Georg-Büchner-Preis

Jan Wagner wird ausgezeichnet

Von Corinna Willführ

Seit 1951 verleiht die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung den nach dem „poetischen Revolutionär“ Georg Büchner benannten Georg-Büchner-Preis, dessen Geschichte indes bis ins Jahr 1923 zurückreicht. Die mit 50.000 Euro dotierte Auszeichnung erhält Jan Wagner, Jahrgang 1971 am Samstag, 28. Oktober 2017 in Darmstadt: Für eine „poetische Sprachkunst, die unsere Wahrnehmung ebenso schärft wie unser Denken.“

Gedichte voller Sprachfreude

Als Jan Wagner 2015 den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik erhielt, da war der 1971 in Hamburg geborene Schriftsteller der erste Lyriker, dem diese Auszeichnung zu Teil wurde. Und es war nicht die erste von (über)nationaler Bedeutung: Bereits 2011 hatte er den Kranichsteiner Literaturpreis und den Friedrich-Hölderlin-Preis, ebenfalls 2011, erhalten. Nun bekommt er auch den mit 50.000 Euro höchstdotierten Literaturpreis der Republik.

Der poetische Revolutionär Georg Büchner, nach dem der Preis benannt wurde.

Warum? „Jan Wagners Gedichte verbinden spielerische Sprachfreude und meisterhafte Formbeherrschung, musikalische Sinnlichkeit und intellektuelle Prägnanz. Entstanden im Dialog mit großen lyrischen Traditionen, sind sie ganz und gar gegenwärtig. Seine Gedichte erschließen eine Wirklichkeit, zu der Naturphänomene ebenso gehören wie Kunstwerke, Sujets der Lebens- wie der Weltgeschichte, erste Fragen und letzte Dinge. Aus neugierigen, sensiblen Erkundungen des Kleinen und Einzelnen mit einem Gespür für untergründige Zusammenhänge und mit einer unerschöpflichen Phantasie lassen sie Augenblicke entstehen, in denen sich die Welt zeigt, als sähe man sie zum ersten Mal“, so die Begründung der Jury.

Was kann dem noch hinzugefügt werden? Dass man sich von dem Urteil der Experten am besten selbst mit der Lektüre der Gedichtbände – und der weiteren Publikationen – Wagners überzeugt. Zum Beispiel mit seinem lyrischen Debüt „Probebohrungen im Himmel“ aus dem Jahr 2001, den „Achtzehn Pasteten“ von 2007, vor allem aber den „Regentonnenvariationen“, für die er den Leipziger Buchpreis erhielt. Wäre da noch die Prosasammlung „Der verschlossene Raum“ vom Frühling dieses Jahres. Für Kenner englischer Lyrik gibt es Übersetzungen der Poesie von James Tate und Matthew Sweeney – von Jan Wagner, versteht sich.

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