Radschnellweg

ADFC schlägt Trasse an der Bahn vor

Bis zu 2000 Fahrradpendler pro Tag würden einen schnellen und direkten Radweg zwischen Butzbach und Frankfurt benutzen – so zitiert der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) eine Studie des Landes und der Arbeitsgemeinschaft Nahmobilität Hessen. In nächster Zeit gebe es die „historische Chance“, diesen Weg zu bauen. Die Kreisverwaltung bleibt aber skeptisch. Nur für Genussradler ist die Wetterau schon längst ein Paradies.

„Kurze Wetterau statt Radschnellweg

Fast schnurgerade und frei von Steigungen durchquert die Main-Weser-Bahn seit 170 Jahren die Wetterau. Von Frankfurt bis Friedberg wird die Trasse in den nächsten Jahren verbreitert. Die Wirtschafts- und Rettungswege neben den Gleisen sollte die Bahn gleich als Radschnellweg gestalten, schlägt der ADFC vor. Das wäre binnen eines Jahrzehnts machbar, so der Lobbyverband der Radfahrer. Die auf maximal 30 Millionen Euro taxierten Baukosten für die 28 Kilometer lange Strecke könnten vor allem aus Fördertöpfen des Landes und des Bundes kommen, glaubt Christian Euler vom Bad Vilbeler Ortsverband.

Schon im Februar 2016 präsentierte der damalige Landrat Joachim Arnold (rechts) gemeinsam mit dem Fahrrad-Beauftragten Peter Hünner die Strecke des schnellen Nord-Süd-Radweges „Kurze Wetterau“. Doch bis heute existiert er nur in Teilstücken. Der ADFC würde den schnellen Radweg lieber entlang der Main-Weser-Bahn bauen. Foto: Wetteraukreis.

Der ADFC will im Herbst 2019 ein Konzept über den Streckenverlauf und seine Ausgestaltung vorlegen. Dann könnten die Anlieger-Kommunen eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben. Die schon im Bau stehende Schnellverbindung von Darmstadt bis Frankfurt wäre durch die Wetterau problemlos bis Gießen zu verlängern, findet Euler: „Auch lässt sich durch Zubringer von Wölfersheim und Ober-Mörlen nach Bad Nauheim und von Nidderau über Schöneck und Niederdorfelden nach Bad Vilbel das Netz an schnellen Radverbindungen erheblich in die Fläche ausdehnen.“ Hilfreich sei dabei, dass der Regionalverband Frankfurt-RheinMain vor wenigen Wochen die Schaffung einer Koordinierungsstelle für den überörtlichen Radwegebau beschlossen hat. Die könne die Projekte koordinieren und Hinweise auf Fördermittel geben.

Der -Radschnellweg wäre auch im Interesse der Bahn, finden die Leute vom ADFC. Wenn an den Bahnhöfen und Haltestellen diebstahlsichere Abstellanlagen für Fahrräder geschaffen werden, könnten die sportlichen unter den bisherigen Auto-Pendlern leichter auf eine Kombination aus Rad und Bahn ausweichen. Das würde die Bundesstraßen 3, 521 und 45 entlasten.

Auch der Wetteraukreis hat einen nord-südlichen Radweg in seinem gerade aktualisierten Radverkehrsplan. Den nennt er „Kurze Wetterau“. Die geplante Strecke entspricht aber nicht den Standards für einen Radschnellweg. Sie führt meist über Feldwege vom Butzbacher Marktplatz nach Süden. Einige Lücken sind noch zu schließen, sagt der Kreis-Pressesprecher Michael Elsaß. Weiter im Süden soll die „Kurze Wetterau“ auf den Nidda-Radweg einschwenken, den es schon gibt. Den vom ADFC gewünschten Radschnellweg „wird es erst einmal nicht geben“. Planung und Bau wären in nächster Zeit unrealistisch und zu teuer.

Gleichwohl hat sich auch der zuständige Kreisbeigeordnete Matthias Walther (CDU) bei einer Fahrradkonferenz im Friedberger Kreishaus im Juni 2019 für den Ausbau schneller Radwege zwischen Ortsteilen und Kernorten ausgesprochen. Fahrräder brauchten in den Städten und Dörfern der Wetterau mehr Platz. Man müsse „den Pkw-Verkehr dort entschärfen, wo er Radfahrer gefährdet.“  Wichtig sei, dass die Radwege auch für alltägliche Fahrten brauchbarer werden.

Experten fanden 900 Schwachstellen im Wegenetz

Der Radverkehrsplan des Kreises ist gerade aktualisiert worden. Fachleute haben ein 1200 Kilometer langes Wegenetz unter die Lupe genommen, davon 185 Kilometer Schotterstrecken und 95 Kilometer auf Straßen. Sie machten rund 900 Schwach- und Gefahrenstellen aus. Dazu gehörten zum Beispiel das Fehlen von Radständern an den Schulen und zu wenige Radwege zur Gesamtschule Konradsdorf bei Ortenberg. Die Mängelliste soll in den nächsten Jahren abgearbeitet werden. Aktuell baut das Land Hessen einen Radweg entlang der L3351 zwischen Ilbenstadt und Burg-Gräfenrode. Vor kurzem gebaut wurden Radwege an der B3 von Ober-Wöllstadt nach Friedberg und zwischen Groß-Karben und Heldenbergen. Eher touristisch ist der erneuerte Limes-Radweg zwischen Echzell und Altenstadt, der in diesem  Sommer bis Marköbel verlängert werden soll.

Ein neuer Fahrradständer vor der Dankeskirche in Bad Nauheim. Vor allem an Wetterauer Bahnhöfen fehlen immer noch viele dieser Anlagen.

Wer vergnügungshalber radelt, findet in der Wetterau massenhaft empfehlenswerte Strecken und Rundtouren. Das Online-Portal Outdooractive zählt 173 Radwege, 60 Strecken für Mountainbikes und 45 Rennradstrecken. Es gibt den Kelten-Radweg zum spektakulären Keltenmuseum am Glauberg. Am meisten frequentiert ist der von Karben bis Nidda durch die Wetterau führende Fernradweg R4 entlang der Nidda. Attraktif ist auch der Vulkan-Radweg von Altenstadt über den Vogelsberg nach Schlitz (www.vulkanradweg.de). Frankfurter können an Wochenenden mit Zubringerbussen auf den Hoherodskopf fahren und auf der Trasse der früheren Oberwaldbahn gemütlich nach Hause radeln. Auf dem Rückweg rollt man eine ehemalige Bahnstrecke herab.

Weitere Touren zeigt die 2018 vom Wetteraukreis herausgegebene Fahrradkarte, die im Kreishaus zu kaufen ist. Der radbegeisterte Pressesprecher Michael Elsaß empfiehlt in seinem neuen Buch „Wetterau-Radtouren“ (Morlant-Verlag) 23 interessante Strecken. Besonders gefällt ihm eine Rundstrecke um Nidda und die kurze Tour von Nieder-Weisel über Rockenberg zur Burg Münzenberg. Der Landbote-Redakteur Bruno Rieb beschreibt schließlich auf www.wetter-radweg.de den Verlauf und die Attraktionen eines Radweges durch die Wetter-Au von Wöllstadt bis Grünberg.

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