Friedrich-Ludwig Weidig

Kreis verneigt sich vor dem Demokraten

Eine Ausstellung über das Leben und Wirken von Friedrich-Ludwig Weidig ist bis zum 18. Dezember 2017 im Foyer des Wetterauer Kreishauses in Friedberg zu sehen. Weidig hat gemeinsam mit Georg Bücher 1834 die revolutionäre Flugschrift „Der Hessische Landbote“ herausgegeben. Die Ausstellung gehört zum Projekt „Demokratie leben!“und soll insbesondere Schulklassen ansprechen.

Vordenker der Demokratie

„Friedrich-Ludwig Weidig war evangelischer Theologe, Pädagoge, Publizist und Turnpionier. Als einer der maßgeblichen Protagonisten des Vormärz und Wegbereiter der Revolution 1848 war er Wegbegleiter von Georg Büchner. Nach dem Vorbild von Friedrich-Ludwig Jahn führte Weidig mit seinen Schülern in Butzbach Turnübungen durch. 1814 gründete er auf dem Schrenzer den ersten Turnplatz in Hessen. Weidig war bei den Vorbereitungen des Hambacher Festes 1832 beteiligt. Mit Georg Büchner arbeitete er zusammen an der ersten Druckfassung des „Hessischen Landboten“. In der Folge wurde Weidig vom Dienst als Lehrer suspendiert und als Pfarrer in den Vogelsberg versetzt. 1834 wurde er verhaftet und im Jahr darauf ins Arresthaus nach Darmstadt verlegt, wo er ohne Prozess und die Möglichkeit, sich selbst verteidigen zu können, zwei Jahre später den Freitod wählte“, heißt es in einer Pressemitteilung des Wetteraukreises zu der Ausstellung.

Kreisbeigeordnete und Sozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch (SPD) nannte Weidig bei der Ausstellungseröffnung einen Vordenker der Demokratie, der für seine Überzeugungen gestorben sei. „Seine Vision von Freiheit und Demokratie ist heute noch aktuell.“ Die Ausstellung ist laut Becker Bösch in das Projekt „Demokratie leben!“ eingebunden, an der der Wetteraukreis seit Sommer dieses Jahres teilnimmt. Besser als mit der historischen Person Friedrich Ludwig Weidigs seien die Ziele des Projektes kaum zu vermitteln. „Demokratie leben!“ ist ein Bundesprogramm, das Projekte zur Radikalisierungsprävention und Demokratieförderung mit kommunalen, regionalen und überregionalen Schwerpunkten fördert. Die Arbeit von Institutionen, Vereinen und Initiativen und von engagierten Bürgern in Deutschland, die sich für ein vielfältiges, gewaltfreies und demokratisches Miteinander einsetzen, wird finanziell unterstützt. Zielgruppen des Programms sind Kinder und Jugendliche, deren Eltern, Familienangehörige und Bezugspersonen, aber auch Menschen, die ehren-, neben- oder hauptamtlich in der Jugendhilfe tätig sind.

Norbert Kartmann (Präsident des Hessischen Turnverbandes), Sozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch und Ausstellungsmacher Rolf Lutz (v.l.) bei der Ausstellungseröffnung. (Foto: Wetteraukreis)

Weidig ist für Hessen von eminenter Bedeutung

Norbert Kartmann (CDU), Präsident des Hessischen Landtags, der in der Weidigstadt Butzbach wohnt, sprach bei der Ausstellungseröffnung in seiner Funktion als Präsident des Hessischen Turnverbandes. Weidig habe mit seiner Arbeit die Verzahnung von Politik und Sport vorangetrieben. „Für den Vormärz sei Weidig viel wichtiger, als es in den Lehrbüchern der Schulen dargestellt werde. Für die hessische Geschichte und die Identität der Hessen ist Weidigs Beitrag zum Vormärz von eminenter Bedeutung“, sagte der CDU-Politiker.

Rolf Lutz, Ehrenvorsitzender des Wetterauer Sportkreises,hat die Ausstellung zusammengestellt. Er zählt Weidig zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der Wetterau, der etwas im Schatten seines Zeitgenossen und Mitkämpfers Büchner stehe. Weidig sei auch heute noch ein Vorbild für alle Demokraten. Als Lehrer betonte er die Bedeutung von sportlicher Betätigung in Gottes freier Natur neben Lernfächern wie Mathematik und Latein. „Nach dem Tod Weidigs wurden seine Visionen von seinen Nachfolgern weitergetragen und durchgesetzt. Die Ausstellung, die Leben und Wirken von Friedrich-Ludwig Weidig dokumentiere, ist eine Verneigung vor seiner Lebensleistung“, so Lutz.

Der Erste Stadtrat der Friedrich-Ludwig-Weidig-Stadt Butzbach, Manfred Schütz, kündigte an, dass man sich in Butzbach dafür stark mache, das Weidig-Bergturnfest in Erinnerung an den großen Butzbacher wieder zu beleben.

„Die Ausstellung ist vor allem für Schulklassen interessant, die sich mit Fragen der Restauration, des Vormärz, der Revolution von 1848 und deutscher Demokratiegeschichte befassen“, heißt es in der Pressemitteilung des Kreises. Lutz bietet dazu spezielle Führungen für Schulklassen durch die Ausstellung an. Anfragen nimmt er unter Telefon 06035/6602 entgegen.

Die Ausstellung im Foyer des Friedberger Kreishauses ist noch bis zum 18. Dezember 2017 montags bis mittwochs von 7.30 bis 16 Uhr, donnerstags bis 18 Uhr und freitags bis 12.30 Uhr zu sehen.

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