Keltenwelt am Glauberg

Das Geheimnis der Keltenfürstin

Von Corinna Willführ

Man kennt ihr Todesjahr, weiß etwa ihr Alter, ihre Größe und hat Teile ihres Schmucks gefunden: Doch geben die Funde aus einer Grabkammer in der Nähe der Heuneburg in Baden-Württemberg weiter Rätsel auf. Vom „Geheimnis der Keltenfürstin“ aus der Donauebene erfahren Besucher jetzt mehr in der gleichnamigen aktuellen Sonderausstellung der Keltenwelt am Glauberg. Die Präsentation ist besonders interessant, weil sie neben den ausgezeichneten Repliken des Goldschmucks der Fürstin in Texten und Videos Auskunft über die hochtechnisierten Methoden gibt, die heute bei der Bergung, Bestimmung und Einordnung von Relikten einer mehr als 2000 Jahre alten Kultur eingesetzt werden.

Ein Fund ohne Parallelen

Die Vitrine mit der Keltenfürstin. (Fotos: Willführ)

80 Tonnen schwer war der Erdblock, der am 28. Dezember 2012 mit schwerem Gerät aus dem Gräberfeld „Bettelbühl“ unterhalb der Heuneburg an der Donau (Baden-Württemberg) geborgen wurde. Die Höhensiedlung gilt als eine der bedeutendsten keltischen Stätten in Europa. Sie ist ausgezeichnet erforscht. Doch einen Fund, wie sie ein Restaurierungsteam im Landesamt für Denkmalpflege im RP Stuttgart in monatelanger Arbeit aus dem Erdblock freilegte, gab es bis dahin auch auf der Heuneburg nicht: die unberaubte Grabstätte einer Keltenfürstin und ihrer Tochter sowie einer Begleiterin. Nicole Ebinger-Rist vom Landesamt für Denkmalpflege in Stuttgart: „Der Fund ist außergewöhnlich, weil es keinerlei Parallelen gibt“, so die Leiterin der Restaurierungsarbeiten.

Der Ohrring der Fürstin.

Um die Beigaben in der 3,60 auf 4,60 großen Grabkammer zu analysieren, zu datieren und zu bewerten arbeitete ein interdisziplinäres Team mit modernster Technologie. So ermöglichte den Forschern die Dendrochronologie anhand der Jahresringe im Holz der Gräberkammer das Todesjahr der Keltenfürstin zu bestimmen. Mittels Röntgencomputertomographie konnte dreidimensional die ursprüngliche Form beispielsweise eines Pferdegeschirrs rekonstruiert werden.

Nicht zuletzt ermöglichten Analysen der Grabbeigaben aus Gold, identische Legierungen für Repliken des Schmucks der Keltenfürstin herzustellen. Diese sind nun bis 13. Oktober 2019 in der Keltenwelt am Glauberg zu sehen. Eine Ausstellung, die ohne Markus Binggeli kaum möglich gewesen wäre. Denn der Schweizer Experimentalarchäologe hat auf den Millimeter und das Zehntelgramm genau die Originale des Schmucks der Keltenfürstin realisiert. Mehrere Goldschmiede waren zuvor an dieser Aufgabe gescheitert.

Goldschmuck einer Frau hohen Ranges

Nicole Ebinger-Rist.

Rank und schlank sieht die Keltenfürstin aus Baden-Württemberg auf der Abbildung in der Ausstellung auf dem Glauberg aus. Ob sie eine so schlanke Schönheit war? Was die Forschung ergeben hat: Dank der ausgezeichneten Konservierung der Holzbohlen der Grabkammer durch die Feuchtböden am Fundort an der nahegelegenen Donau ihr genaues Todesjahr: 583 vor Christi. Ihr Alter: zwischen 30 und 40 Jahren; ihre Größe: etwa 1, 64 Meter. Das Alter des bestatteten Mädchens: circa zwei bis vier Jahre. Für Ebinger-Rist: „Tolle Eckdaten.“

Ein weiterer Fund aus dem Grab der Fürstin.

Filigran verzierte Goldkugeln, ein Ohr- oder Schläfenring aus dem edlen Metall, das anders als Eisen über die Jahrtausende der Korrosion trotzt, weisen darauf hin, dass die Keltenfürstin eine Frau höheren Ranges war. Ob sie allerdings auch eine Herrscherin war und wenn ja, über wen und wie lange, auch wie sie zur „Heuneburg“ stand – das alles sind (noch) Geheimnisse, die die Keltenfürstin aus Baden-Württemberg umgeben.

Ausführliche Informationen an Multimedia-Stationen

Es lohnt sich, Zeit für die neue Sonderausstellung in der Keltenwelt am Glauberg mitzubringen. Denn es gibt – neben den Exponaten – viel zu lesen und zu hören. So im Eingangsbereich die einführenden Informationen über die Methoden und Techniken, die die Bergung und Aufbereitung der Funde erst ermöglichten. Dr. Vera Rupp, Direktorin der Keltenwelt am Glauberg: „Hier kann man sehr gut sehen, welche Ergebnisse heute das Zusammenspiel von Archäologen, Naturwissenschaftler und Restauratoren zeigt.“ Über Kopfhörer zu Video-Interviews erläutern die Experten aus Baden-Württemberg Grabungsverlauf und Exponate. Dabei können die Besucher die Fragestellung wählen. Etwa die Antwort zur Bedeutung, wie eine Frau in der Keltenwelt zu einer fürstlichen Bestattung kam. Sie gibt Professor Dr. Dirk Krausse, der baden-württembergische Landesarchäologe.

Die Antwort, ob denn die Keltenfürstin von „Bettelbühl“ und der Keltenfürst vom Glauberg sich kannten, kann Dr. Vera Rupp eindeutig verneinen: Lebte die Keltenfürstin doch mehr als dreihundert Jahre früher. Den Funden aus ihren Gräbern ist indes gemeinsam, dass Verzierungen und Ornamente in den Grabbeigaben auf Einflüsse aus dem Mittelmeerraum hindeuten.

Vorträge und Führungen

Ein Gürtel aus dem Grab.

Die Sonderausstellung des Landesamtes für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart in der Keltenwelt am Glauberg wird durch Abendvorträge begleitet. Dabei nehmen die Referenten unter anderem Frauengräber der Eisenzeit und neue Forschungen zum Gold der Kelten in den Fokus. Außerdem geben Restauratorinnen und Restauratoren Einblick in ihre Arbeit. Bei geführten Rundgängen gibt es ausführliche Informationen zur Entdeckung, Bergung und Freilegung der Grabkammer und zu den Repliken der Fundstücke. Erwachsene zahlen für den Eintritt in die Sonderausstellung 3 Euro. Bis 18 Jahre gilt freier Eintritt. Besucher der Dauerausstellung zahlen keinen zusätzlichen Beitrag für den Besuch der Sonderausstellung.

www.keltenwelt-glauberg.de

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