Hospiz für die Wetterau

Immer mehr Hilfen für Todgeweihte

Von Klaus Nissen

Fünf Hospizvereine aus der Wetterau haben im Dezember 2017 den Sozialpreis des Kreises bekommen. Die Ehrenamtlichen kommen, wenn Menschen in der letzten Phase des Lebens sie brauchen. Wenn ihre Angehörigen und Ärzte denn von der Existenz der Helfer wissen….

Hospiz für die Wetterau

Da liegt noch einiges im Argen, hörte man bei der Vergabe des mit 2500 Euro dotierten Sozialpreises an die in Büdingen, Bad Vilbel, Karben, Friedberg und Bad Nauheim sitzenden Hospizvereine. Man habe zum Beispiel die Hausärzte abgeklappert und Hilfe für ihre schwer kranken Patienten angeboten, berichtete Ursula Jacobsen aus Karben. „Aber wir bekamen von den Ärzten trotzdem kaum Hinweise auf Notfälle.“ Offenbar seien die Mediziner zu beschäftigt, um noch ehrenamtliche Sterbebegleiter zu informieren. Das gilt auch für die oft überforderten Familien der in der letzten Lebensphase steckenden Menschen. „Es bekümmert uns“, sagte der Bad Nauheimer Hospizhelfer Dietmar Osenberg, „dass viele Menschen nichts von uns wissen.“

Petra Albus (links) organisiert seit kurzem hauptamtlich die Hospizhilfe in Büdingen und dem Umland. Neben ihr der frühere Lindheimer Pfarrer Hans-Bernd Berkler. Er war erster Vorsitzender der jetzt 25 Jahre alten Hospizhilfe Büdinger Land. Andreas Marschella aus Gelnhaar führt den Verein aktuell. Rechts die Erste Stadträtin von Büdingen, Henrike Strauch. Foto: Nissen

Noch ein Problem nannte die Hospizhelferin und Pfarrerin Gisela Theis aus Friedberg:  Seit zwei Jahren gebe es das Hospiz- und Palliativgesetz, das Krankenhäuser und Pflegeheime zur Zusammenarbeit mit Hospizhelfern verpflichtet. So habe die Hospizhilfe Wetterau den Kliniken im Gesundheitszentrum Wetterau schon im August einen Kooperationsvertrag vorgelegt. „Wir warten noch auf eine Antwort“, sagte Theis.

Notwendig sei auch die Gründung weiterer SAPV-Teams, befand Andreas Marschella vor rund hundert Zuhörern bei der festlichen Sozialpreis-Verleihung durch Landrat Joachim Arnold. SAPV heißt „Spezialisierte ambulante Palliativ-Versorgung“. Dafür braucht es Mediziner, Pfleger, Psychologen, Seelsorger und Sozialdienst-Fachkundige. Nur in Butzbach gibt es momentan so ein Team, berichtete Marschella. Das komme auch nach Bindsachsen, wenn dort ein Mensch im Sterben liegt und die Angehörigen nicht weiterwissen. Man kümmere sich dann um die besten Hilfsmittel und organisiere eine Betreuung. Doch so ein Team allein könne schon wegen der weiten Anfahrten nicht den ganzen Bedarf decken.

Andreas Marschella ist evangelischer Pfarrer in Gelnhaar und Vorsitzender der Hospizhilfe Büdinger Land. Er bemüht sich im Kreise von etwa 20 Aktiven, eine bessere Palliativversorgung in der östlichen Wetterau zu schaffen. „Wir haben auch Bedarf an Hospizbetten“,  sagte Marschella mit Blick auf  die Kreis-Sozialdezernentin und SPD-Landratskandidatin Stephanie Becker-Bösch. Diesen Bedarf könne man zunächst wohl eher im Westen decken, antwortete sie. Denn da seien nun mal die meisten Kliniken, an die man so ein Hospiz anbinden könne.

Das erste Hospiz wird vorbereitet

Ansonsten rennen die Hospizhelfer bei Becker-Bösch offene Türen ein. Die Kreisbeigeordnete kündigte für Januar die Gründung eines Fördervereins an. Der soll Geld für die Gründung des ersten Hospizes im Kreis sammeln. „Denn wir wollen, dass alle menschenwürdig und gut begleitet sterben können“, sagte die Sozialdezernentin des Kreises.  Anfang November hatte sie vor dem SPD-Parteitag schon den Plan erläutert: Becker-Bösch denkt an ein Haus mit zwölf bis 16 Betten sowie Zimmern, in denen Angehörige übernachten können. Derzeit liefen die Sondierungsgespräche über das Hospiz. Bis März sollen „handfeste“ Ergebnisse vorliegen. Die Einrichtung der stationären Sterbebegleitung soll nicht auf der „Grünen Wiese“ entstehen, und wegen des Lärms dürften keine Schule und kein Kindergarten in der Nähe sein. Auch die Nachbarschaft zu einem Friedhof soll vermieden werden. Erwünscht ist auch keine Anbindung an ein Altenheim, ob sie aber vermieden werden kann, müssten die Sondierungsgespräche zeigen. Die palliativmedizinische Versorgung der Sterbenden müsse sichergestellt werden. Das spreche für eine Anbindung an ein Krankenhaus. Vermutlich sei ein Neubau nötig. Mit den Kirchen werde über die Trägerschaft verhandelt.

