Netzwerk Gastronomie

„Gemeinsam Gäste gewinnen“

Mit dem Ziel, die „Qualitätsgastronomie in der Wetterau“ weiter zu vernetzen, hat die TourismusRegion Wetterau GmbH eine fünfteilige Veranstaltungsreihe gestartet. Zum Auftakt

Sind überzeugte Netzwerker für die Kooperation von Erzeugern und Gastronomen : Annette Kreiling und Reiner Neidhart. (Fotos: Corinna Willführ)

unter dem Motto „Gemeinsam Gäste gewinnen“ waren rund 50 Gastwirte, Direktvermarkter, Erzeuger und Touristiker in das Bistro der  Keltenwelt am Glauberg gekommen. Unterstützt wird das Projekt vom Landkreis Wetterau, dem Kreisverband des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Hessen und dem Verein Wetterauer Landgenuss.

Nachfolgersorge und Fachpersonalmangel

Es bleibt niemandem verborgen, der über die Dörfer fährt. Immer mehr Gaststätten sind geschlossen oder haben vielleicht noch am Wochenende geöffnet. Wer eine Wanderung durch die Region plant plant, tut gut daran, sich eine Brotzeit in den Rucksack zu packen. Vom bundesweiten Kneipensterben auf dem Land wird auch die Wetterau nicht verschont. Die Gründe, warum es kein Schnitzel im „Grünen Baum“ mehr gibt und nach der Arbeit kein Feierabendbier mehr im „Adler“ getrunken wird, sind vielfältig.

„Die gesellschaftlichen Entwicklungen“, so der Wetterauer Landrat Jan Weckler, machten auch vor dem zentralen Kommunikationsort vergangener Tage nicht halt. Etwa der demografische Wandel. Die Landflucht junger Menschen. Die Kommunikation in sozialen Netzwerken statt am Stammtisch. Das Fehlen von qualifizierten Arbeitskräften. Das Bild von der Arbeit in der Küche, hinter dem Tresen oder im Service eines Restaurationsbetriebs. Schließlich die Nachfolgefrage. „Wir müssen Strategien entwickeln, um diesen Veränderungen gerecht zu werden“, so Weckler bei der Auftaktveranstaltung „Gemeinsam Gäste gewinnen – Qualitätsgastronomie in der Wetterau“ unter Federführung der TourismusRegion Wetterau.

Gastronomen treffen Erzeuger

Dabei hilfreich sein sollen die weiteren Veranstaltungen. Ihre Themen: Fachkräfte, Digitalisierung sowie Vertrieb/Marketing. Dabei will das Projektteam unter Leitung von Cornelia Dörr, Geschäftsführerin der TourismusRegion Wetterau Fragen, Probleme und Anregungen der Teilnehmer aus der Auftaktveranstaltung mit aufnehmen. Ebenso wie Ideen oder Vorschläge, die in Teil 2 der Reihe „Gastronomen treffen Erzeuger“ mit einem gemeinsamen Erleben und Erproben der „Heimat auf dem Teller“ am 5. Februar 2019 gemacht werden.

 

 

 

 

 

 

 

Initiatorin der Veranstaltungsreihe Cornelia Dörr, Geschäftsführerin der TourismusRegion Wetterau (im pinkfarbenen Jackett) mit Unterstützern.

„Wetterauer Landgenuss“ ist Vorreiter

Die „Heimat auf den Teller“ bringen in der Region  zwischen Bad Vilbel und Gedern, Friedberg und Ortenberg bereits 17 Gastronomiebetriebe und ebenso viele Erzeuger. Sie haben sich unter dem Slogan „Die Wetterau – von Natur aus lecker“ im Verein Wetterauer Landgenuss zusammengeschlossen. „Wir, die Gastronomen beim Wetterauer Landgenuss, bieten alles, was Leib und Seele zusammenhält. Eine Balance zwischen Tradition und Moderne, die von zünftigen Straußwirtschaften über gutbürgerliche Gasthäuser bis hin zur gehobenen Gastronomie reicht“, werben die Lokale in einer detaillierten Broschüre für sich. Und von den Erzeugern heißt es: „Schmecken Sie den Jahreszeitenwechsel dank einer Vielzahl von Wetterauer Produkten. So macht gesunde Ernährung Spaß!“ Gemeinsam organisieren Gastronomen wie Erzeuger das ganze Jahr über Veranstaltungen. Annette Kreiling, Betreiberin des Bistros in der Keltenwelt am Glauberg und Chefin des „Kreilingshöfchens“ in Bad Vilbel: „Das beginnt mit dem „Frühlingserwachen“, geht über das Landgenussfest im Schloss Ysenburg in Florstadt-Staden im Sommer bis zu den Lammwochen im September und den Wildwochen im Oktober.“ Drei Beispiele aus diesem Jahr: das Vier-Gänge-Menü „Ente meets Kräuterkrone“ (mit Wildkräutern aus der Wetterau) im Duckys in Bad Nauheim; die Afterwork-Party „Flammkuchen mit Lamm“ in der GenussScheune in Reichelsheim-Weckesheim; „Alles aus dem heimischen Wald“ im Geisterhaus in Ortenberg.

