Räuber Hotzenplotz

Neuer Preußler ist keine Rakete

Den neuen Hotzenplotz hat Kirsten Rühs aus Bad Nauheim in ihr Sortiment aufgenommen. (Bild: Petra Ihm-Fahle)
Den neuen Hotzenplotz hat Kirsten Rühs aus Bad Nauheim in ihr Sortiment aufgenommen. (Bild: Petra Ihm-Fahle)

Der Räuber Hotzenplotz ist  ausgebrochen. Doch Kasperl und Seppel fangen ihn wieder ein. Dazu bauen sie eine Mondrakete.

„Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete“ – so heißt denn auch der vierte Teil der Hotzenplotz-Reihe. Ganz neu erschienen, sorgt das Buch schon für Wirbel. In der Buchhandlung Rühs in Bad Nauheim ist das Echo allerdings noch verhalten. 

Unverhofft entdeckt

Es war eine Sensation: Ein neuer „Hotzenplotz“ kommt. Das meldete die Presse im Mai. Fünf Jahre nach dem Tod von Otfried Preußler. Eigentlich war es ein Stück, das der Kinderbuch-Autor für das Puppen-Theater schrieb. Vor über 50 Jahren – und seine Tochter hat es jetzt nacherzählt. Susanna Preußler-Bitsch sagt dazu: Sie habe das Manuskript unverhofft entdeckt. Preußler-Bitsch verwaltet den Nachlass ihres Vaters.

Interesse groß an Hotzenplotz

Im vierten Abenteuer um den Räuber Hotzenplotz geht es auf den Mond. Wirklich? (Bild: Petra Ihm-Fahle)
Im vierten Abenteuer um den Räuber Hotzenplotz geht es auf den Mond. Wirklich? (Bild: Petra Ihm-Fahle)

„Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete.“ Am 25. Mai 2018 ist das Buch bei Thienemann erschienen. Vorzeitig, weil das Interesse so groß war. Und manch ein Leser ist nun davon enttäuscht. „Neuer Hotzenplotz bietet wenig Überraschungen.“ So titelt der MDR in einem Artikel. Und die „Zeit“ setzt noch eins drauf, indem sie schreibt: „Mogelpackung mit Mondrakete.“ Die TAZ wiederum hat das neue Buch gelobt: Kinder läsen es gerne. „Hotzenplotz in einem Schluck“, schreibt TAZ-Autor Benjamin Zimmer darüber. Das Theater Düsseldorf will das Werk uraufführen.

Hotzenplotz als Theaterstück

Die Kritik, die viele Rezensenten äußern, bezieht sich auf Folgendes: Die Entdeckung könne nicht wirklich überraschend gewesen sein. Denn tatsächlich erschien das Stück schon 1967 in einem Sammelband. Unter anderem Titel: „Die Fahrt auf den Mond.“ Es war nur fünf Seiten lang. Ein aufmerksamer Leser hatte die Presse darauf aufmerksam gemacht.

Der Verlag sagt etwas anderes dazu: Er habe durchaus in sein Archiv geschaut. Dabei habe sich aber kein Hinweis auf das Stück gefunden. So schildert es Bärbel Dorweiler vom Thienemann-Verlag. Kürzlich sprach sie mit dem Deutschland-Funk darüber.

Handlung zu einförmig?
Thorsten Saleina hat den neuen Hotzenplotz illustriert. (Foto: Petra Ihm-Fahle)
Thorsten Saleina hat den neuen Hotzenplotz illustriert. (Foto: Petra Ihm-Fahle)

Die Kritik, die die Rezensenten vorbringen, bezieht sich noch auf etwas anderes: Viel zu einfach sei die Geschichte erzählt. Zu geradlinig. Und Preußlers Sprachwitz komme nicht rüber. Aus fünf Seiten ein 60-seitiges Buch zu machen – diese Rechnung gehe nicht auf. Die Kritiker loben hingegen die bunten Bilder von Thorsten Saleina. Sie sind modern, aber den Originalen nachempfunden. Und sie sind sehr groß. Auch das das ermöglicht 60 Seiten.

Der Neue Landbote hat Kirsten Rühs gefragt. Sie ist Buchhändlerin in Bad Nauheim. Was dachte sie, als sie von der Neu-Erscheinung hörte? Wie findet sie das Buch?

Bei den Bilderbüchern
Kirsten Rühs empfiehlt den neuen Hotzenplotz für Kinder ab vier Jahren. (Bild: Petra Ihm-Fahle)
Kirsten Rühs empfiehlt den neuen Hotzenplotz für Kinder ab vier Jahren. (Bild: Petra Ihm-Fahle)

„Ich war skeptisch. Aber ich dachte: Die werden schon gut nachgeforscht haben“, sagt Rühs. Den Titel hat sie zu den Bilderbüchern gestellt. Sie empfiehlt ihn ab vier Jahren, zum Vorlesen. Anders als die ersten drei Bände, die ab acht Jahren sind. „Ich finde es schön. Es ist etwas moderner aufgemacht“, sagt sie. Ein Renner sei das Buch bisher nicht. Das könne aber am Sommer liegen. Und: „Kinderbuch-Klassiker verkaufen sich mittlerweile immer schlechter.“ Als Kind hat Rühs die Bücher von Preußler verschlungen: „Ich habe sie geliebt.“ Doch die Kinder von heute seien anders. Das Buch als Original-Preußler zu verkaufen, komme ihr wie ein Marketing-Mittel vor. „Aber es ist trotzdem süß.“

Info-Box

Otfried Preußler kam am 20. Oktober 1923 in Reichenberg/Tschechoslowakei zur Welt. Er starb am 18. Februar 2013 in Prien/Chiemsee. Neben dem „Räuber Hotzenplotz“ schrieb er weitere Klassiker. „Die kleine Hexe“, „Das kleine Gespenst“, „Der kleine Wassermann“ und Krabat gehören dazu.  (ihm)

Radiobeitrag bei MDR

Ein Gedanke zu „Räuber Hotzenplotz“

  1. Dieses Buch schrieb nicht Otfried Preußler, sondern seine Tochter (und zugleich Nachlassverwalterin). Der Verlag sollte dies ganz offen kommunizieren und den Namen der Urheberin auf den Umschlag schreiben, anstatt sie diskret im Impressum zu verstecken. Alles andere ist eine Irreführung des Kunden – offenbar aus Profitgründen eine durchaus beabsichtigte, so jedenfalls wirkt es.

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