In Friedberg gibt es schon jetzt ein Mini-Hospiz, berichtete am Dienstag Gisela Theis. Am Sitz der Hospizhilfe in der Fichtenstraße 4 könne man einen Menschen aufnehmen – bisher sei das Bett aber noch nicht belegt.

Koordinatorin im Büdinger Land

Im Büdinger Land sieht man ebenfalls Fortschritte bei der Palliativversorgung. Neuerdings arbeitet Petra Albus mit einer halben Stelle für die dortige Hospizhilfe. Ihr Büro liegt im dritten Stock des Zentrums für Kirche und Diakonie an der Gymnasiumstrasse 5. Albus kommt ins Haus, wenn man sie unter der Nummer 06042/951712 anruft. Sie schaut sich an, was die Menschen brauchen, die zum Beispiel nach einer schweren Erkrankung „austherapiert“ und nach Hause geschickt wurden. Dann überlege sie, welcher der gut 20 ehrenamtlichen Helfer im Büdinger zur Begleitung des Menschen passen würde. Es gehe für sie vor allem darum, präsent zu sein. „Wir sind kein Pflegedienst und keine Haushaltshilfe“, stellt Petra Albus klar.

Viele Angehörige sterbender Menschen rufen ungern Fremde zur Hilfe, sagen Andreas Marschella und Petra Albus. Das Sterben sei ein Tabuthema, und man habe den Anspruch, alles allein zu schaffen. Ganz diskret könne man jedoch jeden Dienstag zwischen 9 und 12 Uhr zur Sprechstunde in die Gymnasiumstrasse 5 kommen.

Parallel dazu lassen sich gerade sieben Frauen aus dem Büdinger Land zur ehrenamtlichen Sterbebegleiterin qualifizieren. Petra Albus organisiert für sie über ein Jahr Gesprächskreise und das Wissen von Experten zur Gesprächsführung, zur Eigenwahrnehmung und zu Erkenntnissen darüber, was beim Sterben eigentlich mit einem Menschen geschieht. Finanziert wird diese Fortbildung über die Krankenkassen.

Monatliches Trauercafé

In Planung haben die Hospizhelfer auch ein monatliches Trauer-Café, wie es vom ebenfalls preisgekrönten Hospizverein  in Bad Nauheim schon lange erfolgreich angeboten wird. Es soll  bald „Letzte Hilfe-Schulungen“ für Angehörige von Schwerkranken in Büdingen geben. Und bald auch die schon in Bad Nauheim erprobte Aktion „Hospiz macht Schule“.  Da will man mit Schülern im Rahmen von Projektwochen über Sterben und Tod sprechen. Man brauche dafür aber noch eine mitmachende Schule und die Bereitschaft der Eltern, räumt Pfarrer Marschella ein. In Bad Nauheim stoße man regelmäßig auf Widerstand, erzählte .. Rosenberg bei der Preisverleihung. Und am Ende auf große Zustimmung. Denn auch für Kinder und Jugendliche sei der Tod ein Thema, das sie keineswegs traumatisiere, wenn man offen damit umgeht.

Hier noch einige Kontaktadressen:

Ambulanter Kinderhospizdienst Gießen
Zuständig 50 km im Umkreis, also auch im Wetteraukreis tätig
Wingert 18
35396 GießenTel.: 06415591644

IGSL-Regionalgruppe
Hospizdienst Wetterau
Kontakt: 06032 927568

Hospizgruppe der Nachbarschaftshilfe Bad Vilbel e.V.
Kontakt: 06101 604892

Hospizhilfe Büdinger Land e.V.
Kontakt: 06042 951712 oder 0151 10703268
E-Mail:

Hospizhilfe Schotten/Nidda e.V.
Kontakt: Koordination: 06044 4229 oder 06044 8768

Hospizhilfe Wetterau e.V.
Friedberg
Kontakt: 06031 7727633

Hospizhilfe Karben
Kontakt: 06039 9398738

TRAUERCAFÉ
Hospizhilfe Wetterau e.V.
Hospizdienst Wetterau (IGSL)
Treffpunkt: Friedberg, jeden 1. Sonntag im Monat 15-17°°Uhr, Hanauer Str. 31
Tel.: 06032 927568 oder  06031 7727633

Hospizhilfe Büdinger Land,
Kontakt: Tel.: 06042 86156 oder 0173 8308397

Evangelische Kirchengemeinde Gambach
„Kaffeezeit für Trauernde“
Kontakt: Tel.: 06033 64448

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