Kulturbahnhof

„Weichen stehen anders“

Die Bad Nauheimer sprechen derzeit angeregt über einen Vorschlag der FW/UWG-Fraktion: Jene sieht in der ehemaligen Wartehalle/Gaststätte im Hauptbahnhof den geeigneten Standort für einen Kulturbahnhof. Eine andere Ansicht haben allerdings die übrigen Fraktionen dazu, wie deren Sprecher auf Anfrage mitteilen. Und auch Bürgermeister Klaus Kreß und Erster Stadtrat Peter Krank (beide parteilos) weisen auf den „klaren“ Grundsatzbeschluss des Stadtparlaments hin: Demnach soll das Theater in den Sprudelhof.

Könnte im Bad Nauheimer Hauptbahnhof auf der leerstehenden Fläche des ehemaligen Wartesaals/Restaurant ein Kulturbahnhof entstehen? Ja, sagt die FW/UWG. Skeptisch sind die restlichen Fraktionen. (Bild: Petra Ihm-Fahle)

Kreß und Krank betonen: „Die Spielstätte im Behälterraum zwischen Badehaus 3 und 4 wurde im Rahmen des Gesamtkonzeptes von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen. Bislang wurde sie nicht in Frage gestellt.“ Mit der Frage zur Erweiterung zur Kulturstätte werde sich der Haupt- und Finanzausschuss am Donnerstag, 21. Februar 2019 befassen. Sie beantworten die Aussage der FW/UWG, wonach ein Abriss des Behälterraums bautechnisch schwierig sei: „Selbstverständlich wäre der Abriss nicht einfach – aber leistbar.“ Darauf sei im Kontext der Beschlussfassung hingewiesen worden. Eine konkrete Planung liege aber noch nicht vor.
Die laut FW/UWG angeblich benötigte Raumhöhe von acht Metern für ein Theater sei der Stadt im Übrigen nicht bekannt, sagen die beiden Hauptamtlichen. Am Samstag hatten die Freien Wähler zur Besichtigung des Bahnhofs eingeladen (siehe Bericht „Sie wollen hier die Weichen stellen.“)

Stadt wäre nicht Investor für Kulturbahnhof

Eine Kostenschätzung in punkto Kulturbahnhof habe die Stadt in der Tat nicht vorgenommen, sagen Bürgermeister und Erster Stadtrat. „Wir wären bei dieser Maßnahme nicht Investor“, begründen dies Kreß und Krank. Sie bejahen die Frage, wonach das Café im Badehaus 3 ausziehen muss, wenn es zum Kulturzentrum im Sprudelhof kommt. Entschieden verneinen sie allerdings, dass es im Rathaus zwei Lager geben soll: der Fachbereich Stadtentwicklung für den Kulturbahnhof, der Fachbereich Kultur für das Kulturzentum im Sprudelhof. Laut einem Artikel der WZ hat dies jemand der Zeitung kolportiert.

Sprudelhof hat Vorrang

Von dem Vorstoß der FW/UWG sind die anderen Parteien nicht begeistert. Manfred Jordis, Fraktionsvorsitzender der städtischen CDU, betont: „Wir können uns zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht auf eine der beiden Varianten festlegen.“ Die Christdemokraten gäben dem Badehaus 3 im Sprudelhof allerdings den Vorrang, weil das der Grundsatzbeschluss des Parlaments so vorsehe.

Idee ist nicht neu

Wie SPD-Fraktionsvorsitzender Axel Bertrand zudem unterstreicht, sei die Idee eines Kulturbahnhofes nicht neu, wurde bislang jedoch nicht umgesetzt. „Eingang in die Planung zum Umzug der städtischen Spielstätte fand sie nicht. Der Grund ist einfach. Es gibt einen besseren Standort.“ Dies verdeutliche die aktuelle Vorlage des Magistrats. Die SPD-Fraktion spreche sich daher für die detaillierte Planung eines Kulturzentrums im Sprudelhof im Badehaus 3 aus. Bertrand: „Nur so können wir von unserem einzigartigen Jugendstilerbe Sprudelhof als Kurstadt langfristig profitieren und dessen Erhaltung angemessen gerecht werden.“ Denn ohne ein Kulturzentrum mit Spielstätte, Bücherei und Jugendstilzentrum lasse sich die Belebung des Sprudelhofes nicht erreichen. Zahlreiche Bürger wünschten aber ebendies, betont Bertrand. „Der Sprudelhof ist Bad Nauheims großes Erbe und Chance zugleich. Nicht das Bahnhofsgebäude in privater Hand, dessen langfristiger Leerstand nun offensichtlich auf Kosten unserer Bürger beendet werden soll“, erklärt der Sozialdemokrat.  

