Gebirgsstelze gerettet

Ein seltener Buchmesse-Gast

Eine seltene Gebirgsstelze nistet im Innenhof des Badehauses 7, das am 9. April 2017 Schauplatz der Buchmesse war. Der unter Naturschutz stehende Vogel hat sein Nest in einen Blumentopf gesetzt. Die Jungen sind geschlüpft. Um die seltenen Vögel zu schützen, hat der Vogelschützer Rudi Nein mit den Buchmesse-Organisatorinnen vereinbart, das Nest abzusperren, wie er im Interview mit dem Landbote erklärte.

Gebirgsstelze gerettet

Solche Aktionen seien bei ihm an der Tagesordnung, sagt der  Vogelschützer aus Bad Nauheim.
Kürzlich hat er zum Beispiel Turmfalken mit Hilfe der Feuerwehr umsiedeln müssen.  Sie bauten regelmäßig ihr Nest in einem Mauerloch im Turm des Gradierbaues V. im Bad Nauheimer Kurpark. Doch die alte Anlage zur Salzgewinnung soll bald restauriert werden – da drohte die Brut in Gefahr zu geraten . Noch vor der Ei-Ablage stieg der 72-jährige Rudi Nein auf die Ausziehleiter der Feuerwehr und verschloss das Mauerloch durch ein Bindsengeflecht. Das Turmfalkenpaar bekam in der Nähe ein Ersatznest angeboten.

Rudi Nein vor dem abgesperrten Nest der Gebirgsstelze. (Fotos: Himmighofen-Strack)

Doch zurück zur Gebirgsstelze: Zufällig hatte der Hausmeister des Jugendstil-Sprudelhofs mitbekommen, dass ein Weibchen in einem Pflanztopf im ruhigen Innenhof des Badehauses 7 nistete. Normalerweise ziehen diese Vögel ihren Nachwuchs in einem Erdloch am Rande schnell fließender Gebirgsbäche auf. Auch in der nahen Usa nisten Gebirgsstelzen, weil sie im flachen Wasser Nahrung finden. „Aber viele Tierarten fühlen sich da nicht mehr sicher, wo sie eigentlich leben“, sagt Rudi Nein. Sie finden nicht mehr genug Verstecke für ihre Nester. Denn die Erdlöcher oberhalb der Usa-Hochwasserlinie sind nicht mehr sicher, seit sich vermehrt Waqschbären, Steinmarker, Minks, Nerze und „rabiate Nilgänse“ dort herumtreiben.

Der Nistplatz im Sprudelhof ist dann auch noch problematisch geworden. Denn das Buchmessenpublikum könnte die Aufzucht der Jungen stören. Der Hausmeister und Rudi nein umstellten das Nest deshalb mit hohen Pflanzkübeln und stellten eine Bank quer, um neugierige Menschen fernzuhalten. Wenn nur Eier im Nest gelegen hätten, wäre wohl auch diese Schutz-Strategie sinnlos geblieben. Doch im Nest wachsen bereits fünf flauschige Stelzenküken heran. „Sobald Nachwuchs da ist“, sagt Rudi Nein, „ist der Futtertrieb einfach stärker als die Angst“.

Die Jungen im Nest der Gebirgsstelze im Badehaus 7.

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