Flugplatzfest

Umdenken ist in Lützellinden angesagt

von Ursula Wöll

In Lützellinden, einem südlichen Stadtteil von Giessen, existiert ein kleiner Flugplatz. Betrieben wird er vom Aeroclub Lützellinden (ACL). Dieser Motorflugverein feiert sein 50jähriges Jubiläum mit einem Flugplatzfest am 12. August. 53000 Landungen und 50000 Flugstunden sind die bisherige Bilanz. Ich frage mich, wieviel Flugbenzin, also Kerosin dabei in die Luft geblasen wurde. Jetzt, nachdem der Klimawandel auch bei uns spürbar ist, sollte sich der Motorflugverein ACL in einen Segelflugverein umwandeln. Und die Regierung sollte das bislang steuerfreie Flugbenzin endlich besteuern.

Umweltschädliche Subvention

Die Befreiung des Kerosins von der Steuer gilt für so gut wie alle europäischen Länder. Das Umweltbundesamt spricht von einer umweltschädlichen Subvention des Fliegens. Es hat errechnet, dass dadurch für das Jahr 2012 allein dem deutschen Fiskus über 7 Milliarden Euro durch die Lappen gingen. Auch der VCD fordert eine Kerosinsteuer, schon weil dadurch die Wettbewerbsverzerrung aufgehoben würde. Selbstverständlich fordern alle Umweltverbände wie Greenpeace oder BUND ebenfalls, endlich den Flugtreibstoff zu besteuern.

Das würde natürlich bedeuten, dass auch die Ferienreisen in die Ferne teurer würden. Eine Reihe meiner Bekannten ist wieder per Flugzeug in die Ferien geflogen, eine sogar zum zweiten Mal nach Spitzbergen. Dort konnte sie feststellen, wie stark das Polareis innerhalb der 8 Jahre zwischen ihren beiden Reisen zurückgegangen ist. Aber dass sie mit ihrer kombinierten Flug/Schiffsreise dazu beiträgt, verdrängt sie einfach. „Unser Schiff war ein ganz kleines, keine AIDA.“ Ein anderer war in den Alpen und hat dort das Abschmelzen der Gletscher mitbekommen. Er hat sogar Fotos gesehen, die von derselben Stelle aufgenommen sind und das Verschwinden der Gletscher in den letzten Jahren dokumentieren. Das nächstemal will er von Hamburg mit der Bahn und nicht mehr mit dem Flieger anreisen.

Lieber weiter wie gehabt

Karte: Wikipedia

Das Verdrängen scheint desto besser zu funktionieren, je stärker sich der Klimawandel bemerkbar macht. Warum würden sonst die Autos auf unseren Straßen immer größer? Der SUV-Fahrer ist sicher ein guter Vater. Dass wir aber den Kindern von heute eine Welt hinterlassen, die ihnen das Existieren mühsam machen wird, verdrängen wir gern. Ich schließe mich da nicht aus. Zwar bewahrt mich meine Flugangst weitgehend vor dieser Umweltsünde, so dass ich nur einmal für eine Recherche in den USA war. Doch obwohl ich weiß, wie das Schlachtvieh in seinem kurzen Leben gequält wird, kaufe ich solches Fleisch. Ich versuche zwar, öfter nach meinem Wissen zu handeln, kaufe dann aber doch wieder um die Ecke, weil es einfacher ist und billiger obendrein.

Eine besondere Art von Verdrängung erlebt man beim Radio hören. Hat eine Sendung dankenswerterweise den Klimawandel erklärt, so feiert die nächste Sendung den Motorsport in Form von Autorennen. Bereits jedes Kind weiß, dass Sebastian Vettel ein Rennfahrer ist. Als „Sport“ wird immer noch diese Autoraserei bezeichnet.

Es gibt noch viele Beispiele, dass angesichts eines uns auf den Leib rückenden Klimawandels alles weiter wie gehabt läuft. Manche beruhigen sich mit dem Irrglauben, neue Techniken würden es schon richten. Aber nicht alles ist machbar, und das erwärmte Meer mit seinem ansteigenden Spiegel können wir nicht schnell mal wieder abkühlen, wenn es nächsten Sommer ebenso trocken wird, hier in Europa.

Liebe LeserInnen, Sie haben es bereits raus, dass ich Ihnen nicht zum Besuch des Flugtages am 12. August raten werde. Aber ich bin keine Spielverderberin. Der Flugplatz Lützellinden liegt auf einer Anhöhe, von der man weit in die Ferne blicken kann. Also Spazierengehen und kein Rundflug, so heißt meine Devise. Zumal Lützellinden seinen dörflichen Charakter bewahrt hat und wunderschöne alte Hoftore erhalten sind. Sie können sich dafür vielleicht ein Schild malen und das umhängen: „Segelfliegen ist umweltfreundlicher!“

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