Frühlingstour am Limes

Von Muschenheim nach Echzell

Beim Umgang mit Fremden machen die Römer manches besser als wir. Sie hatten mit dem Limes auch ein flexibles Instrument zur Grenzsicherung. Mehr dazu berichtet Landbote-Redakteur Klaus Nissen bei der Ernst-Ludwig-Buchmesse am 9. April 2017 ab 14 Uhr im Bad Nauheimer Sprudelhof Man kann den Limes noch heute abwandern, dabei viel über die Römer lernen. Zum Beispiel auf dieser Wanderung im Norden der Wetterau, die auch in Klaus Nissens Buch „Limeswandern von Rheinbrohl nach Miltenberg“ beschrieben ist.

Frühlingstour am Limes

Bei dieser Wanderung bewegen Sie sich auf freiem Gelände mit weiter Sicht in alle Richtungen.  Reste des Limeswalls und der Wachttürme finden Sie noch vereinzelt in den Waldstücken. Unterwegs haben Sie Gelegenheit, am  See von Inheiden zu rasten. Die Tour ist 21,7 Kilometer lang, kann aber in Inheiden abgekürzt werden. Los geht es auf dem Rathausplatz in Lich-Muschenheim, das Ziel ist der Bahnhof in Echzell.

Wegen des fruchtbaren Bodens machte der Limes extra einen Bogen, um die Wetterau dem Römischen Reich einzuverleiben. die Wanderung führt von Muschenheim bei Arnsburg bis Echzell. Grafik: Michael Breuer

Vom Rathausplatz gehen Sie bergan auf die Muschenheimer Kirche zu. An der höchstgelegenen Ecke des Friedhofs weist rechts ein Schild zum Limesturm. Dorthin gehen Sie weiter bergan ins Feld. Von der Kuppe aus entdecken Sie die Münzenburg mit den beiden Türmen.

Nach 1,5 Kilometern erreichen sie eine Höhe, auf der ein fast zwölf Meter hoher Aussichtsturm aus verzinktem Stahl steht.  Vom einst hier stehenden Wachturm aus beobachteten die Römer die Grenze besonders intensiv, denn in der Nähe siedelten die Chatten. Gehen Sie vom Turm 80 Meter zurück, dann links auf den Feldweg, der Sie an die K167 führt. Dort wenden Sie sich links auf  Bettenhausen zu. Da rechts auf die Untergasse, dann links auf den Hungener Weg. Dort gehen Sie in Höhe einer links liegenden Scheune mit drei Toren nach rechts, dann gleich links aufs Feld hinaus. Etwa 100 Meter nach dem dritten  Aussiedlerhof folgen Sie dem Betonweg rechts. Nach 400 Metern wendet er sich nach links. Gehen sie auf die Waldecke zu.

Ein vierbeiniger Wegelagerer verlangt bei Unter-Widdersheim Zuneigung von den Wanderern. Foto: Nissen

6,4 Kilometer nach dem Start stoßen Sie auf eine schräg querende Landstraße. Gehen Sie jenseits den Schweineställen entgegen. Am nächsten Grasweg biegen Sie rechts ab. An einer Gruppe gelb gestrichener Gasrohre wenden Sie sich links zum Wald, dann am linken Waldrand weiter. Wo der Wald nach rechts abknickt, lag das  Kleinkastell Feldheimer Wald. Seine Erdwälle sind  noch zwischen den Eichen zu erkennen.  Folgen Sie weiter dem Waldrand, auf Hungen zu. Links hören Sie die Autos auf der B457 immer deutlicher. Sie wandern oben auf der Straßenböschung, dann über eine Obstwiese auf den Kreisverkehr zu. Von rechts mündet die B489 ein.

Etwa 50 m vom Kreisverkehr entfernt überqueren Sie die B489 und gehen gegenüber auf den Holzbrückenweg, über die stillgelegte Bahnstrecke von Wölfersheim nach Hungen. Jenseits nähern Sie sich Inheiden. Vor dem ersten Haus biegen Sie links ins Feld ab. Dort geht es zwei Minuten später über eine weitere Bahnstrecke. Dahinter können Sie links einen Abstecher zum Limes-Informationszentrum auf Hof Grass machen. Dort gibt es ein gutes Restaurant und einen drei Kilometer langen Rundweg.

