Lißberg

„Alte Schule“ wird zur Pilgerrast

Von Corinna Willführ

Mit Geld aus dem LEADER-Programm Wetterau/ Oberhessen wird die „Alte Schule“ im Ortenberger Ortsteil Lißberg zum Mehrgenerationenhaus zund zur Pilgerrast umgebaut.

Regionales Entwicklungskonzept

Die ersten Zuwendungsbescheide aus dem LEADER-Programm Wetterau/ Oberhessen bis 2022 hat der Wetterauer Landrat Joachim Arnold übergeben. Mit rund 34.000 Euro hat bislang – nach der Unterstützung von 200.000 Euro für die „Inwertsetzung des Gradierbaus in Nidda-Bad Salzhausen“ – den zweithöchsten Beitrag aus dem Topf für die Regionalentwicklung strukturschwacher Regionen die Bürgerstiftung Lißberg erhalten. Bernd-Uwe Domes, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Wetterau, die den LEADER-Prozess im Rahmen ihres Regionalmanagements koordiniert: „Die Projekte tragen ganz wesentlich zur Umsetzung des regionalen Entwicklungskonzeptes „Zukunft Heimat“ bei. Wie das Beispiel „Mehrgenerationenhaus und Pilgerrast“ der Bürgerstiftung Lißberg. Ein Besuch vor Ort.

Es soll ein Haus für alle Generationen, für viele Gelegenheiten und auch für einzelne Übernachtungen werden: das Gebäude der Alten Schule im Ortenberger Stadtteil Lißberg. Mit dem Bewilligungsbescheid über 34.000 Euro aus dem LEADER-Förderprogramm hat das „Mehrgenerationenhaus und Pilgerrast“, weiteren Auftrieb erhalten. „Wir sind zuversichtlich, dass wir im Frühjahr 2018 die ersten Gäste begrüßen können“, sagt Lars Corsmeyer, Vorsitzender der Bürgerstiftung.
Der Weg bis zur guten Nachricht war langwierig und nicht einfach. Mussten doch alle Nachweise und Anträge auf die Fördermittel von Ehrenamtlichen erbracht werden. Für Bernd-Uwe Domes, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Wetterau, ist es denn auch besonders erfreulich, dass die von Ehrenamtlichen getragene Bürgerstiftung Lißberg eine Förderung erhält, um einen zentral in der Ortsmitte gelegene Standort als „Ort der Begegnung und Kommunikation“ für die unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen einzurichten.

„Jetzt geht’s endlich los“: Lars Corsmeyer, Vorsitzender der Bürgerstiftung Lißberg in den Räumen der Alten Schule in dem Ortenberger Stadtteil. (Fotos: Willführ)

Ein Haus zum Feiern oder Verweilen

Bis dahin ist indes noch viel zu tun in dem Gebäude aus dem Jahr 1957. Bis 1971 war es Hauptschule. Danach Standort der Freiwilligen Feuerwehr. Nach deren Umzug war es (weitgehend) ungenutzt. Eine Heizung muss eingebaut werden, Sanitär- und Elektroanlagen sind komplett zu erneuern, bevor es an Maler- oder Bodenarbeiten gehen kann. „Das muss so ziemlich gleichzeitig ablaufen“, erklärt Eleonore Betz, die Zweite Vorsitzende. Ist all dies getan, können in dem Haus in der Pfarrer-Koch-Straße 2 Familienfeste gefeiert, Workshops angeboten oder Gruppentreffen veranstaltet werden. Nicht nur das: Die Räumlichkeiten der ehemaligen Lehrerwohnung sollen Pilgern, Wanderern oder Radfahrern Übernachtungsmöglichkeiten bieten. Sechs Zimmer für zwei bis vier Personen sind vorgesehen. Der Umbauplan ist am Eingang der Alten Schule ausgehängt. Da die Mehrbettzimmer nicht über eigene Duschen und Toiletten verfügen, werden sich die Übernachtungspreise „an denen der Jugendherbergskategorie orientieren“, erläutert Betz – und damit bei circa 22 Euro pro Person und Nacht liegen.
„Unser Kombi-Projekt, also Mehrgenerationenhaus und Pilgerrast, ist Deutschland weit einmalig“, betont Lars Corsmeyer, hauptberuflich für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Keltenwelt am Glauberg zuständig. Durch den zur Alten Schule gehörenden Bolzplatz und den angrenzenden städtischen Natur-Erlebnis-Spielplatz dürften ein Aufenthalt oder eine Feier – die Räumlichkeiten sind für Feste mit bis zu 50 Personen geeignet – insbesondere auch für Familien interessant sein.

