Jugendtreff Büdingen

Einladung ins „Café Hope 2.0“

Von Corinna Willführ

Das „La Porta“ in der Büdinger Vorstadt ist ein Ort der Begegnung und ein Treffpunkt für Initiativen. Dienstags öffnet dort am frühen Abend das Café Hope 2.0 – für alle, die sich mit Respekt begegnen, nette Menschen kennenlernen und Gerichte aus der Küche des Iran probieren möchten.

Internationaler Jugendtreff

Die Tür ist für alle offen. Für alle, die sich mit Respekt vor und Toleranz für andere Lebensformen, unterschiedliche Kulturen begegnen wollen. Für Junge und Ältere, für Familien und Alleinlebende, für Geflüchtete und Heimatsuchende, für Menschen mit und ohne Behinderung. Denn „Irgendwas ist immer“ im Begegnungs- und Initiativcafé „La Porta“ in Büdingen. Es bietet der Trauergruppe „Lacrima“, dem Kreativ-Treff, Menschen aus dem Hevata-Behindertenheim ebenso wie Alleinerziehenden, dem Jugendtreff der Stadt oder dem Büdinger Bündnis für Demokratie Räume für ihre Veranstaltungen. Samstags gibt es 14-tägig einen Lesetreff, einmal im Monat lädt die Eine-Welt-Gruppe zu Kaffee, Kuchen und Gespräch ein. Für sie ist „La Porta“, die im November 2017 eröffnete Einrichtung im neuen Gemeindezentrum der Evangelischen Kirchengemeinde Büdingen mit ihren gemütlichen Räumen und der einladenden Fensterfront, auch  ein geschützter Raum. Denn „La Porta“ kann auch mit „Hafen“ übersetzt werden.

Amir aus dem Iran kocht für alle

Dienstags abends  ist die Küche im Erdgeschoss des Gebäudes in der Vorstadt, unweit des Jerusalemer Tors, das Reich von Amirhossein Doostfatemeh. Amir, wie er von allen genannt wird, ist Koch. Er stammt aus dem Iran. „Bist Du aktiv und neugierig und hast Lust, mit uns was zu kochen, dann komm vorbei“, lädt ein Flyer ein, ihm bei der Zubereitung der Speisen aus seiner Heimat nicht nur zuzusehen, sondern auch mitzumachen. Wenn Amir kocht, ist das „Café Hope 2.0“ geöffnet. Es soll vor allem Jugendliche unterschiedlicher Herkunft an einen Tisch bringen. Projektleiter Pfarrer Andreas Weik: „Der Name lehnt sich an das erste Café Hope in den Räumen des „Jugendhouse“ in der Mühltorstraße an.“  Die Mühltorstraße: Adresse einer von drei Gemeinschaftsunterkünften der Stadt für Geflüchtete – Amir und sein Bruder Saman leben noch heute dort.

Mit dem Café Hope 2.0 haben Pfarrer Andreas Weik und ein vielköpfiges Team insbesondere mit Unterstützung der Malteser die damalige Idee des Dekanatsjugendreferenten Gerhard Griestock und Bisrat Mehari, einer Eritreerin mit Fluchterfahrung als Kind, zu neuem Leben verholfen: Für Jugendliche aus den unterschiedlichsten Ländern ein gemeinsames Erlebnis anzubieten. „Unser Rezept für einen tollen Abend: Tischkicker, Musik, Air Hockey, Spiele, gute Gespräche, internationales Essen“ ist auf dem Flyer des „Café Hope 2.0“ zu lesen. Immer dienstags von 18 bis 21 Uhr.

Spielen verbindet: Air-Hockey und Kicker

Die Bohnensuppe von Amir köchelt auf dem Herd. Mejrem Gashi (17), die einmal Altenpflegerin werden möchte und im „Cafe Hope 2.0“ Sozialstunden leistet, fragt, wer etwas trinken möchte. Wasser, Apfelsaft und das Essen gibt es umsonst. Die Kosten dafür trägt die Evangelische Kirchengemeinde. Finanzielle Unterstützung für das Projekt bekommt sie durch das Hessische Ministerium für Soziales und Integration und aus dem Topf des Sozialbudgets Hessen für die Gemeinwesenarbeit.

Spielen verbindet Generationen und Kulturen: Jürgen Winkler, Andreas Teschke, Amir und Saman Doostfatemeh im Cafe Hope 2.0.

Am Tischkicker rollt der Ball. Andreas Teschke hat die Position der Abwehr und des Torwarts übernommen. Durch die „offene Tür“ des „La Porta“ ist der Jugendliche aufmerksam auf die Spielmöglichkeit geworden. Vincent übt, wie er sagt „meine Reflexe“. Auf dem Air-Hockey-Feld. Vincent ist elf Jahre. „Gegen die Schnelligkeit der Jugend hat man kaum eine Chance“, sagt Andreas Weik – und versenkt den Puk in einem unachtsamen Moment doch im Tor von Vincent. Der Junge ist mit seinen Eltern ins „Café Hope 2.0“ gekommen. Zum ersten Mal. „Aus Neugier“, sagt Vater Jürgen Winkler. Eine Neugier, die für die Familie an diesem Abend mit viel Freude belohnt wird.

„Ich mag die Leute hier, alle sind freundlich“

Heval Daglayan war schon mehrmals im „Café Hope 2.0“. „Ich mag die Leute hier. Alle sind freundlich“, sagt er. Heval findet es okay, wenn man nur seinen Vornamen benutzt, ihn nicht mit „Sie“ anspricht. Er ist 32 Jahre alt, geboren in Hanau. Seine Eltern stammen aus Ostanatolien. „Ich bin Deutscher. Aber für die Deutschen bin ich ein Türke. Für die Türken bin ich ein Kurde“, sagt er. Was er sich für Büdingen wünscht: „Noch mehr offene Integrationsangebote wie das „Cafe Hope 2.0.“ Und im Café in der Vorstadt 9-11 selbst „Vielleicht einen Kochkurs mit Rezepten aus der deutschen Küche.“ In der Küche, die dienstags das Reich von Amir aus dem Iran ist, hängt ein Zeitungsartikel über die „Grüne Soße“. Die „Sieben Kräuter“, die zu ihr gehören: Amir, Saman, Heval sind nicht ignorant, weil sie sie nicht kennen: In ihren Heimatländern wachsen sie nicht. Ob Amir für die Besucher des Café Hope 2.0 einmal nach einem Rezept  aus der deutschen Küche kochen wird? Die Gerichtsentscheidung für eine Arbeitserlaubnis  von Amir und Saman  steht noch aus.

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