Der Inheidener See gefällt auch den Enten. Foto: Nissen

Am Bahnübergang folgen Sie rechts den Markierungen. Nur wenige Meter weiter links lag auf dem heutigen Acker das Kastell Inheiden. Am nächsten Bahnübergang wieder über die Schienen, zwei Minuten später hinter dem Tannenwäldchen nach links auf den  Karl Schütz-Weg. Sie stehen nun am grasigen Ufer des Badesees zwischen Inheiden und Trais-Horloff.  Der  34 Hektar große und bis zu 27 Meter tiefe See wurde um 1955 ausgebaggert, um Braunkohle zu fördern. Gehen Sie links am Ufer entlang. Dort gibt es zwei einfache Gaststätten, in denen Sie mit Blick auf den See rasten können.

Wéiter geht es im schmalen Durchgang links neben der Gaststätte „Seeblick“  durch die Feriensiedlung auf einen asphaltierten Weg.  Dem folgen Sie nach rechts. Sobald ein Teerweg kreuzt gehen sie auf ihm links über den Wassergraben. Vom Parkplatz neben der Bahntrasse  erreichen Sie die K186. Hier liegt ein Bahn-Haltepunkt. Von hier können Sie, falls Sie genug gewandert sind,  über Lich nach Muschenheim zurückkehren.  Das Ziel Echzell erreichen Sie über den Bahnsteig, der zum Radweg entlang der Bahntrasse wird. Der Limesweg führt eigentlich nach Osten über den Wingertsberg, auf dem einst Kleinkastell und jetzt Wochenendhäuser sind. Dort besteht aber Gefahr, den Anschluss zu verlieren. Bleiben Sie lieber unten. In dieser sumpfigen Gegend sind oft Kraniche zu beobachten. Sie gehen auf Steinheim zu, dort über die Bahn und parallel weiter, bis die L3188 quert. Bleiben Sie rechts davon im Feld. Links ragt eine Stein-Brecheranlage auf – bei Unter-Widdersheim wird Basalt abgebaut und zu Schotter verarbeitet.

Im Sumpfgebiet am Trais-Horloffer Bahnhof kann man im Frühling auch Schwäne beim Brüten beobachten. Ein paar Meter weiter gelangt man direkt auf den Bahnsteig. Foto: Nissen

Hinter dem letzten Haus von  Unter-Widdersheim biegen Sie links auf die Ober-Widdersheimer Straße, dann rechts auf die Straße „Am Waldrain“, die tatsächlich zum Waldrand führt. Der Trampelfad bringt Sie zur L3188, die Sie vorsichtig überqueren – die Autos tauchen mit hohem Tempo an der Kuppe auf. Dann noch 20 Meter links aufwärts – und Sie stehen nun auf einem  Hügel, der einen Ausblick ins weite, einst sumpfige Tal der Horloff ermöglicht. Hier stand ein Kleinkastell, das auch lange nach dem Abzug der Römer weithin sichtbar war. Von hier aus führt die Grenze fast einen Tagesmarsch weit schnurgerade nach Südsüdwest.  Der markierte Weg geht im Zickzack am Wald entlang. Sie können ihn aber auch entlang der L3188 abkürzen, über die B455, die Bahntrasse, unter der A45 hindurch, bis Sie Bisses erreichen.

Gut sechs Stunden nach dem Start erreichen Sie den  Echzeller Bahnhof. Sonntags können Sie im Museum an der Lindenstraße 3 Funde aus dem Groß-Kastell bestaunen. Es öffnet auf Vereinbarung unter  06008/405. Im Echzeller Kastell waren je 500 Soldaten einer Infanterie-Kohorte und der Reitertruppe „Indiana Gallorum“ stationiert. Ihr  Badehaus war größer als die jetzt auf dessen Grundmauern stehende evangelische Kirche.

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