Neues zum Rewe-Lager

Logistikzentrum soll 2022 in Betrieb gehen

Von Klaus Nissen

Trotz aller Proteste rückt der Bau der fast zehn Hektar großen Nachschubhalle für die Supermarktkette Rewe bei Berstadt näher. „Es handelt sich um einen massiven Gebäudekomplex“, räumte der Rewe-Immobilienmanager Martin Obermann am 16. Oktober 2018  ein. Doch der Konzern werde erheblich in ökologische Maßnahmen investieren. Dadurch würden die Baukosten wohl auf mehr als eine Viertelmilliarde steigen. Während die Planungen laufen, machen die Projektgegner weiter mobil.

Neues zum Rewe-Lager

Auf dem 30 Hektar großen Acker-Karree zwischen der Kreisstraße  181  von Echzell, der B455 und der A45 beginnt  nach Vorstellung der Rewe-Manager im Sommer 2019 die Verlegung von Wasser- und Kanalrohren und der Straßenbau. Das etwa 8 500 Quadratmeter große und bis zu 35 Meter hohe Lagerhaus wird nach den Plänen des Konzerns ab März 2020 gebaut. Ende 2021 könnte es in Betrieb gehen, schätzte der Rewe-Logistikchef Manfred Sapper  bei der Pressekonferenz in der Rosbacher Rewe-Zentrale.

Diese Männer treiben den Bau des Logistikzentrums voran: Von links Rewe-Immobilienchef Martin Obermann, Vorstandschef Jürgen Scheider, Wölfersheims Bürgermeister Eike See und Rewe-Logistikchef Manfred Sapper. Foto: Nissen

Schon am 31. Oktober 2018 befasst sich das Parlament des Regionalverbandes im Frankfurter Römer mit dem Projekt.  Nach einer öffentlichen Auslegung dürfte es bis März 2019 in den Flächennutzungsplan aufgenommen sein, hofft Wölfersheims Bürgermeister Eike See (SPD). Die Gemeinde selbst will in den nächsten Monaten den Bebauungsplan mit einer öffentlichen Auslegung voranbringen. Es werde bald dazu auch eine Veranstaltung geben. Keine schlaflosen Nächte bereitet See nach eigenem Bekunden die Verwaltungsklage des BUND im Namen des „Aktionsbündnisses Bodenschutz“ von Naturschützern, Kirchenleuten und Landwirten. Denn man habe bereits einen Sofortvollzug für den Bau des Logistikzentrums genehmigt bekommen. Momentan verhandelt die Gemeinde laut See mit den 15 Landbesitzern – sie sollen um die 20 Euro pro Quadratmeter bekommen. Das Land wird dann für etwa 65 Euro an Rewe weitergereicht – mit einem Millionengewinn für die Gemeinde Wölfersheim. See will das Umlegungsverfahren zum Kauf der Grundstücke gegen Jahresende erledigt haben.

Die oberste Bodenschicht kommt auf andere Äcker

Die Rewe-Manager gaben sich Mühe, die Argumente der Projektgegner zu entschärfen. Bis zu 130 000 Kubikmeter des wertvollen Ackerbodens werde man vorsichtig abschälen und auf schlechteren Böden in der Nachbarschaft verteilen, erläuterte der Rewe-Vorstandsvorsitzende für Deutschland-Mitte, Jürgen Scheider. Erlaubt sei eine neue Deckschicht bis zu 20 Zentimeter. Der Frischwasser-Bedarf werde auf etwa drei Kubikmeter pro Stunde taxiert. Doch er lasse sich deutlich mindern, weil Rewe Regenwasser in einer 6000 Kubikmeter großen Zisterne sammeln und für Toiletten und andere Zwecke nutzen will. Man installiere  Solarmodule für Strom und Wärme im neuen Logistikzentrum und installiere  LED-Lampen, deren Licht keine Insekten anlockt. „Es ist zudem keine Effektbeleuchtung an dem Gebäude geplant“, heißt es in der Pressemitteilung. Auch die Anlage von Blühstreifen sei geplant. In Kürze will Rewe einen Umweltbeirat gründen, in dem örtliche Landwirte, Jäger und andere Fachleute als Berater für die ökologischen Begleitmaßnahmen  mitwirken. Dafür ist man laut Scheider den Landwirten sehr dankbar, die sich ja nicht gerade als „Fans“ des Logistikzentrums bezeichnet hätten.

Bio-Bauer Werner Ruf hat einen Acker auf dem Gelände des künftigen Logistikzentrums gepachtet. Aus Protest gegen dessen Betonierung richtete er dort im Sommer Klein-Parzellen für Bürger aus der Umgebung ein. 2019 muss Ruf voraussichtlich den Acker abgeben. Foto: Nissen

Sobald an der Autobahn-Auffahrt Wölfersheim gut 500 Rewe-Leute arbeiten, ist laut Konzern mit 1500 Lastwagenfahrten und 2000 Pkw-Bewegungen pro Tag zu rechnen. Man spare dabei aber zahlreiche Fahrten zwischen den jetzigen, völlig überlasteten  Nachschublagern in Rosbach und Hungen. Und auf der B455 würden Orte Utphe und Inheiden stark vom Verkehr entlastet. Das neue Zentrum soll rund 500 Supermärkte in ganz Hessen mit Lebensmitteln beliefern.

Der dunkel- und der hellgrüne Acker unterhalb der Wölfersheimer Autobahnauffahrt soll Bauplatz für eine große Umlschlaghalle und Rangierfläche für täglich rund 1500 Lastwagen werden.

Zwei Zufahrten für Lastwagen und Pkw sollen an der von Echzell kommenden Kreisstraße 181 entstehen. Rewe baut an der Kreisstraße von dort auf mehr als hundert Metern eine Rechtsabbieger-Spur, die auf eine neue dritte Spur der B455 zur Autobahn führt. Wer von Echzell kommend links auf die B455 Richtung Wölfersheim abbiegen will, stößt künftig auf eine Ampelanlage. Insgesamt werde das Logistikzentrum das Gold-Zertifikat der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (GDNB) erhalten, so Rewe-Immobilienchef Obermann. Im November 2018 will der Konzern zudem die Webseite  www.rewe-woelfersheim.de mit Informationen zum Projekt freischalten.

All das dürfte die Kritiker kaum beeindrucken. Werner Neumann vom BUND-Landesvorstand gab sich zuversichtlich, dass das Verwaltungsgericht die Rewe-Pläne stoppen werde. Als nächste Protestaktion kündigte das „Bündnis Bodenschutz“ für Sonntag, 21. Oktober ab 15 Uhr einen Vortrag des Gießener Bodenkunde-Professors Jan Siemens an. Es findet auf dem Römerhof gegenüber der künftigen Zufahrt zum Rewe-Gelände statt. Die Kritiker, die dem Rewe-Konzern „Landfraß“ vorwerfen, haben zudem den Protestsong „Boden wie im Paradies“ des Wetterauer Liedermachers Martin Schnur  veröffentlicht.  Er ist auf Youtube abrufbar.

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