Hereinspaziert

Heinz-Jörg Ebert löste Geheimnis

von Jörg-Peter Schmidt

Wie kann man neugierig auf Kunstwerke machen, die in den Museen gezeigt werden? Hierzu ist in Gießen eine prima Idee verwirklicht worden: In der Reihe „Hereinspaziert“ darf sich jeweils ein Gast aus dem öffentlichen Leben ein Objekt aus der Sammlung des Oberhessischen Museums (OHM) im Alten Schloss am Brandplatz aussuchen, um es dann einige Tage später in einer Veranstaltung bei freiem Eintritt vorzustellen und seine Gedanken darüber zu erläutern. Die Reihe vom OHM und der Museums-Gesellschaft Gießen gemeinsam initiierte Reise findet Anklang. Rund 70 Besucher fanden sich diesmal im Alten Schloss ein und waren gespannt, was sich der Gast des Abends ausgewählt hatte.

Multitalent Heinz-Jörg Ebert

Bevor dieses Geheimnis gelüftet wurde, unterstrichen Dr. Katharina Weick-Joch (Leiterin des Oberhessischen Museums) und Kay-Hermann Hörster (Vorsitzender der Museums-Gesellschaft  Gießen) ihre Freude darüber aus, Heinz-Jörg Ebert für die zweite Folge der Reihe gewonnen  zu haben. Er ist überregional durch seine verschiedenen Funktionen bekannt. Zu einen durch seine führende Tätigkeit im  Gießener Familienunternehmen Schuhhaus Darré, zum anderen ist ein hervorragender Musiker.  Nicht nur als Solist, sondern auch als Mitglied verschiedener Formationen (aktuell: „Drei Stimmen“), vorher beim Bauer’schen Gesangverein Gießen (geleitet von seinem ehemaligen Musiklehrer und Dirigenten Johannes Gustav), beim Chor „Klangfarben“, dann unter anderem beim Vokalensemble „Swinging Fast Food“, bei der Gruppe Heinrich und dann bei „Give me five“.

Heinz-Jörg Ebert sang ein sehr bewegendes Lied von Roger Cicero: „In diesem Moment“. (Fotos: Jörg-Peter Schmidt)

Man weiß  dass es sehr naturverbunden ist. Und so war es kein Wunder, dass er sich ein entsprechendes Gemälde ausgesucht hatte: Der bekannte Künstler Melchior Lechter (1865 – 1937) hatte im Jahr 1891 unter dem Titel „Es lockt die Aue“ auf eindrucksvolle Weise eine Gebirgslandschaft mit einer blumenreichen Wiese gemalt und das Gebirge nur angedeutet, was aber dem Gesamteindruck gut tut. Interessant ist auch das Panorama-Format des Bildes. Die Kunstfreunde in Gießen kennen es  von der kürzlichen Ausstellung der Kunststiftungen Gustav Bocks im Alten Schloss (Der als Zuhörer anwesende Kurator Dr. Andreas Ay nahm es gern zur Kenntnis, dass dieses Werk jetzt erneut der Öffentlichkeit gezeigt werden konnte).

Mit kleinen Tupfern Blumen herbeizaubern

Zu Beginn der Veranstaltung wurde das Geheimnis gelüftet, welche Kunstobjekt diesmal im Mittelpunkt stand: Melchior Lechter hatte 1891 unter dem Titel „Es lockt die Aue“ ein  Gemälde geschaffen, das durch seine Natürlichkeit besticht.

Ebert erläuterte, warum er sich dieser malerischen Charakterisierung intakter Natur so verbunden fühlt. Während seines Studiums in München fuhr er oft ins Kaisergebirge hinaus und genoss die herrliche Landschaft. Sein Leben lang, auch mit seiner Familie, zieht es ihn immer wieder in die Gebirgsgegenden. Und er hat in den Allgäuer Bergen geheiratet. Er findet es einfach bewundernswert, wie es Lechter gelungen ist, mit einigen kleinen Tupfern die Blumen herbeizuzaubern. Kay-Hermann Hörster bestätigte, dass dies typisch für die Leistung des vielseitigen Künstlers war, der sich auch als Glasmaler einen Namen gemacht habe. Wie Ebert berichtete,  gehört zu seinen Lieblingskomponisten Richard Wagner, für dessen Musik sich auch Melchior Lechter begeistert hatte.  Eine ganz andere Art von Musik stellte der Gast des Abends abschließend vor: Er sang  ein sehr berührendes Lied Roger Ciceros:  „In diesem Moment“.

Kay-Hermann Hörster erläuterte, warum Melchior Lechter  so ein großartiger Künstler war.

Die Zuhörer applaudierten lange am Schluss der Veranstaltung, die wiederum zeigte: Es gibt so viele interessante Kulturveranstaltungen  in der Universitätsstadt, die Heinz-Jörg Ebert liebt und bei deren Weiterentwicklung er in einigen Institutionen mitmischt.  Er ist stolz auf seine Stadt, „die man keineswegs kleinreden, verzwergen sollte“, wie er unterstrich.

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