Gesundheitszentrum Wetterau

Neue Geldgeber für Kliniken in Sicht

Von Klaus Nissen

Banken könnten Dispo garantieren – und Bad Nauheim Anteile behalten. Der kommunale Klinikverbund Gesundheitszentrum Wetterau braucht 60 Millionen für neue OP-Säle und Krankenzimmer in Bad Nauheim. Weil die Stadt klamm ist, wollte der scheidende Landrat Joachim Arnold (SPD) den ganzen Konzern mit seinen 850 Betten und 1850 Mitarbeitern an 14 Standorten in Kreisbesitz nehmen. Empörte Bad Nauheimer Politiker fühlten sich über den Tisch gezogen. Doch es geht auch anders, meint nun der Gesundheitszentrums-Geschäftsführer Dirk Fellermann.

Gesundheitszentrum Wetterau

Problematisch ist ein Kassenkredit von bis zu elf Millionen Euro, die der Kreis den Kliniken seit 2012 einräumt. Der gleicht wie ein „Dispo“ Schwankungen auf dem Geschäftskonto aus. Der Kassenkredit muss im Laufe dieses Jahres verschwinden, fordert das Land Hessen – sonst gebe es keine 31 Millionen aus der „Hessenkasse“ für die Wetterau. Dann wäre die Klinik-Erweiterung in Bad Nauheim nicht machbar. Letztlich sei das alles nur durch die Übernahme des gesamten Konzerns durch den Kreis zu stemmen, signalisierte Landrat Arnold kurz vor seinem Weggang zur Ovag im vorigen Dezember.

So soll das neue Bettenhaus der Hochwaldklinik dereinst aussehen. Es wird hinter dem aktuellen Bau am Bad Nauheimer Johannisberg entstehen. Visualisierung: Gesundheitszentrum Wetterau

Doch für den Kassenkredit könne das Gesundheitszentrum einfach den Geldgeber wechseln, schlug der kaufmännische Klinik-Chef Dirk Fellermann nun dem Haupt- und Finanzausschuss des Kreises vor. Er habe mehrere Banken befragt. Da könne er für etwa ein Prozent Zinsen eine „Kontokorrentlinie“ – also eine Art Dispokredit – bis fünf Millionen Euro bekommen. Wenn Kreis und Stadt nicht dafür bürgen, werde es teurer. Seit Februar 2017 sank die Inanspruchnahme des Kassenkredits von elf Millionen deutlich ab. Am 17. April 2018 stand das Gesundheitszentrum zum Beispiel mit 5,5 Millionen beim Kreiskämmerer und neuen Landrat Jan Weckler (CDU) in der Kreide.

So müssten der Kreis und die Bad Nauheimer nicht zwangsläufig ihr Stammkapital um 15 Millionen Euro erhöhen, erläuterten Fellermann und der Ärztliche Direktor Friedrich Grimminger den Politikern in einer gut 50 Seiten starken Präsentation. Stadt und Kreis könnten wie bisher je zur Hälfte Eigentümer der Krankenhäuser in Friedberg, Bad Nauheim, Gedern und Schotten bleiben. Bad Nauheim könne auch 50 Prozent des Gesundheitszentrums an den Kreis oder an gewerbliche Klinikbetreiber verkaufen. Die Stadt besitze ein Stammkapital in Höhe von 3,5 Millionen Euro. Denkbar sei auch, dass sie zehn Prozent des Gesundheitszentrums behält. Falls die Bad Nauheimer die Kliniken an den Kreis verkaufen, könne der die Anteile später an gewerbliche  Betreiber weiterreichen und Gewinn machen – daran müsste die Stadt Bad Nauheim nach Fellermanns Ansicht beteiligt werden.

Diese fünf Männer sind wichtig für die Zukunft des Gesundheitszentrums. Von links: Bad Nauheims Bürgermeister Klaus Kress, der Ärztliche Direktor Friedrich Grimminger, Landrat Jan Weckler, Sozialminister Stefan Grüttner. Der hat im vorigen März den Bewilligungsbescheid über die ersten sieben Millionen Euro für die Neubauten am Bad Nauheimer Krankenhaus dem Geschäftsführer Dirk Fellermann (rechts) übergeben. Foto: Nissen

Vorerst geht es aber um Verluste. Vor dem Finanzausschuss des Kreistages offenbarte Fellermann für 2016 ein Defizit des Gesundheitszentrums in Höhe von 3,85 Millionen Euro. Für 2017 rechnet er mit einem Minus von 2,5 Millionen, für 2018 „nur“ noch mit 1,8 Millionen Minus. Davon dürften knapp 1,5 Millionen Verlust allein aus dem Betrieb des Schottener Kreiskrankenhauses anfallen.

Die Bad Nauheimer Stadtverordneten haben bisher nicht beschlossen, ob und zu welchem Preis sie die Anteile der Stadt am Klinikkonzern verkaufen würden. Sie müssten nun dringend über die aktuellen Berechnungen des Geschäftsführers Fellermann unterrichtet werden, forderte die Grünen-Kreistagsfraktion in einer Pressemitteilung. Wichtig sei eine intensive, faire Debatte über die beste Zukunft des Gesundheitszentrums, so Sylvia Klein und Michael Rückl im Namen der Grünen. Sie fordern, dass man auf jeden Fall mit anderen kommunalen Krankenhausträgern über mehr Zusammenarbeit reden müsse. Bisher verhandelte Joachim Arnold ergebnislos mit den Kreisen Lahn-Dill und Hochtaunus über Klinik-Fusionen.

Das ist das Gesundheitszentrum Wetterau

Das Facharzt-Zentrum, die Verwaltung und die Cafeteria des Bad Nauheimer Krankenhauses sind seit 2011 im Betrieb. Der Bau kostete den Gesundheitskonzern von Landkreis und Stadt rund 16 Millionen Euro. Foto: Nissen

Seit 2005 sind die Krankenhäuser in Friedberg, Bad Nauheim, Schotten und Gedern zum Gesundheitszentrum Wetterau fusioniert. An sechs Standorten kümmern sich 1850 Mitarbeiter pro Jahr um 25 000 stationär aufgenommene und 50 000 ambulante Patienten. Das Gesundheitszentrum hat auch eine Krankenpflegeschule, die Kreis-Psychiatrie an der Ockstädter Straße in Friedberg und eine Großküche in Bad Nauheim.

Am Standort der dortigen Hochwaldklinik soll 2019 der Bau neuer Operationssäle und der Zentral-Sterilisation beginnen. 2020 beginnt der Bau eines Bettenhauses. Eine neue Endoskopische Abteilung und die Sanierung des teils von 1930 stammenden Altbaus folgen bis ins Jahr 2024. Nötig sind dafür rund 60 Millionen Euro, die zum größten Teil aus Fördertöpfen des Landes kommen sollen. Die Klinikeigentümer müssen nach neuen Berechnungen des Geschäftsführers rund 16,7 Millionen Euro selbst für die Modernisierung aufbringen.

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