Landebahn Nordwest

Fünf Jahre alt und kein bisschen leise

Von Klaus Nissenneue-landebahn-in-frankfurt

Zum ersten und wohl auch letzten Mal stand vor fünf Jahren ein Festzelt auf der nagelneuen Landebahn Nordwest am Flughafen Frankfurt: Die Bundeskanzlerin persönlich war am 21. Oktober 2011 erster Passagier auf der 2800 Meter langen und 45 Meter breiten Betonpiste. Das wurde entsprechend gefeiert – obwohl die Bahn nicht für große Maschinen wie den Airbus A380 oder die Boeing 747 zugelassen ist. Inzwischen hat sich die vierte Bahn auf Fraport als überflüssig erwiesen. Sie wird aber weiter genutzt und verbreitert dem Lärmteppich über der Rhein-Main-Region.

Fünf Jahre Landebahn Nordwest

Auf  dem Flughafen starten und landen kaum mehr Maschinen als im Jahr vor der Erweiterung. 2010 gab es rund 464 000 Starts und Landungen auf drei Start- und Landebahnen.  2015 waren es dann 468 000 Flugbewegungen, also gerade mal 4000 mehr als vor Eröffnung der Landebahn Nordwest. Bauherr Fraport hatte das Projekt extra wegen der vielen zusätzlich erwarteten Flüge durchgedrückt: 610 000 Flugbewegungen sagte er für 2015 voraus, 701 000 für 2020.  Dass es so weit kommt, ist sehr unwahrscheinlich. Die Zahl der Flüge und der Passagiere geht nach neuester Statistik zurück. Die Landebahn-Nordwest ist eine gewaltige Fehlinvestition.

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Zaungäste an der neuen Landebahn Nordwest. Sie macht den parallelen Anflug zweier Flugzeuge auf Fraport möglich. Foto: Nissen

Sie hat Folgen, die genauso gewaltig sind. Jede Menge Geld und Natur wurde vernichtet.  Etwa 600 Millionen Euro kostete die Fällung vieler tausend Bäume und der Bau der Betonpiste auf 282 Hektar Hektar Waldboden. Fünf gigantische Brücken wurden für die Flugzeuge gebaut, eine davon über die Autobahn A3 und eine über die ICE-Trasse nach Köln. Die Okrifteler Straße musste in einen Tunnel verlegt werden. 11 372 Kröten und Frösche, 807 Eidechsen und 17 Ameisenvölker verloren ihre Heimat und wurden umgesiedelt. Weitere 670 Millionen Euro gab Fraport dafür aus, das Chemiewerk Ticona abzubauen und in den Industriepark Höchst zu verlegen. Es lag in der Anflugrichtung und damit in der Gefahrenzone.

Obwohl sie eigentlich nicht gebraucht wird, hält Fraport die Landebahn in Betrieb und sorgt dafür, dass jetzt zwei Maschinen parallel den Flughafen anfliegen können. Das verteilt auf Dauer den Lärm neu: Von Hanau, Offenbach, Frankfurt bis nach Flörsheim bekommen weitere Bürger den Lärmteppich von oben übergestülpt.

Andererseits hat die Landebahn allen Flughafen-Anwohnern eine Kern-Nachtruhe von 23 bis 5 Uhr früh beschert. Sie wurde für alle überraschend zehn Tage vor der Eröffnung im Oktober 2011 vom Verwaltungsgerichtshof Kassel angeordnet. Weil der damalige Regierungspräsidenten Roland Koch  das Verbot von Nachtflügen den Anwohnern versprochen worden war  – und dann bei der Genehmigung der Landebahn im Dezember 2007 wortbrüchig wurde.  Es folgten ein Protestcamp auf dem Rodungsgelände, mehr als 180 Montags-Demonstrationen im Flughafen und diverse Gerichtsverfahren. Die meisten sind inzwischen abgeschlossen. Die Landebahn wird weiter benutzt. Und Fraport und Unternehmer lassen keinen Zweifel daran, dass sie das Nachtflugverbot lieber heute als morgen abschaffen würden.

Zahlreiche Bürgerinitiativen haben zum fünften Jahrestag der Landebahn-Eröffnung Demonstrationen angekündigt. Hier eine Übersicht:

21.10. 2016: 2 Sternmärsche mit Fackeln zum Römerberg, dort anschließend Mahnwache wegen der Landebahn Nordwest Die südliche Sternmarsch erfolgt vom Eisernen Steg aus Richtung Sachsenhausen zum Römerberg. Der nördliche Sternmarsch kommt von der Hauptwache zum Römerberg. Veranstalter ist die BI Sachsenhauen.

22.10. 2916: Demo über die Theodor-Heuss-Brücke von Mainz nach Wiesbaden. Details auf dem Plakatder-schrei-a2-23-101kb

24.10. 2016: 18.00 Uhr im Terminal 1: Lärmobergrenze – Lärmminderungsprogramm für die Rhein-Main-Region. Statements von Dirk Treber und anderen BI –Leuten zum Lärmobergrenzen-Konzept von Tarek Al Wazir. 

Die Montags-Mahnwache im Terminal 1 finden  immer um 18 Uhr, Abflughalle B, Eingang 4 statt.

2 Gedanken zu „Landebahn Nordwest“

  1. Hallo, vielen Dank für den detaillierten Artikel.
    Ich habe ihn bei der Suche zu diesem Thema gefunden, da die Pressemitteilung des BBI etwas kurz war.
    Daher habe ich ihn auf der Seite http://www.igfluglaerm.de/2016/10/5-jahre-landebahn-nord-west-eine-fehlinvestition/
    als Link zum Landboten eingefügt.
    Bei der Gelegenheit habe ich den Landboten das erste Mal gesehen. Als ehemaliger Wehrheimer (zumindest lebte ich dort über 25 Jahre) hat es mich sehr gefreut, aus der Region eine Internetzeitung zu lesen, die nicht das übliche Geschrei verbreitet.
    Herzliche Grüße
    Helmut Ladwig, jetzt in Rodenbach bei Hanau

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