NSA & Co.

Fotos von Landschaften der Überwachung

Von Corinna Willführ

Unter dem Titel „Eagle Eye Photo Contest“ ruft der Frankfurter UnbenanntKunstverein (Hobby-)Fotografen, Künstler und „die Allgemeinheit“ dazu auf, bis 31. Mai 2015 „die deutschen Landschaften der Überwachung zu erkunden und zu dokumentieren.“ Die besten Arbeiten des Wettbewerbs werden im Rahmen der Ausstellung „The Octopus“ des US-Künstlers Trevor Paglen ab 20. Juni im Frankfurter Kunstverein gezeigt.

„Eagle Eye Photo Contest“

Sie sind am Ende einer namenlosen Lehmstraße im Wald (Transmitter-Facility Egelsbach bei Mörfelden-Walldorf), von umliegenden Gebäuden kaum unterscheidbar (Storage-Station in Mainz-Kastel) oder mitten in der Stadt (US-Generalkonsulat Frankfurt): Überwachungseinrichtungen der US-Geheimdienste. Doch nicht allein sie stehen im Fokus des „Eagle Eye Photo Contest“, den der Frankfurter Kunstverein veranstaltet, sondern auch „Zeichen“ für Aktivitäten des Bundesnachrichtendienstes (BND).

„Von Basisstationen der amerikanischen NSA und des deutschen BND mitten unter uns bis zur geheimen Spionage-Ausrüstung in US-Botschaften und Konsulaten richtet der Eagle-Eye-Photo-Contest sein Augenmerk auf die uns überall umgebenden Landschaften der Überwachung“, heißt es in der Aufforderung zur Teilnahme an dem Wettbewerb auf der Homepage.

Sie zu studieren, ist unbedingt zu empfehlen, bevor man sich mit der Kamera auf den Weg macht. Schließlich geht es nicht darum, die Pracht im Frühlingsgarten und die schönsten Aufnahmen von Hund‘ und Katz‘ zu machen. So ist dort zu erfahren, dass das Hinzufügen von störenden Bildelementen oder Menschen nicht erlaubt ist, ebenso wenig wie nachträgliche Veränderungen des Bildes oder der Bildaussage.

Die Panoramafreiheit

Besonders wichtig: die Beachtung der „Panoramafreiheit“. Sie gilt: „Solange man Gebäude und Orte so fotografiert, wie man sie von öffentlichem Gelände aus mit bloßem Auge und ohne Hilfsmittel sehen kann, und man dabei nicht gegen Verbotsnormen des deutschen Strafrechts verstößt (Ausnahmen gelten zum Beispiel für deutsche militärische Anlagen).“ Keinesfalls, so die Versicherung der Veranstalter „befördern wir das widerrechtliche Betreten, noch wollen wir zu Gesetzesbrüchen anstiften oder sehen über diese hinweg.“

Maximal fünf Fotos kann jeder Teilnehmer in Schwarz-Weiß oder Farbe einsenden. Die drei „Sieger-Bilder“ werden von einer Jury ausgewählt, zu der auch der US-amerikanische Künstler Trevor Paglen, die Direktorin des Frankfurter Kunstvereins Franziska Nori und der Chefredakteur des Journal Frankfurt, Nils Bremer, gehören. Das Stadtmagazin ist Medienpartner der Präsentation und veröffentlicht die ausgezeichneten Fotos.

Der „Octopus“ von Trevor Paglen

Trevor Paglen, Jahrgang 1974, zeigt seine Arbeiten unter dem Titel „Octopus“, ein Projekt im Rahmen der RAY 2015 Fotografieprojekte Rhein/Main, in Kooperation mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ der Frankfurter Goethe-Universität.

Der in New York lebende Autor, Fotograf und „Aktivist der politischen Linken“ beschäftigt sich seit Jahren mit der Dokumentation des Militärs und der Geheimdienste in seinem Heimatland. Seine Arbeiten waren unter anderem bisher in einer Einzelausstellung im Berkeley Art Museum in Kalifornien, während der Biennale in Istanbul und in der Wieder Sezession zu sehen.

Unter dem Hashtag EagleEyeContest können alle Teilnehmer ihre Arbeiten im Netz unter ihren Profilen in den sozialen Netzwerken teilen.

www.photocontest-eagle-eye.org

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