Kreis Gießen

Neu: Dezernat Demokratie und Integration

„Wie können wir es schaffen, soziale und kulturelle Teilhabe für alle Menschen hier im Landkreis herzustellen?“, formuliert die Landrätin des Kreises Gießen, Anita Schneider, eine der zentralen gesellschaftlichen Fragen. Diese stand der Entscheidung voran, ein eigenes Dezernat für Demografie und Integration einzurichten. Verantwortet wird es von dem ehrenamtlichen Dezernenten Istayfo Turgay (Foto).

Bunte Gesellschaft mit Wir-Gefühl

„Wir wollen eine bunte Gesellschaft, die vielfältig ist, aber dennoch ein Wir-Gefühl wiedergibt“, sagt der 32-jährige Istayfo Turgay. Als Säugling kam er mit seinen Eltern aus der Türkei nach Deutschland. „Ich habe selbst erlebt, wie Integration nicht funktioniert, aber auch wie sie funktioniert.“ Dabei denkt er zum Beispiel an seinen Pfarrer aus Jugendtagen, der ihn sehr gefördert und ermutigt hat. Erst machte Istayfo Turgay eine kaufmännische Ausbildung und bildete sich danach weiter zum staatlich geprüften Betriebswirt. Als ehrenamtlicher Dezernent des Landkreises weiß er um die empfindliche Aufgabe „Integration“: „Es geht darum, dies  der Gesellschaft sensibel zu vermitteln. Allzu oft wird das Thema in der Politik zu einseitig betrachtet.“ Gleichzeitig nehme er die Sorgen in der Bevölkerung ernst. Integrationsarbeit sei nicht nur Aufgabe der Migranten, sondern auch die der Gesellschaft.

Die Landrätin mit den Mitarbeitern des neuen Dezernats: (von links) Landrätin Anita Schneider, Istayfo Turgay, Julien Neubert, Julia Hettenhausen und Markéta Roska (sitzend). (Foto: Landkreis Gießen)

Landrätin Schneider hatte entschieden, einen ehrenamtlichen Dezernenten für Migration und Integration beizubehalten. „Zuvor hatte sein Vorgänger Dirk Haas wertvolle Beiträge geleistet“, lobt sie den heutigen Busecker Bürgermeister. Laut Koalitionsprogramm sollte diese Stelle auch personell gestärkt werden. Und weil viele Experten aus verschiedenen Fachrichtungen gefragt sind, ist das neue Dezernat als Stabsstelle angelegt, die quer durch die Kreisverwaltung mit allen Beteiligten zusammenarbeitet.

Den demografischen Wandel gestalten

Julia Hettenhausen und Markéta Roska arbeiten als Integrations-Koordinatorinnen im Dezernat. Gefördert wird es vom Land im Rahmen des bereits laufenden Wir-Projekts. Seit Anfang des Jahres ist auch der 29-jährige Dr. Julien Neubert als Beauftragter für Demografie und soziale Teilhabe mit dabei. „Der demografische Wandel ist keine Bedrohung, sondern ein dynamischer Prozess, den es zu gestalten gilt“, sagt der Sozialwissenschaftler. Natürlich wird es auch zu seinen Aufgaben gehören, Daten zusammenzustellen. „Aber wir wollen keinen Datenfriedhof anlegen„sondern in Form eines Monitorings wichtige Informationen auswerten können,“ unterstreicht die Lndrätin in der Pressemitteilung des Landratsamtes.

So ist es auch die Aufgabe von Julien Neubert, den Inhalt zu den Zahlen zu liefern, Handlungsfelder auszuloten und der Politik konkrete Vorschläge zu machen. Sein erstes Projekt läuft bereits: Er erfasst die Gemeinwesenarbeit in allen Kreiskommunen. Ziel ist es dabei, Pilotprojekte, etwa nach dem Vorbild der Gießener Nordstadt, aufzubauen. „Arbeit gibt es genug, denn der demografische Wandel berührt viele Lebens- und Arbeitsbereiche“, sagt der gebürtige  Licher (ansonsten nur Langsdorfer; Julien erblickte in Lich das Licht der Welt).

„Wir wollen möglichst viele Dinge anstoßen, die Barrieren abbauen“, erklärt Markéta Roska, die gemeinsam mit Julia Hettenhausen als Integrations-Koordinatorinnen im Team arbeite.“ Mit Blick auf die Verwaltung profitieren von interkultureller Offenheit und dem Abbau von Barrieren alle: Menschen mit und ohne Zuwanderungsgeschichte, Menschen unterschiedlicher Bildungsgrade, Generationen, sozialem Hintergrund oder gesundheitlichen Voraussetzungen. „Vielfalt ist in unserer Gesellschaft der Normalfall – und auch Verwaltung stellt sich darauf ein“, ergänzt Julia Hettenhausen.

Eines ihrer Projekte beschäftigt sich etwa mit „Leichter Sprache“, also damit, sperrige Formulierungen im behördlichen Schriftverkehr allgemeinverständlich zu übersetzen. Weitere Projekte sind in Stichworten: Förderung von interkultureller Kompetenz und der Einrichtung einer Antidiskriminierungsstelle Mittelhessen, Impulse für eine Willkommenskultur vor allem in Form von Veranstaltungen, wie zum Beispiel Young Americans, die Koordination der interkulturellen Woche oder der Neubürgerempfang und andere Projekte.

Bei Fragen steht das Wir-Team zur Verfügung: Telefonisch (Markéta Roska: Tel. 0641 9390-1790 und Julia Hettenhausen: Tel. 0641 9390-1729) oder per E-Mail an demografie.integration@lkgi.de.

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