Die Freien Wähler wollen einen Kulturbahnhof (Bild). Doch nach Ansicht der anderen Fraktionen bietet der Sprudelhof mehr Möglichkeiten für ein Kulturzentrum.  (Bild: Petra Ihm-Fahle)

Die Freien Wähler wollen einen Kulturbahnhof (Bild). Doch nach Ansicht der anderen Fraktionen bietet der Sprudelhof mehr Möglichkeiten für ein Kulturzentrum. (Bild: Petra Ihm-Fahle)
„Sprudelhof beleben“

Die Grünen sind laut ihrer Fraktionsvorsitzenden Claudia Kutschker ebenfalls für ein Kulturzentrum im Badehaus 3. „Das Vorhaben, den Sprudelhof zu beleben, halten wir für richtig.“ Die Stadt könne Stadtbücherei, städtische Bühne und Jugendstilzentrum dort unterbringen. Verbinden könne sie dies mit dem „Haus des Gastes“. Das sei die bessere Idee als ein „Kulturbahnhof“ in einem rein privaten Gebäude. „Die Stadt müsste von einem privaten Eigentümer anmieten“, sagt Kutschker. Im Sprudelhof indes sei die Stadt zu einem Drittel Beteiligte an der Stiftung. „Durch die Belebung des Sprudelhofes erfüllt sich auch ein Zweck der Stiftung.“  Nach Ansicht der Grünen werde es wahrscheinlich nicht so leicht sein, im Bahnhof eine multifunktionale Nutzung einzubauen.

Der Saal im Sprudelhof könne in spielfreien Zeiten als Veranstaltungsraum zur Verfügung stehen. Auf Dauer hielten die Grünen dies für die effizienteste und wirtschaftlichste Lösung. „Selbstverständlich ist zu prüfen und abzuwägen, welche Kosten entstehen werden, auch langfristig“, unterstreicht Kutschker.

Nach Ansicht der meisten Fraktionen in der städtischen Politik sollte das Kulturzentrum in den Sprudelhof einziehen - so wie es der Grundsatzbeschluss vorsieht. (Bild: Petra Ihm-Fahle)
Nach Ansicht der meisten Fraktionen in der städtischen Politik sollte das Kulturzentrum in den Sprudelhof einziehen – so wie es der Grundsatzbeschluss vorsieht. (Bild: Petra Ihm-Fahle)
Endlich Weg gefunden

FDP-Sprecher Peter Heidt betont dazu: „Wir stehen in diesem Jahr vor sehr weitreichenden Entscheidungen. Entscheidungen und Weichen-Stellungen für Generationen.“ Nach langen Diskussionen habe die städtische Politik einen Weg für den Sprudelhof und das Thermalbad gefunden. „Auch für die FDP-Fraktion habe dies bedeutet, Kompromisse einzugehen. Die FW/UWG ist gerade dabei, diesen Kompromiss Stück für Stück wieder auseinander zu nehmen“, sagt der Liberale. Dies aber habe unabsehbare Folgen für den Sprudelhof, für das Thermalbad und für die Stadt Bad Nauheim insgesamt, unterstreicht Heidt. Den Vorschlag der FW/UWG sehe er daher äußerst kritisch.

Es gebe konkrete Anforderungen für eine städtische Spielstätte. Diese Anforderungen könnten im Badehaus 3 erfüllt werden und im Bahnhof eben nicht. Deshalb plädiere die FDP dafür, bei der ursprünglichen Planung für das Badehaus 3 zu bleiben und völlig unabhängig davon für den Bahnhof Bad Nauheim Konzepte für eine Revitalisierung zu erarbeiten. Heidt: „Hier hatte die FDP im Übrigen schon vor über 10 Jahren Vorschläge unterbreitet.“

Das Badehaus 3 soll als Kulturzentrum ausgebaut werden. Damit befasst sich nun der Haupt- und Finanzausschuss. (Bild: Petra Ihm-Fahle)

Zum Landbote-Artikel: Sie wollen hier die Weichen stellen

http://landbote.info/kulturbahnhof-2/#more-13276


Beispiel Kulturzentrum in Friedberg: Theater Altes Hallenbad

http://www.aha-friedberg.de/

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