenergie zu nutzen, die dem kommunalen OVAG-Konzern gehört.

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Erika Scheller-Wagner zitierte in Friedberg das Grußwort einer Atomkraftgegnerin aus Kyoto. Hans-Dieter Wagner (links) erinnerte daran, dass auch vier Jahre nach dem Gau in Fukushima bis zu 700 Tonnen radiokativen Kühlwassers pro Tag anfallen. Florian Uebelacker (rechts) berichtete über den Stand des Windpark-Projekts am Winterstein. Foto: Klaus Nissen

Anlass für die kleine Kundgebung auf der Freiheit war nicht die Windkraft, sondern der vierte Jahrestag des Fukushima-Unglücks. Die Kernkraftwerke müssten möglichst bald stillgelegt werden, forderte Hans-Dieter Wagner von der Intiative „Querstellen“ per Megafon. Man bleibe wachsam, bis das Abschalt-Programm 2022 durchgesetzt sei – „schließlich gibt es bis dahin noch zwei Bundestagswahlen“. Bei der Mahnwache wurde auch für die nächste Veranstaltung in Sachen Erneuerbare Energien geworben: „Mega-Stromtrassen oder dezentrale Speicher“ lautet der Vortrag Wolf von Fabecks, des Vaters des Erneuerbare-Energein-Gesetzes. Er spricht am 16. April ab 19.30 Uhr in der Friedberger Stadthalle. Der Eintritt ist frei. Veranstalter ist der Förderverein zur Nutzung der Sonnenkraft – terra-solar.

Weiterführende Links

Die Problematik des 15-Kilometer-Abstands zu Windmasten erklärt der Landbote hier: http://www.wetterauer-landbote.de/?p=2399#more-2399

Die Webseite der Initiative „Querstellen“: www.querstellen-friedberg.de

Die Webseite der MiEG:

www.mittelhessische-energiegenossenschaft.de

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