Fotos von Lore Krüger

Zufällig einen Schatz gehoben

Von Jörg-Peter Schmidtlore

Lore Krüger war Widerstandskämpferin gegen  das NS-Regime, sie  war später eine bekannte Übersetzerin in der DDR – und sie war eine begnadete Fotografin. Eine Ausstellung in Berlin und ein Buch stellen ihre Fotos vor.

Meisterin der Schwarz-Weiß-Fotografie

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Selbstportrait

Lore Krüger (* 11. März 1914 in Magdeburg; † 3. März 2009 in Berlin) war eine  bekannte Übersetzerin in der DDR, die beispielsweise Romane von Mark Twain ins Deutsche übertrug. Sie hatte allerdings noch einen anderen Beruf: Sie war eine Meisterin der Schwarz-Weiß-Fotografie. Wie gut sie in den dreißiger und vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts ihre jeweiligen Kameras mit einem sensiblen Blick für interessante Motive beherrschte, wurde erst so richtig nach ihrem Tod per Zufall entdeckt.

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Porträt, 1938

Ihr  Sohn übergab vor drei Jahren einen Koffer, in dem rund 150 von seiner Mutter gefertigten Fotografien lagen, dem Kurator Felix Hoffmann, der diesen künstlerischen Schatz ordnete. Die eindrucksvollen Bilder sind noch bis zum 10. April  in der  Berliner C/O-Galerie zu sehen und in einem Buch  abgedruckt („Lore Krüger – ein Koffer voller Bilder“,  herausgegeben von C/O Berlin, Edition Braus, Berlin). Der liebevoll, mit Hochachtung vor dem Lebenswerk der Widerstandskämpferin gegen jegliche Form von Unterdrückung gestaltete Band enthält Texte von  Felix Hoffmann, Katharina Sykora, Cornelia Bästlein und Irja Krätke auf Deutsch und Englisch: Das bewegte Leben und das  fantastische fotografische Wirken der couragierten Frau werden darin beschrieben.

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Paris, 1935

Sie musste mit ihrer Familie nach der Machtergreifung der Nazis aus Magdeburg fliehen: Ihre Stationen waren unter anderem England, Spanien, Frankreich und die USA. Viele ihrer Aufnahmen während dieser Zeit zeigen Straßenszenen, Bettler, Ausgestoßene, Hungernde, Außenseiter, Sinti und Roma. Sie wurde mit dem Schrecken der Kriege konfrontiert, nicht nur  in Deutschland, beispielsweise auch in Spanien. Es gibt allerdings noch eine andere Seite  ihrer künstlerischen Arbeit: Fotoaufnahmen im Stil der Dadaismus-Bewegung. Sie war eben äußerst vielseitig.

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Gitanes, Junge mit Blechkrug, 1936

Die mutige, unerschrockene gebürtige Lore Heinemann, die 1942 den deutschen Gewerkschafter Ernst Krüger heiratete, kehrte nach ihrer Odyssee durch mehrere Kontinente, nach Emigration, Konzentrationslager, nach Erniedrigungen und Verfolgungen nach Deutschland zurück, lebte in  Ostberlin, musste aber aufgrund einer Erkrankung den Beruf der Fotografin aufgeben. Nun begann ihre weitere Laufbahn als Übersetzerin. Noch in hohem Alter  war es ihr ein Anliegen, junge Menschen vor den Gefahren von Gewaltregimes zu warnen, redete mit Schulklassen über den Nationalsozialismus. Die Ausstellung in Berlin und das Buch sind Verbeugungen vor ihrem Lebenswerk.

„Lore Krüger: Ein Koffer voller Bilder – Fotografien 1934 – 1944“, Herausgegeben vom C/O Berlin, Hardcover, Format: 22 x 21 cm
168 Seiten, etwa 80 Abbildungen in Duotone, € (D) 29,95 / € (A) 30,80 / CHF 40,90,  ISBN 978-3-86228-104-6

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