Fotos vom Gefängnis

JVA Butzbach im Fokus der Kamera

Von Ursula WöllGefangene

Wir verdrängen meist, dass inmitten unserer Städte Menschen hinter Gittern und Stacheldraht leben. Auch in Butzbach gibt es ein Gefängnis, die JVA, in dem mehrere Hundert Männer eingesperrt sind, alle für mehrere Jahre. Im nahen Museum in der Butzbacher Färbgasse wird am 27. April 2015 eine Fotoausstellung über dieses Gefängnis eröffnet, und das ist gut so. Nur können leider die Gefangenen selbst an diesem Ereignis nicht teilnehmen. (Foto: Gerhard Bühler: Vier Fenster)

Bilder der Schwarzweiß-Fotogruppe Gießen

Alle 36 Schwarz-Weiß-Fotos stammen von Mitgliedern der von Barbara Lenz geleiteten Schwarzweiß-Fotogruppe Gießsen. Immer auf der Suche nach interessanten Motiven stieß sie auf den evangelischen Gefängnis-Seelsorger der Anstalt, der den Kontakt zu Direktor Eugen Martz herstellte. So konnte die Gruppe auch innerhalb der Mauern fotografieren. Es gab sogar Gefangene, die einer Abbildung zustimmten. Man traf sich zunächst mit ihnen, um ein wenig Vertrauen herzustellen und abzusprechen, wie diese Fotos von der Gruppe verwendet werden dürfen. Beim zweiten Einlass entstanden dann die Fotos. Danach waren die Aufnahmen für kurze Zeit im Gefängnis selbst zu sehen, bevor sie nun im Museum präsentiert werden.
Ergänzt werden sie mit einer Bilderschau von rund 50 historischen Aufnahmen, mit denen der damalige Pfarrer Degen sowohl den Alltag als auch das Umfeld ‚Gefängnis‘ dokumentierte. Sie lassen „Einen Wandel im Strafvollzug erkennen“, wie es in der Einladung heißt.

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Hartwig Leuer: Aussenansicht

Kunst im Knast

Bereits 2013 thematisierte das Museum das Leben hinter den Gittern der Butzbacher Anstalt. Damals stammten die Exponate, unter ihnen viele Fotos, von den Gefangenen selbst. Seit vielen Jahren gibt es nämlich in Butzbach das Projekt „Kunst im Knast“, in dem Gefangene schöpferische Qualitäten und Selbstvertrauen entwickeln können. An den Kursen im Malen, Zeichnen, Plastischen Gestalten und für Video können insgesamt etwa 50 Gefangene teilnehmen. Die damalige Ausstellung vermittelte einen Eindruck von der bedrückenden Situation des Eingesperrtseins. Da stand etwa ein Insasse auf Tisch und Stuhl, um durch das hochgelegene Fenster ins Freie sehen zu können. Ein anderer ließ sich in einer leeren, weil unbewohnten Zelle fotografieren, um den Mangel an Anregungen anzudeuten.

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Foto: Helma Korff

Ob eine Fotogruppe, die naturgemäß die ästhetischen Aspekte wie Belichtung, Bildausschnitt und Komposition in den Vordergrund stellt, ebenfalls diese Qual des Eingesperrtseins vermitteln kann, wird die Ausstellung „Gefangene Eindrücke“ zeigen.Sie wird am 27. April um 19 Uhr in der Butzbacher Färbgasse 16 eröffnet und läuft bis zum 21. Juni, Mo – Fr von 14 – 17 h und Sa, So von 10 – 12 und 14 – 17 h. Museums-Telefon 06033-995-250.

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