Musikinstrumentenmuseum

Sinfonia, Laute und Co.

Von Elfriede Maresch

Musikinstrumente aus der Zeit Martin Luthers sind im Reformationsjahr Schwerpunkt der Führungen im  Musikinstrumentenmuseum im Ortenberger Stadtteil Lißberg.  Zu sehen ist auch eine Sinfonia, Vorgänger der Drehleier (Foto).

Luthers große Liebe zur Musik

„Warum soll der Teufel die schönen Melodien für sich alleine haben?“ – mit dieser pfiffigen Frage erklärte Martin Luther seine große Liebe zur Musik, ihren selbstverständlichen Platz im Leben der Gemeinde. „Im Reformationsjahr der Musik Luthers und seiner Zeit begegnen“ ist der aktuelle Schwerpunkt im Musikinstrumentenmuseum Ortenberg-Lißberg und eine logische Fortsetzung der Philosophie des Hauses „Nicht nur bewahren, sondern lebendig erhalten“. Dazu der Leiter des Museums, der Lißberger Ortspfarrer und Kirchenmusiker Kurt Walter Racky: „Die Renaissance war eine der großen Zeiten der Musik, vokal und instrumental. Es ist faszinierend, sich Luther über die Klangwelt seiner Epoche anzunähern. Seine eigenen Lieder, seine Bemerkungen zur Musik als `Seelsorge in Klängen´ spiegeln eine ebenso kreative wie sensible Seite seiner Persönlichkeit“.

Vierstimmiges Drehleier-Konzert: „Entwicklung der Musikinstrumente von Michael Praetorius bis heute“ ist das Motto des Lißberger Museums. (Foto: Maresch)

Das Musikinstrumentenmuseum Lißberg hat tatsächlich typische Instrumente aus Luthers Epoche in hochwertigen Nachbauversionen. 1990 in der Alten Schule des Ortes mit wertvollen Sammlungen des Instrumentenbauers Kurt Reichmann eröffnet, wurden dem Konzept „Die Entwicklung der Musikinstrumente von Michael Praetorius bis heute“ in enger Zusammenarbeit zwischen Reichmann und Racky die Sammlungen weiter ausgebaut.

Unbefangene Melodieverwendung

So sind in diesem Jahr Instrumente der Lutherzeit Schwerpunkt der Führungen. „Musik der Reformation“ war auch in Signau/Schweiz zu hören, der Lißberger Singkreis mit seinem Leiter Kurt Walter Racky war ins Emmental eingeladen worden. Von der gregorianischen Antiphon „Nos autem gloriari oportet“ bis zu Chorwerken von Heinrich Isaak, Pierre de la Rue, Thomas Tallis und Lutherchorälen spannte sich der Themenbogen. Später folgte in diesem Konzert eine Kontrafaktur: Luther nahm das Liebeslied „Sie gleicht wohl einem Rosenstock“ und verwandelte es mit geringen Änderungen in den Choral „Nun freut euch, liebe Christen g´mein“ – ein Beispiel unbefangener Melodieverwendung dieser Zeit.

Das Museumsteam lässt bei Führungen mehrere Exemplare der Sinfonia, des Vorgängers der heute noch gespielten Drehleiern, erklingen, in der weltlichen Musik der frühen Neuzeit eingesetzt. Ohne Halbtöne oder für die verschiedenen Kirchentonarten waren diese Instrumente gebaut und bildeten damit Klangbilder unterschiedlichen Ausdrucks ab. Die Museumsaktivisten verblüffen bei den Führungen, in dem sie etwa als „Gegenprobe“ mit vertauschten Melodien „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“ auf einer hellen, fröhlich klingenden Sinfonia spielen, „Nun freut euch, liebe Christen g´mein“ auf einer gedämpft, spannungsvoll, schmerzlich klingenden. „Das passt überhaupt nicht“ ist die erwartete häufige Zuhörerreaktion. Geistliches Begleitinstrument der Psalmodien im Gottesdienst war das größere Organistrum, das mit zwei Spielern bedient werden muss. Von den Saiteninstrumenten war die Laute häufige Begleitung beim Singen, Luther selbst spielte sie gern. Trommeln waren eher in der weltlichen Musik, in den Tänzen der Renaissance im Einsatz, werden aber auch in Kompositionen von Michael Praetorius eingesetzt. Eine originelle, eher schnarrende Version war der Brummtopf aus der Familie der Stabreibtrommeln, hier im Museum in einer Version aus Bali mit einer Kokosnuss-Schale als Klangkörper. Neben Flöten mehrerer Epochen und Klanghöhen zeigt das Museumsteam den Zink, sehr populär in der Musik des frühen 16. Jahrhunderts. Das geschwungene Holzrohr ist schwer zu spielen, ähnlich wie bei der Trompete muss der Ton mit den Lippen erzeugt werden, allerdings auf einem viel kleineren Mundstück.

Besucher sind immer wieder fasziniert von den Klangreisen in verschiedene Epochen, auf die sie hier mitgenommen werden. Die Vollständigkeit der Sammlung ist aber zugleich das Problem des Museums – es platzt aus allen Nähten, salopp gesagt. Mit einem Anbau könnten die Instrumente noch eindrucksvoller gezeigt, die interaktiven Schwerpunkte weiter ausgebaut werden. Racky und sein Team hoffen dringend auf Unterstützung von Musikfreunden und Institutionen für einen Anbau.

Die Öffnungszeiten des Musikinstrumentenmuseums sind jeden zweiten und vierten Sonntag des Monats von 15 bis 17 Uhr oder nach Vereinbarung mit Kurt Racky (Telefon 06046/467).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.