Riesen-Blumen am Parkhaus

Patrick Borchers in  Gießen

Von Jörg-Peter Schmidt

Der Hagener Patrick Borchers sorgt mit seinen künstlerischen Arbeiten, die im Juli und August 2017  in Gießen zu sehen sind, für öffentliches Interesse. So kann man täglich beobachten, wie Passanten vor der rund 120 Meter breiten und etwa 15 Meter hohen Fassade des Parkhauses beim früheren Schlachthof an den Hessenhallen stehen bleiben.

Riesen-Blumen am Parkhaus

Neuerdings schmücken farbenfrohe Pflanzenmotive die gesamte Wand des Parkhauses .  Unter dem Titel „Blumengießen“ haben nach Vorlagen des Künstlers  Sprühdosen-Designer der Firma „Lackaffen“ aus Münster (Nordrhein-Westfalen) die Flowerpowerbilder auf die vorher trostlos unscheinbare Fläche aufgetragen.

Auf die rund 120 Meter breiten und etwa 15 Meter hohen Parkhauswand bei den Hessenhallen in Gießen sind die Blumenmotive des Künstlers Patrick Borchers aufgetragen worden. Fotos: Jörg-Peter Schmidt

Übrigens präsentiert Patrick Borchers in Gießen seine Arbeiten nicht nur bei den Hessenhallen. Kürzlich eröffnete er eine Ausstellung in dem ehemaligen Kiosk am Nahrungsberg in der Licher Straße: Dort bietet ihm der „Neue Kunstverein“ der Universitätsstadt bis zum 28. August 2017 ein Forum, um Zeichnungen zu zeigen, die vorwiegend die Abscheu des Grafikers vor Gewalt ausdrücken.

Patrick Borchers zeigt seine Arbeiten im früheren Kiosk am Nahrungsberg noch bis zum 28. August 2017.

Wie kam es zu dem monumentalen Auftrag für den Hagener Kunst- und Sonderpädagogen des Geburtsjahrgangs 1975? Die Vorgeschichte ist spannend: Die Helm-Holding GmbH aus Aßlar (Lahn-Dill-Kreis) hatte zusammen mit der Stadt Gießen dazu aufgerufen, sich für die künstlerische Gestaltung der Parkhauswand zu bewerben. Es gab dann die Möglichkeit für die Bevölkerung,  per Online-Votum vorzuschlagen, welche Bewerberin oder welcher Bewerber  den Auftrag mit einer Förderung von 40 000 Euro erhalten soll. Beim Online-Votum soll Borchers bei einem halben Dutzend Bewerbern auf dem vorletzten Platz gelandet sein. Die endgültige Entscheidung, wer letztlich den Zuschlag erhielt, traf danach eine siebenköpfige Experten-Jury, die nicht für den Entwurf des Gießeners Thomas Vinson entschied, den viele Kunstfreunde gern als Sieger des Wettbewerbs gesehen hätten. Den ersten Platz aus Sicht der Jury belegte Patrick Borchers. In Gießen, so hört man,  fragen sich seitdem viele Bürger verwundert, warum es überhaupt eine Online-Befragung für die Bevölkerung gegeben hat.

Borchers wird also damit konfrontiert, dass es seitens mancher Kunstfreunde in Oberhessen Gegenwind für ihn gegeben hat, bevor er überhaupt mit der Gestaltung der Parkwand beginnen konnte, für deren Bildmotive er als Grundlage die Homepage des Gießener Botanischen Gartens  verwendet hat. Kann Borchers, der zum künstlerischen Fachteam der Uni Dortmund gehört, dennoch die Kritiker überzeugen? Es sieht so aus, denn viele Bürger haben sich die Blumenwand inzwischen angesehen und äußern sich positiv. Andere wiederum sind sauer und bemängeln, man hätte „doch die 40 000 Euro sinnvoller ausgeben können.“

Weniger umstritten ist die eingangs erwähnte Ausstellung von Borchers unter dem Titel „Stichprobe“, die im ehemaligen Kiosk beim Alten Friedhof in Gießen bis Ende August 2017 jeweils samstags von 14 bis 17 Uhr oder auch nach Vereinbarung unter den jeweiligen Telefonnummern 0641-250 9444 und 0174-3429966 zu besichtigen ist. Die Vernissage stieß auf großes Interesse. Prof. Dr. Ansgar Schnurr (Institut für Kunstpädagogik an der Liebig-Universität Gießen) stellte den Künstler und seine Arbeiten vor: Borchers sammelt aus dem Netz Fotografien und entwickelt auf der Grundlage dieser Aufnahmen seine Zeichnungen. So sieht man in der Ausstellung in ehemaligen Kiosk beispielsweise Szenen der Gewalt bei Ausandersetzungen während Demonstrationen. Wie der Grafiker bei der Vernissage unterstrich, beobachtet er mit großer Sorge den wieder mal zunehmenden Rechtsradikalismus. Er möchte aber nicht eine politischer Richtung eingeordnet werden. „Gewalt geht leider nicht nur von Rechtsradikalen aus“, sagte der Hagener, der künstlerische Arbeiten auch per Videos liefert.

Die Zeichnungen des Hageners stellen distanzierend oft Gewalt – beispielsweise bei Auseinandersetzungen während Demonstrationen – dar.
Viele der Gäste zeigten sich von der Ausstellung beeindruckt. Am Tag nach der Vernissage fand dann noch offiziell die Einweihung der Blumenwand bei den Hessenhallen statt, die eine sicherlich viel diskutierte, aber künstlerisch hochinteressante  Dauereinrichtung in Gießen bleiben wird.

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