Notfallsanitäter

Ausbildung beim DRK Büdingen

Von Myriam Lenz

Das DRK in Büdingen sucht noch Auszubildende für den Beruf des Notfallsanitäters. Die dreijährige Lehre gibt es seit 2014. Es ist die höchste Qualifikation des nicht-ärztlichen Personals im Rettungsdienst. Voraussetzungen für die Ausbildung sind die Mittlere Reife oder ein Hauptschulabschluss mit abgeschlossener Berufsausbildung, das Mindestalter von 18 Jahren und ein Führerschein (C1 Führerschein wird bezahlt und ist Bestandteil des 1. Ausbildungsjahres). Wer sich den Beruf vor der Ausbildung anschauen möchte, kann ein Praktikum oder auch ein Freiwilliges Jahr im Rettungsdienst absolvieren. Während des Freiwilligen Jahres übernimmt das DRK Büdingen die Ausbildungskosten zum Rettungssanitäter und die Kosten zum C1 Führerschein. Der Beginn des Praktikums ist jederzeit nach Absprache möglich. Die Ausbildung zum Notfallsanitäter beginnt am 1. September 2018. Es sind noch Plätze frei. Aileen Willner und Benjamin Vinson (Foto) absolvieren zur Zeit die  Auszubildung zum Notfallsanitäter beim DRK Kreisverband Büdingen. Im folgenden Interview sprechen sie über die Herausforderungen im Alltag und dem guten Gefühl nach einem Einsatz.

Mehr Spaß mit jeder weiteren Qualifikation

Landbote: Was hat Sie dazu bewegt, Notfallsanitäter zu werden?

Aileen Willner: Als Jugendliche war ich bereits Mitglied in der Feuerwehr. Einige meiner Feuerwehrkameraden begannen zu dieser Zeit, im Rettungsdienst tätig zu werden. Der Rettungsdienst hat mich besonders geprägt.

Inwiefern?

Aileen Willner: Meine Oma war zu diesem Zeitpunkt pflegebedürftig. Als sie einmal gestürzt war, riefen wir den Rettungsdienst. Ich war 13 Jahre und sehr aufgelöst. Es kam ein Bekannter, der beim Roten Kreuz arbeitet. Er hatte mich angeschaut und gesagt, ‚Aileen, wir kriegen das wieder hin’. Das Versprechen hatte er gehalten. Mir ging es sofort besser und ich wusste, dass meine Oma in guten Händen ist. Das hatte mich sehr beeindruckt.

Benjamin Vinson: Ich hatte zunächst auf ehrenamtlicher Basis mitgeholfen, um auszuprobieren, ob ich der nervlichen Belastung standhalte. Für Medizin habe ich mich schon immer interessiert. Dann fing ich als Aushilfe, später als Teilzeitkraft beim DRK an. Mit jeder weiteren Qualifikation machte es mehr Spaß und umso geringer ist die nervliche Belastung. Es ist eine Kombination aus Medizin, Psychologie, du bist Helfer, Lebensretter, Tröster und Schlichter. Diese Mischung ist schon unheimlich interessant.

Aileen Willner und Benjamin Vinson pauken Theorie. (Fotos: Lenz)

Die Bandbreite scheint groß. Was muss man dazu mitbringen?

Aileen Willner: Die Grundeinstellung, sich auf Menschen einzulassen. Man kann dies ein Stück weit lernen. Ganz oft muss man von null auf 100 da und vollkommen aufmerksam sein. Das macht Spaß. Auch wenn es manchmal anstrengend ist: Wenn man von einem Einsatz zurückkommt und etwas Gutes bewirkt hat, ist das ein gutes Gefühl.

Benjamin Vinson: Der Beruf erfordert Flexibilität und Einfühlungsvermögen. Zu 75 bis 90 Prozent sind es Einsätze in weniger extremen Situationen. Wenn Du Dir bei dem fünften Bagatelleinsatz noch immer Mühe gibst, kann es sein, dass gerade diese Patientin oder dieser Patient besonders dankbar ist.

