Schwarz-Schilling Buch

Gleichrangig – wie hält ein Paar das aus?

Marie-Luise Schwarz-SchillingVon Tonia Hysky

Marie-Luise Schwarz-Schilling (Foto: Heike Rost) stellt eine spannende Frage: „Gleichrangig: Wie hält die Zweisamkeit das aus?“ Gleich mehrere Antworten liefert sie in ihrem neuen Buch.

Neues von Schwarz-Schilling

Marie-Luise Schwarz-Schilling veröffentlichte  ihr neues Buch „Gleichrangig: Wie hält die Zweisamkeit das aus?“.  Es behandelt Fragen zum Thema Gleichberechtigung, Gleichwertigkeit aber auch zur Verschiedenheit von Mann und Frau, dem männlichen und weiblichen Führungsstil oder über heutige Konflikte in der Paarbildung.

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Marie-Luise Schwarz-Schilling ist Autorin. Sie leitete über Jahrzehnte die Batteriefabrik Sonnenschein in Büdingen. Foto: Heike Rost

Marie-Luise Schwarz-Schilling ist eine Powerfrau. Geboren in Berlin, studierte sie später in Göttingen, Paris und München. Als eine der ersten Frauen Deutschlands leitete sie von 1958 bis 1992 ein großes Unternehmen – die  ererbte Akkumulatoren Fabrik „Sonnenschein“. Anfangs tat sie das noch noch gemeinsam mit ihrem Mann  – dem Sinologen (Chinakundler) Christian Schwarz-Schilling. Er machte bei der CDU Karriere – wurde Bundespostminister. Da führte Marie-Luise Schwarz Schillig die Geschäfte der Fabrik allein.

Schon bevor „Sonnenschein“ verkauft wurde, hatte die zierliche, selbstbewusste Frau 1985 ihr erstes Buch veröffentlicht: „Kaufmann und Schamane: Ermutigung zur Freiheit und ihrer Last“, 2004 kam „Die Ehe: Seitensprung der Geschichte“ auf den Markt. Nun kommt der dritte Titel. Es geht um die Auswirkungen der  Gleichrangigkeit von Mann und Frau.

Sechs Singles sitzen an der Tafel

Um Fragen und Thesen nicht nur einseitig aus weiblicher Sicht zu diskutieren, hat sich Schwarz-Schilling zu einer Tafelrunde entschieden. Angelehnt an historische Tafelrunden, dieskutieren in diesem Buch aber  nicht nur Männer. Sechs  Personen, drei Frauen und drei Männer, je drei ältere und drei jüngere Personen setzten sich in sechs Sitzungen zusammen. Ein Journalist, eine Berliner Tänzerin, ein Mann vom Finanzmarkt, eine Mathematikerin, ein Bierbrauer (ehemals Junkie, dann Polizist) und eine Autorin historischer Romane. Alle Personen sind Singles.  Der Punkt, dass diese sechs Personen nicht nur Männer sind, spricht für eine gelungene, ausgewogene Auseinandersetzung zwischen Mann und Frau. Der Fakt allerdings, dass diese Personen fiktive Charaktere sind, die sich an der Tafelrunde zudem hinter Pseudonymen verstecken, lässt den Leser an einer „echten“ Diskussion zweifeln. Ist es möglich, dass Schwarz-Schilling als Frau eine Gesprächsrunde zwischen Männern und Frauen aufs Blatt bringen konnte, ohne ihre eigene Meinung auch in die der Männer einfließen zu lassen und den drei männlichen Beteiligten die wahren Worte in den Mund zu legen? Obwohl fiktive Charaktere, ergibt sich zwischen den Männern und Frauen an der Tafelrunde ein reges Gespräch. Die Männer sagen, was sie so oder so gesagt hätten, ob es nun fiktiv oder real ist. Allerdings zuweilen leicht klischeehaft.