„Viele Hände, ein schnelles Hände“. Eleonore Betz und Lars Corsmeyer hoffen weiterhin auf viele (ehrenamtliche) Unterstützer beim Projekt „Mehrgenerationenhaus und Pilgerrast“ der Bürgerstiftung Lißberg.

Die Kosten für den Umbau veranschlagen die Vorsitzenden mit rund 210.000 Euro. Eine Summe, die die Ortenberger Unternehmer Eberhard und Ulrich Betz, die beiden Kapitalgeber zur Gründung der Stiftung, eingebracht haben. Das Projekt „auf Grundlage eines attraktiven kulturellen Nutzungskonzepts“ überzeugte auch den Magistrat der Stadt Ortenberg. Sie brachte 2011 das Gebäude in die Stiftung Lißberg ein. Auch die Zuwendung aus dem LEADER-Programm – der Bescheid wurde Ende November 2016 von Landrat Joachim Arnold überreicht – fließt in diese. Darüber hinaus, so Corsmeyer, „sind Zuwendungen, zum Beispiel von Personen, die keine Erben haben, besonders steuerlich absetzbar.“ Aus dem Stiftungskapital sollen für den Betrieb des Hauses zunächst auch die Löhne auf 450-Euro-Basis für Mitarbeiter bezahlt werden, die sich um die Hausgäste kümmern oder die Verwaltung unterstützen. Der Vorstand – wie alle Stiftungsmitglieder – arbeitet ehrenamtlich.

Drehleiher-Spieler sind schon jetzt treue Gäste

Was bei all den noch anstehenden Umbauarbeiten Lars Corsmeyer und Eleonore Betz zuversichtlich in die Zukunft blicken lässt: Treue Gäste wie der Frankfurter Kurt Reichmann, der zweimal im Jahr in der Alten Schule Drehleier-Kurse veranstaltet oder der Lißberger Bürgertreff, der regelmäßig in die bereits eingerichteten Räume im Untergeschoss kommt. Und die Aussicht(en). Die eine, die man von der Alten Schule auf die Burg Lißberg und den Stadtteil Ortenbergs haut. Die andere, dass durch die Strukturmittelförderung des LEADER-Programms die Region für Einheimische wie Touristen wieder attraktiver wird – und damit die Alte Schule in Lißberg ein Kommunikationsort für Alle wird – aus Nah und Fern.
Der Topf für weitere Projekte ist noch nicht ausgeschöpft
Weitere Mittel aus dem LEADER-Programm gingen bislang an das Konzept eines Archäologisch-Naturkundlichen Rundwegs in Limeshain (5232 Euro), eine Studie zum Heckenmanagement (5580 Euro) und zur Unterstützung der „touristischen Inwertsetzung“ des Herrnhaags bei Büdingen (7423 Euro). Und noch eine gute Nachricht: Der Topf ist noch nicht leer. Bernd-Uwe Domes: „Förderideen für den Bewilligungszeitraum bis 2022 können jederzeit beim Regionalmanagement Wetterau/Oberhessen eingereicht werden. Eine Antragstellung ist immer mit einem gewissen Aufwand verbunden, erst recht, wenn EU-Mittel mit eingebunden sind. Das ist auch bei einer LEADER-Förderung der Fall. Wir prüfen zu Beginn stets, ob das LEADER-Programm oder gegebenenfalls auch andere Förderprogramme in Frage kommen. Im weiteren LEADER-Antragsverfahren unterstützen wir in Abstimmung mit der Bewilligungsstelle die Projektträger bis zum Einreichen der bewilligungsreifen Antragsunterlagen.“

Der Topf ist noch nicht leer

Die aktuelle LEADER-Förderung für die 17 Kommunen in der Wetterau/Oberhessen läuft noch bis 2022. Können denn noch Ideen eingereicht werden? Bernd-Uwe Domes: „Ja, Förderideen können jederzeit beim Regionalmanagement Wetterau/Oberhessen eingereicht werden. Eine Antragstellung auf Förderung ist immer mit einem gewissen Aufwand verbunden, erst recht wenn EU-Mittel mit eingebunden sind. Das ist auch bei einer LEADER-Förderung der Fall. Wir prüfen zu Beginn stets, ob das LEADER-Programm oder gegebenenfalls auch andere Förderprogramme in Frage kommen. Im weiteren LEADER-Antragsverfahren unterstützen wir in Abstimmung mit der Bewilligungsstelle die Projektträger bis zum Einreichen der bewilligungsreifen Antragsunterlagen.“

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