Aileen Willner: Es ist die Abwechslung. Du weißt nie, geht es um Leben und Tod oder ist jemand leichter erkrankt. Wir sind mal zu einer 92-Jährigen gerufen worden. Sie machte sich Sorgen, weil sie nach zwei Minuten Straße kehren keine Puste mehr hatte. Wir kontrollierten ihre Vitalwerte, sie waren völlig in Ordnung. Nach ein paar Minuten Gespräch ging es ihr wieder besser.

Benjamin Vinson: Wir überbrücken manchmal während der Fahrt die Zeit mit Gesprächen. Jeder, der im Krankenhaus oder in der Pflege arbeitet, hätte diese Zeit gerne. Diese Gespräche tun den Patienten gut und ich bin mir absolut sicher, dass sie davon gesundheitlich profitieren.

Wie findet man den Zugang zu den Patienten?

Benjamin Vinson: Jeder muss sehen, auf welche Weise er den Zugang erhält. Unsere Patienten sind sehr unterschiedlich: Von der Krankheit, dem Alter oder Bildungsstand. Einen persönlichen Zugang zu finden, klappt nicht immer. Wenn es gar nicht geht, bleibt man höflich und sachlich.

Welchen Raum nehmen Krankheiten wie zum Beispiel Demenz während der Ausbildung zum Notfallsanitäter ein?

Aileen Willmer nimmt einen Notruf entgegen.

Aileen Willner: Es ist ein Bausteine-Prinzip. Ein Thema baut auf dem nächsten auf. Die medizinischen Themen sind umfassend. Zu Beginn der schulischen Ausbildung werden die Themen zunächst oberflächlich behandelt, später geht es mit jedem weiteren Schulblock mehr in die Tiefe. Wir arbeiten mit sehr vielen Fallbeispielen, lernen auch viel über Medikamente. Durch unsere Einsätze haben wir natürlich schon einiges mitbekommen.

Wie oft werden Sie zu Einsätzen gerufen?

Benjamin Vinson: Bei einem Vier-Tage-Dienst in der Woche können das zwischen vier und 24 Einsätze sein. Das hängt unter anderem von der Wache, wo wir eingesetzt werden, ab.

Woran liegt das?

Benjamin Vinson: Die Leute fordern immer mehr von Dir. Da kann es sein, dass wir Samstagnacht zu einem Patienten gerufen werden, der seit drei Wochen Schmerzen hat und äußert, dass er jetzt ins Krankenhaus müsse. Da kannst Du freundlich und angemessen kundtun, was deiner Ansicht nach gerade falsch läuft. Das ist in Ordnung. Vielleicht überdenkt derjenige sein Verhalten und zudem reduziert es den eigenen Stress.

Wären Sie nicht manchmal lieber auf einer Wache in der Stadt?

Benjamin Vinson: Nein, denn auf dem Land werden die Inhalte einer qualifizierten Ausbildung mehr abgefragt als in der Stadt. In der Stadt habe ich kaum die Möglichkeit, mich angemessen mit dem Patienten zu befassen. Es dauert rund fünf Minuten bis ich in einer Klinik bin. Ich bin diese Zeit fast nur mit Einladen, Ausladen und Protokollieren beschäftigt. Wir haben hier bedingt durch die relativ langen Fahrzeiten eine andere Verantwortung. Wir sind während der Fahrt richtig gefordert und können uns mit den Patienten intensiv beschäftigen, die Hintergründe und seine Krankheitsgeschichte erfragen.

Was ist für Sie das Besondere an Ihrer Arbeit?

Aileen Willner: Ich wollte nie einen 08/15 Beruf ausüben oder von acht bis 16:30 Uhr im Büro sitzen. Ich wollte Abwechslung und ich finde, dass das, was wir tun, etwas Besonderes ist. Unser Beruf hat Zukunft, Notfälle gibt es immer und dafür braucht es Menschen, die helfen.

Benjamin Vinson: Leben retten kann unheimlich befriedigend sein. Wir behalten in Stresssituationen die Übersicht, in der andere in Panik geraten. Ich wollte ungern für einen anderen Verein arbeiten. Gerade auf dem Land wird bei der älteren Generation das Rote Kreuz immer eine besondere Bedeutung haben. Diese Identifikation ist mir sehr wichtig, das ist nicht in Gold aufzuwiegen.

drk-buedingen.de

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