Landrat geht zur Ovag

Joachim Arnold löst Rolf Gnadl ab

Von Klaus Nissen

Nach zehn Jahren als Wetterauer Landrat geht Joachim Arnold (SPD) ab Neujahr in den Vorstand der Oberhessischen Versorgungsbetriebe.  Im Kreishaus wird seine Stelle frei – und zwei Kandidaten haben schon den Wahlkampf begonnen.

Landrat wird Ovag-Vorstand

Rainer Schwarz (CDU) hätte ebenfalls am Jahresende in den Ruhestand wechseln können. Er will und darf noch bis Juni 2019  Vorstandschef der Ovag bleiben. Dann läuft auch seine Amtszeit als Präsident der Industrie- und Handelskammer Gießen-Friedberg ab.
Joachim Arnold

Am Vormittag des 27. September 2017  fiel die Entscheidung: Der 18-köpfige Aufsichtsrat der Oberhessischen Versorgungsbetriebe (Ovag) besetzte in nichtöffentlicher Sitzung mit deutlicher Mehrheit  den frei werdenden Vorstandsposten mit dem  Wetterauer Landrat Joachim Arnold. Der 57-Jährige SPD-Unterbezirksvorsitzende wechselt zum 1. Januar vom Kreishaus in die Ovag-Zentrale an der Hanauer Straße in Friedberg.  Er übernimmt dort den Posten des ehemaligen Landrats Rolf Gnadl (SPD), dessen Vertrag zu Silvester ausläuft. Entschieden wurde auch, dass der langjährige Ovag-Vorstandsvorsitzende Rainer Schwarz (CDU) einen um 18 Monate bis Mitte 2019 verlängerten Vertrag bekommt.

Diese Informationen kommt aus sicherer Quelle. Die Aufsichtsratsvorsitzende Stephanie Becker-Bösch wollte am Donnerstag nichts zum Verlauf und Ergebnis der Sitzung sagen. Sie kündigte eine Erklärung für die nächsten Tage an. Möglicherweise sollen zunächst die Gremien der SPD und der CDU in den drei Eigentümer-Landkreisen der Ovag informiert werden. Im Aufsichtsrat sind auch der am 24. September wiedergewählte Vogelsberg-Landrat Manfred Görig (SPD) und der erneut in den Bundestag gehende CDU-Mann Oswin Veith stimmberechtigt.

Stephanie Becker-Bösch ist Kreisbeigeordnete und Sozialdezernentin im Wetterauer Landratsamt. Sie wird bei der Landratswahl für die SPD kandidieren.

Joachim Arnold hatte schon Ende Mai 2017 öffentlich gemacht, dass er Interesse am frei werdenden Vorstandsposten der Ovag hat. Dabei lobte er sich selbst: In seinen 15 Amtsjahren als Wölfersheimer Bürgermeister sei es ihm „gelungen, die Strukturkrise nach dem Ende der Bergbau- und Kraftwerksära zu bewältigen und die Gemeinde zu einer blühenden und wohlgeordneten Gemeinde mit exzellenten Zukunftsaussichten zu entwickeln“. Als er 2008 Landrat wurde, habe er viele „Herausforderungen mit Bravour bewältigt, Projekte angepackt und umgesetzt.“  Bei der Ovag „brauchen wir mehr denn je dynamisches, innovatives und flexibles Handeln“, so Arnold.

Als Landrat wolle er bis zum letzten Tag engagiert für den Kreis arbeiten, kündigte Arnold im Mai an. Der letzte Amtstag wird also der 31. Dezember sein. Als neuer Ovag-Vorstand hat Joachim Arnold dann Mitverantwortung für den kommunalen Strom-, Gas- und Wasserversorger mit rund 600 Arbeitnehmern, 210 000 Kunden und Umsatzerlösen von rund 450 Millionen Euro pro Jahr. Sein Gehalt dürfte deutlich höher sein als das des Landrats. Es ist in den Bilanzen nicht genannt. Angegeben ist nur, dass frühere Vorstandsmitglieder 2015 zusammen rund 409 000 Euro an Pensionen von der Ovag bekamen. Traditionell wandern  ehemalige Kreispolitiker in den Konzernvorstand und danach in einen gut dotierten Ruhestand: Rainer Schwarz war früher Erster Kreisbeigeordneter, Rolf Gnadl, Hans-Ulrich Lipphardt und Jochen Zwecker fungierten vor ihrer Ovag-Zeit als Landräte in der Wetterau und im Vogelsberg.

Auch der Erste Kreisbeigeordnete und Schuldezernent Jan Weckler ist gesetzter Bewerber bei der wahrscheinlich im März stattfindenden Landratswahl.

Die aktuelle Chefsuche hatten die Grünen im Sommer 2017 als Hinterzimmer-Kungelei von Politikern der CDU und SPD kritisiert. Auch der FWG-Mann und Büdinger Bürgermeister Erich Spamer bemängelte das Verfahren. Der Aufsichtsrat ließ danach den Posten öffentlich ausschreiben. Es meldeten sich auch auswärtige Bewerber, deren Qualifikation von einem kleinen Ausschuss aus Mitgliedern des Aufsichtsrats überprüft wurde. Am Donnerstag beschloss der Aufsichtsrat dann,  Joachim Arnold als bestqualifiziertem Bewerber zum Ovag-Vorstand zu machen.

Der Wetteraukreis wird also ab 1. Januar 2018 keinen Landrat haben. Der Erste Kreisbeigeordnete Jan Weckler (CDU) vertritt ihn bis zur Direktwahl, die angeblich für den 4. März angepeilt ist. In der schwarz-roten Kreiskoalition ist bereits seit 2016 vereinbart, dass Weckler und seine SPD-Kollegin Becker-Bösch zur Landratswahl kandidieren sollen. Der 45-jährige Ober-Mörlener Jan Weckler war Schulamtsleiter in Frankfurt und wurde 2016 Erster Kreisbeigeordneter im Landratsamt. Stephanie Becker-Bosch aus Butzbach war Fachanwältin für Familienrecht und saß ab 2001 für die SPD im Kreistag. Vor elf Monaten wurde sie Nachfolgerin des grünen Kreisbeigeordneten und Sozialdezernenten Helmut Betschel. Sie will weiter nach oben. Schon im Sommer sagte sie: „Es wäre für mich eine besondere Ehre, als erste Frau an der Spitze unseres Kreises für die Menschen in der Wetterau arbeiten zu dürfen.“ Der Wahlkampf ist längst im Gange. Hunderte Presseerklärungen und Berichte über ihre Besuche im Kreis haben Becker-Bösch und Jan Weckler seit Amtsantritt herausgegeben.

Weitere Kandidaten gibt es noch nicht

Zur Direktwahl können auch andere Kandidaten antreten. Gut wäre ein gemeinsamer Kandidat der Freien Wähler, der Grünen und anderer Gruppen, heißt es bei den Grünen. Vermutlich wird auch die AfD einen Bewerber stellen. Zum Beispiel den ehrenamtlichen Kreisbeigeordneten Andreas Lichert aus Bad Nauheim, der bei der Bundestagswahl am Sonntag nur knapp ein Mandat verfehlt hat und zum Kreis der rechts gesinnten identitären Bewegung gezählt wird.

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