Salzwiesen Münzenberg

Größtes Binnensalzgebiet Hessens

Von Corinna WillführSalzwiesen

Die Biodiversität – also die Artenvielfalt –  der Wetterau könnte für die Tourismusregion besser genutzt werden, denn die überwiegend landwirtschaftlich genutzte Region verfügt neben ihren Sehenswürdigkeiten auch über einzigartige Landschaftsgebiete. Zum Beispiel: die Salzwiesen bei Münzenberg – das größte Binnensalzgebiet Hessens.

Die Landschaft ist ein tolles Erlebnis

66 Hektar umfasst das Gebiet der „Münzenberger Salzwiesen“ im Wetteraukreis.  Rund sieben Hektar gehören zu dem Naturschutzgebiet gleichen Namens. Ein Areal, das nicht nur für Botaniker insbesondere in den Frühlingswochen für einen Spaziergang oder eine Wanderung zu empfehlen ist. Für Almut Gwiasda, langjährige Vorsitzende des BUND der Taunusgemeinde Wehrheim, sind die Salzwiesen bei Münzenberg: „Eine Landschaft, die für alle Botaniker und Naturfreunde ein tolles Erlebnis bietet.“ Die passionierte Gärtnerin und Pflanzenkennerin war bereits mehrfach dort unterwegs. „Weil ich von ihrer Pflanzenvielfalt einfach begeistert bin.“ Von den lilafarbenen Küchenschellen, dem rötlichen Fingerkraut, dem leuchtend gelben Goldstern. „In einer solchen Fülle sind sie sonst kaum zu finden.“ Die Anregung für ihre Ausflüge hat Almut Gwiasda dem Band „Botanische Wanderungen – Die schönsten Exkursionen“, erschienen im Urania-Verlag, entnommen.

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Die Salzwiesen bei Münzenberg. (Fotos: almut Gwiasda)

Rund acht Kilometer ist die Tour lang, die auf dem Parkplatz unterhalb der Münzenburg, einer Staufer-Residenz aus dem 12. Jahrhundert beginnt. Das von Konrad von Hagen und Arnsburg und seinem Sohn Kuno erbaute Gemäuer wird wegen seiner beiden charakteristischen Rundtürme auch als „Wetterauer Tintenfass“ bezeichnet. 144 Stufen geht es hinauf bis zur Spitze des Burgturms im Osten. Von dort hat man – bei gutem Wetter – einen herrlichen Ausblick in die Talaue der Wetter, bis in den Vogelsberg oder zur Frankfurter Skyline.

Der Rundweg führt auf einer maximalen Höhe von 250 Metern über dem Meeresspiel durch das größte Binnensalzgebiet in Hessen (größtes Halophyten-Vorkommen). Er ist also ohne größere Anstrengungen zu bewältigen. Auch wenn es vorbei am Hattsteiner Hof unterhalb der Burg danach ein wenig bergauf geht: Der Weg lohnt sich, führt er doch auch an eigenartigen steinernen Gebilden vorbei: Bänken, die zu hoch zum Sitzen sind, aber einst geeignet waren, dass man die Kiepen absetzen konnte. Und dem „Galgen“, der in der Wetterau einzigartigen ehemaligen Gerichtsstätte.

Von der Küste durch Steppe und Heide

Eine ausführliche Beschreibung einer Tour durch das Naturschutzgebiet findet sich auf der Internetseite der Wirtschaftsförderung Wetterau (WfG). Rund zweieinhalb Stunden Gehzeit sind für die zehn Kilometer lange Strecke durch die „Nordsee der Wetterau“ einzuplanen. Ein Weg, auf dem man Strand-Alster, Sandschaden und Strand-Dreizack entdecken kann.  Pflanzen, die sonst nur in Küstenregionen anzutreffen sind. Start ist am Sportplatz in Münzenberg.

Warum aber gedeihen die Pflanzen in dieser Region, 400 Kilometer von der Küste entfernt? Für deren Entstehung ist ein tiefes, salzhaltiges  Grundwasserstockwerk verantwortlich, das im Wettertal, im salzwiesen2Bereich junger tektonischer Störungen zur Oberfläche auftauchen kann. Dabei sorgen die im Wasser enthaltenen Salze für Wachstums- und Bodenbedingungen wie an der Meeresküste. „Der Lebensraum ist dabei fragil und durch Einschwemmungen von Süßwasser gefährdet. Gerade deshalb sind die seltenen und wertvollen Flächen unter Schutz gestellt“, heißt es in der Tourenbeschreibung. Versteht sich, dass man dies bei seiner Wanderung achtet und die befestigten Wege nicht verlässt.

Auch nicht im Naturschutzgebiet „Metz von Münzenberg“, etwa auf der Hälfte der Rundtour, in dem mit Wacholder und Golddistel typische Pflanzen der Steppe wachsen. Die dortigen Magerrasenflächen, auf denen beispielsweise der kleine Wiesenknopf oder das kleine Habichtskraut zu finden sind, werden regelmäßig von Schafen beweidet.  „Klein“ sagt es schon: Die Flora der Magerrasen ist eher unscheinbar. „Das Besondere ist eben die Seltenheit.“

Das gilt auch für die letzte Etappe des Wegs. Sie führt durch das Naturschutzgebiet „Traiser Steinberg“, eines der letzten Heidegebiete der Wetterau, das der Naturschutzfonds Wetterau gepachtet hat. Seine regelmäßige Pflege wird aus Mitteln der Europäischen Union unterstützt. Und durch die Arbeit der Schäfer. Denn „ohne die Schafbeweidung würde die Heide absterben.“

www.wfg.wetterau.de

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