Ratzkatrein

Gelungene Uraufführung

Die Kleine Bühne Gambach ganz groß: Mit der Uraufführung des Stücks „Ratzkatrein“ begeisterten die Laienschauspieler am Freitag, 26. Oktober 2018, im Gambacher Bürgerhaus das Publikum. Auf der bewusst spartanisch gehaltenen Bühne boten die 23 Darsteller eine ergreifende Leistung.

Ergreifend spartanisch

Als Catarina Ratz, genannt Ratzkatrein, zum letzten Mal vor ihrer Hinrichtung ihre Tochter sieht, fließen im Publikum die Tränen, so eindringlich stellen Anne Schütz (Ratzkatrein) und Charlotte Kasten (Tochter Hanne) das Leid der beiden dar. Das Bühnenbild ist dabei äußerst sparsam: lediglich eine schlichte Holzbank, auf der die beiden sitzen, dahinter weiße Vorhänge. Selbst die Kostüme sind einfache weiße Kleider.

Catarina Ratz war vermutlich die letzte Frau in Hessen, die als Hexe hingerichtet wurde. Zu Beginn des Jahres 1718 wurde sie auf dem Galgenberg zwischen Gambach und Griedel auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Zuvor hatte es in Gambach drei verheerende Brände gegeben: 1703, 1715 und 1717.

Der letzte Brand wird auf der Bühne mit einfachen, aber wirkungsvollen Mitteln dargestellt: Hinter dem Vorhang flammen rote Lichter auf, aus den Lautsprechern dringen Brandgeräusche, Menschen taumeln rußverschmiert hinter dem Vorhang hervor auf die Bühne. Sie rotten sich zusammen. Das Gerücht entsteht, die Ratzkatrein sei eine Hexe und Schuld an den Bränden.

Bewusst zeitlos

In einem Schreiben wird Landesherr Wilhelm Moritz von Solms-Braunfels aufgefordert, den Vorwürfen nachzugehen. Der entsendet eine Kommission nach Gambach. Die zunächst standhaft bleibende Catarina Ratz wird so lange gefoltert, bis sie gesteht, eine Hexe zu sein und die Brände gelegt zu haben. Eine Schlüsselszene des Stücks spielt sich in einem Wirtshaus ab, in der es zur Konfrontation der Kommission mit Bürgern kommt, die inzwischen Mitleid mit der Ratzkatrein haben. Aber als es schließlich zur Hinrichtung kommt, verkaufen selbst diese Bürger Stroh für das Feuer, denn das Geld können sie gut brauchen.

„Es gebe dunkle Zeiten, Zeiten, in denen Menschen nur aufgrund ihres Andersseins verfolgt und auch getötet wurden. Diese dunklen Zeiten vermögen in jede Gemeinschaft einzudringen, und sie liegen nicht irgendwo weit entfernt im Mittelalter. Sie sind uns ganz nahe. Diese dunklen Zeiten kommen nicht wie ein Unwetter aus heiterem Himmel, sie sind von Menschen gemacht und sie können von Menschen vermieden werden“, erklärt Johannes Schütz, Autor und Regisseur des Stückes, dessen Tochter in der Hauptrolle glänzt.

Bühnenbild und Kostüme sind bewusst zeitlos gehalten, um die Aktualität des Stoffes zu betonen. Weil das Bühnenbild so spartanisch ist, sind die Schauspieler umso mehr gefordert. Die 23 Laiendarsteller lösten das mir Bravour. Das Publikum dankte mit langem, lautem Applaus. Einer Zuschauerin kam der Beifall etwas zu früh: „Ich hätte gerne noch einen Augenblick Ruhe gehabt“, sagte sie, sichtlich beeindruckt von dem Stück.

Die nächsten Vorstellungen sind am Samstag, 27.10., Freitag, 2. November und Samstag, 3. November 2018, jeweils um 20 Uhr im Bürgerhaus in Gambach.

Hexenverfolgung

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