Hier ein Beleg.  Balthasar:   „Ich behaupte, das männliche Geschlecht sei überlegen. […] Männer haben die meisten Kulturleistungen hervorgebracht, ja, die Hochkulturen in der ganzen Welt entstanden erst nach und mit dem Patriarchat. Männer haben schon 2000 v. Chr. Handelsschiffe von persischen Golf bis zur Ostsee geschickt,  Königreiche gegründet und Götter erfunden. […] Wie, bitte schön, hätten sie das tun können, wenn sie nicht das überlegene Geschlecht wären? Wenigstens hier im kleinen Kreise muss man das doch mal sagen können!“
Es wird viel diskutiert, zum Beispiel über männlichen und weiblichen Führungsstil. Hypathia: „Für Frauen geht es im Arbeitsleben mehr um die Sache […]. Vielleicht haben Frauen das dringende Bedürfnis nach Macht und Rang verlernt, weil viele tausend Jahre ihr eigener Rang ohnehin vom Vater und Mann abhing.“

Die Frauen sind sich nicht einig

Interessant ist, dass in manchen Themen auch die Frauen unter sich nicht ganz einig sind. So gibt Salome, die Tänzerin, zu bedenken „Im Gegensatz zu Helena glaube ich nicht, dass der Mann heute eine Frau seltener als früher braucht. Das mag für den sozialen Aufstieg gelten, aber nicht für das Innenleben. Der berufliche Weg ist mit so viel Wettbewerb und Kampf verbunden, dass es einen Bereich von Vertrauen und Zuneigung geben muss. Sonst vertrocknet der Mann und seine soziale Kompetenz sinkt.“
Obwohl das Buch als Sachbuch deklariert ist, kommt dem Leser die Einführungsszene wie in einem Frauenroman vor. Verspielt, träumerisch, weiblich. Eine Frau, die es sich verbietet zu fluchen, über Liebe und Männergeschichten nachdenkt und derweil mit ihrer besten Freundin Sekt trinkt. Dann kommt einer von Beiden die Idee zur Tafelrunde. Ein wenig erinnert es anfänglich an den Erzählstil der Autorin Ildikó von Kürthy, bis schließlich in den Diskussionen die Themen sachlich abgehandelt werden.

Manch einer könnte denken, das Thema Mann, Frau und Partnerschaft sollte doch einfach wieder in den unteren Schubladen verschwinden. Es sind jedoch Themen, die jeden Tag in den Nachrichten stehen. Frauen in Führungspositionen, Vaterschaftsurlaub, gesetzliche Frauenquote oder gar Angela Merkel, eine Frau an der Spitze eines Landes, deren Mann im Schatten seiner Frau steht. Man muss sich darüber Gedanken machen, welche Änderungen es in der Wirtschaft geben könnte, stünden mehr Frauen als jetzt in Spitzenpositionen. Oder auch, wie es die Partnerschaft aushält, diese Gleichrangigkeit
Das Buch ist empfehlenswert, jedoch muss man als Leser vorher beachten, dass es sich um fiktive Charaktere und somit auch um fiktive Gespräche handelt. Es ist in dem Sinne also kein realer Querschnitt, (bzw. Analyse der) durch die deutsche Gesellschaft, jedoch kommt  Marie-Luise Schwarz-Schilling dem doch in manchen Punkten recht nah.

Noch immer gelten männliche Leitbilder

So gibt es unterschiedliche Antworten auf die im Buchtitel gestellte Frage. Manche  Partner halten eine gleichrangige Zweisamkeit aus, andere nicht. Die Frage, warum Schwarz-Schilling das Buch geschrieben hat, beantwortet sie im Buch selbst: „Weil immer deutlicher wird, dass unsere sozialen Fähigkeiten sehr viel langsamer wachsen als unser technisches Können. […] Ein Grund für dieses Ungleichgewicht ist, dass wir bis heute einseitig nach männlichen Leitbildern erzogen werden, bei denen die Machbarkeit die erste Rolle spielt. Machbarkeit fasziniert Frauen weniger; meine Utopie ist, dass sie ein neues Gleichgewicht schaffen. […] Ich glaube, dass Liebe und Partnerschaft zwischen einem Mann und einer Frau zum Besten gehört, was einem Individuum begegnen kann.“

Marie-Luise Schwarz-Schilling: Gleichrangig –  Wie hält die Zweisamkeit das aus? Eine Tafelrunde mit Männern und Frauen. Wagner-Verlag Gelnhausen, 336 Seiten, 14,90 Euro,  ISBN 978-3-95630-252-4

www.marie-luise-schwarz-schilling.de

www.wagner-verlag.de

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