Transparenz und Ehrlichkeit

Unter dem Motto „Ein wilder, einzigartiger Tisch in Neidharts Küche“ lässt sich Reiner Neidhart, Vorsitzender des Vereins, am Freitag, 5. Oktober, mit seinem Team in Neidharts Küche in Karben bei der Zubereitung eines Sechs-Gänge-Menüs in die Töpfe schauen. „Was uns beim Wetterauer Landgenuss antreibt, ist der Spaß daran, gemeinsam neue Ideen zu entwickeln. Unseren Kunden zu vermitteln, dass wir, was wir tun, von Herzen machen.“ Nicht zuletzt, sie zu animieren: „Kaufen Sie saisonal und regional – Sie fördern damit Mensch und Natur in Ihrer Region.“ Und einkaufen kann man bei den Erzeugern im Verbund des Wetterauer Landgenusses vom traditionell gereiften Käse in der Hungener Käsescheune über Edles Wildfleisch vom Jagdbetrieb Hoher Vogelsberg in Reichelsheim bis zu Brotaufstrichen aus dem „Hexehäusi“ in Rosbach-Rodheim und Nudelspezialitäten aus Veiths Eierpott in Friedberg-Dorheim. Selbst Quinoa und Goi-Beeren gibt es aus heimischer Produktion.

Immer mehr nachgefragt werden vegetarische oder auch vegane Gerichte auf den Speisekarten. Sehr lecker: Waffeln aus Kartoffelteig, Brennnesseln und Ringelblumen.

„Transparenz und Ehrlichkeit sind für den Kunden ganz wichtig“, sagt Reiner Neidhart. Vom Einkauf über die Verarbeitung bis zur Präsentation auf dem Teller. Aber zuvor sollte die Frage:  „Welches Produkt passt zu meinem Betrieb?“ geklärt sein. Und was ist mit Bio? Was mit der stetig wachsenden Nachfrage nach vegetarischen, nach veganen Speisen? Die Anforderungen einer Bio-Zertifizierung schreckten vielest Gastwirte ab, so eine Stimme aus dem Publikum. Sind doch mit dieser hohe Auflagen – und damit auch Kosten verbunden. Um vegetarische  Gerichte auf die Speisekarte zu nehmen, braucht es auch in einer traditionellen Gastwirtschaft nur gute Ideen und ein wenig Mut, um auch die Stammgäste zu gewinnen, einmal etwas Neues auszuprobieren.

Königsdisziplin: Familienunternehmen

Ohne Mut für Innovationen wäre der Betrieb der Familie Tress auf der Schwäbischen-Alb heute kein vielfach ausgezeichnetes Familienunternehmen. Zwar hat bereits der Großvater nach Demeter-Richtlinien seine Felder bwirtschaftet, die Mutter nach der vegetarischen Vollwertküche von Dr. Bruker gearbeitet: Allein bis zur Marke der vier „Küchenbrüder“ und mehreren gastronomischen Bio-Betrieben war es ein Weg, „nicht ohne Auf und Ab“. Doch einer, für den Daniel Tress warb: Mit Konsequenz den einmal eingeschlagenen Weg zu verfolgen. Denn aus seiner Sicht gewinnt Bio an Bedeutung, nehmen Ethik und Moral bei den Verbrauchern zu, wenn es um Aufzucht oder Schlachtung von Tieren geht. Ebenso bei den Anforderungen an Gemüse oder Obst. Welche Sämereien wurden verwendet? Wo kamen sie her? Wie wurde gedüngt? Wurden Spritzmittel eingesetzt? Fragen, die sich immer mehr Verbraucher stellen würden, so der Unternehmer aus Baden-Württemberg. Beim ebenfalls biozertifizierten Landwirt zahlt Tress 4,80 Euro für ein Kilo Schwein Schlachtgewicht. „Bei uns wird das ganze Tier verarbeitet“. Die Kundschaft schätzt die Firmenphilosophie: Ob es dabei um die Convenience-Produkte wie Eintöpfe und Suppen – mittlerweile im Kartonbecher – geht, das exquisite Menü oder die Maultaschen. Rund 100 Mitarbeiter hat das baden-württembergische Unternehmer. An der Basis: vier Brüder. „Ein Familienunternehmen ist die Königsdisziplin. Da können Sie nicht einfach mal einen rausschmeißen, wenn Ihnen nicht passt, was er macht.“

Bestehende Tourismus-Netzwerke nutzen

Ein Best-Practice-Beispiel, das Mut machen soll. Für die Wetterau stellte Cornelia Dörr allerdings fest: „Wir haben in unseren gastronomischen Betrieben viele Einzelkämpfer.“ Zudem noch mit der Sorge um ihre Nachfolge. Besser als unterzugehen: den Kontakt zum Projektteam „Gemeinsam Gäste gewinnen – Qualitätsgastronomie in der Wetterau“ aufnehmen. Oder von den Kontakten und Ideen des Wetterauer Landgenuss profitieren. Und/oder sich einem der bereits bestehenden touristischen Netzwerke in der Region anschließen. Denn derer gibt es bereits einige: So die Obst- und Apfelweinroute, die Niddaroute, den Lutherweg, die Bonifatius-Route. Wer in den jeweiligen Vereinen Mitglied wird, „erscheint mit seinen Angeboten und Kontaktdaten in den Flyern und auf den entsprechenden Internetseiten“, so Dörr.  Und ist auch „mit dabei“, wenn die TourismusRegion Wetterau auf Messen und Veranstaltungen mit dem WetterauMobil für den Tourismus zwischen Bad Vilbel und Gedern, Friedberg und Ortenberg wirbt.

https://tourismus.wetterau.de

www.wetterauer-landgenuss.de

 

 

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