Landbote auf Radtour

Zum Lichte empor

Viel stand in den vergangenen Wochen nicht im Landbote. Das lag auch daran, dass ein beträchtlicher Teil der Redaktion auf Radtour war. An der Saale. Der Radweg mit seinen Steigungen bis zu 12 Prozent ist eine Herausforderung und der Landbote liebt Herausforderungen. Unser Team aus gestandenen DGB-Funktionären und bewährten Wetterauer Journalisten ließ sich nicht schrecken.

Berge und Pannen

Der Schrecken war anfangs auch nicht bekannt. Der Kollege, der die Tour vorgeschlagen hatte, besaß zwar einen Saale-Radwanderführer. In der Karte waren aber keine Steigungen verzeichnet. Die erfuhren wir erst unterwegs auf den rund 400 Kilometern von der Quelle im Fichtelgebirge bis zur Mündung in die Elbe.

Unsere Radtour hat Tradition: Anfang der 1990er Jahre wurde sie von der Journalisten-Union Wetterau ins Leben gerufen. Die Wetterauer Abteilung der Journalisten-Union ist inzwischen geschlossen, die Radtour hat überlebt. Mit dabei von Anfang an der damalige Wetterauer DGB-Chef. Der genießt inzwischen seine Rente. Sein Fahrrad holt er nur noch einmal im Jahr für unsere Tour aus dem Keller. Das hat gewisse Nachteile: Zuerst riss ein Schaltungszug, dann brach eine Speiche und je länger wir unterwegs waren, desto öfter rutschte die Kette über die abgefahrenen Kettenblätter. Der Herr des maroden Drahtesels war auch nicht ganz in Ordnung: Er war mit angerissener Achillessehne unterwegs.

Recht neu in unserem illustren Radlerteam ist der einstige Leipziger DGB-Chef. Der ist auf einem recht neuen, gepflegten Rad unterwegs. Das bewahrte ihn allerdings nicht vor der ersten Panne unserer Tour: Plattfuß. Ein Dorn hatte sich durch den Mantel in den Schlauch gebohrt. Das war vermutlich auf der anstrengendsten Etappe unserer Tour passiert. Die hatten wir am zweiten Tag zu bewältigen. Das kam so: Ein gestandener Wetterauer Journalist und Mitradler von Anbeginn an ist auf dem neuesten Stand des Radwanderns – er besitzt ein Navigationsgerät speziell für Fahrräder. Das kann allerdings nicht so recht unterscheiden, ob ein Weg eher für Zweiräder oder für Bergziegen geeignet ist. So landeten wir auf einem Trampelpfad steil bergan, den wir nur schiebend bewältigen konnten. Immerhin hatten wir oben eine wunderbare Aussicht, bevor es schiebend wieder bergab ging. Wir hatten viel Höhe, aber kaum Entfernung geschafft.

Steigungen umschifft

Einsame Dörfer zierten den Anfang der Strecke. Es war heiß, die Trinkvorräte waren schnell aufgebraucht. Und in den Dörfern weder Gaststätte noch Laden. Was tut ein gestandener DGB-Funktionär in dieser Situation: Er klingelt an der nächsten Tür. Und was tun die Thüringer: sie schleppen eine Flasche mit kühlem Mineralwasser nach der anderen an und erzählen von den Zeiten, als es in dem Dorf noch eine Kneipe gab.

Die schlimmsten Steigungen haben wir übrigens umschifft, im Wortsinne: Mit einem Ausflugsboot auf der Bleilochtalsperre. Die trägt nicht nur diesen giftigen Namen, sondern ist auch noch die größte Talsperre der Republik und zieht sich wunderschön verschlungen durch die Berge, so dass sie an einen Fjord in Norwegen erinnert.

Bald wurden die Berge immer kleiner und verschwanden ganz , dafür tauchten so wunderschöne Orte auf wie Naumburg oder Merseburg und sogar Jena und Halle haben ihren Reiz. Ein Tipp für alle, die die Herausforderung nicht so sehr lieben wie die Landbote-Redaktion: ab Saalfeld lässt es sich an der Saale recht bequem gen Mündung radeln.

3 Gedanken zu „Landbote auf Radtour“

  1. Dem „Herrn des maroden Drahtesels“ kann man empfehlen, seine angerissene Achillessehne mit dem zweiten Merseburger Zauberspruch zu heilen. Der endet so (aus dem Althochdeutschen übersetzt von Jacob Grimm):
    ‚Bein zu Bein
    Blut zu Blut
    Glied zu Gliedern
    Wie geleimt sollen sie sein‘

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