Fledermäuse

Neues Quartier  in altem Bunker

Von Corinna Willführ

Zum Eingang des Bunkers führt kein Weg. Aber den brauchen Fledermäuse ja auch nicht..

Mehr als 300 Kilogramm Sperrmüll haben Mitglieder der NABU-Ortsgruppe Hirzenhain (Wetteraukreis) aus einem ehemaligen Bunker auf dem Gelände der Buderus Guss entsorgt.  Der unterirdische Gewölbegang soll  ein Winterquartier für Fledermäuse werden.  Die fliegenden Säuger sind streng geschützt. 17 der in Deutschland vorkommenden Arten stehen auf der Roten Liste.

Geschützter Raum zur Überwinterung

Zu dem ehemaligen Bunker am Rande des Betriebsgeländes der Buderus Guss in Hirzenhain führt kein Pfad. Das hat Umweltfrevler nicht abgehalten, in dem unterirdischen Gang Abfall abzuladen. Mehr als 300 Kilogramm Sperrmüll haben Mitglieder des NABU Hirzenhain aus dem  Gewölbe geborgen und entsorgt. Denn die NABU Ortsgruppe will dort Fledermäusen ein sicheres Winterquartier ermöglichen. Fledermäuse sind nach der Fauna-und-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union streng geschützt. 17 der in Deutschland vorkommenden Arten stehen auf der Roten Liste.

Jürgen Faust ist als NABU-Vorsitzender in Hirzenhain für Mensch und Natur im Einsatz

Jürgen Faust, Vorsitzender des NABU Hirzenhain , kann sich nicht vorstellen, was Menschen dazu bringt, Kühlschränke, Kindersitze und jede Menge Schrott einfach gedankenlos irgendwo zu entsorgen. Das „Irgendwo“ ist in diesem Fall der Bunker am Rande der Gemeinde Hirzenhain. Rund 25 Meter lang und etwa 1,80 Meter im Durchmesser breit ist die gemauerte Röhre.  Aus ihr haben Faust, seine Stellvertreterin Michaela Feigl  und der Ehrenvorsitzende der Ortsgruppe, Günter Ruth, in stundenlanger Arbeit jetzt mehr als 300 Kilogramm Sperrmüll herausgeholt. Der Containerinhalt ist bereits fachmännisch entsorgt. Die Kosten dafür hat die Buderus Guss übernommen.

Über eine ungemähte Wiese geht es durch Brombeergestrüpp zu dem  letzten noch nicht verschlossenen dritten Eingang des Bunkers. Direkt über ihm wächst auf den Betonmauern  eine beeindruckende Saalweide. Kurz dahinter fließt die Nidder. Jürgen Faust: „Wir wollen den dritten Eingang so vergittern, dass er nur noch Löcher in der Größe von maximal vier Zentimetern Durchmesser aufweist.“ Der Grund: So soll Waschbär und Fuchs oder auch Iltis und Marder, den Feinden der unter Schutz stehenden Fledermausarten, der Zugang zu dem Winterquartier der fliegenden Säugetiere verwehrt werden.

Sicher vor Iltis und Waschbär

Während Zwergfledermaus oder Großes Mausohr in den Sommermonaten nächtens noch Unterschlupf in Baumhöhlen und Mauern finden, ist das Überleben der Tiere in den Kältemonaten stark gefährdet. Bereits im August suchen die Microchiroptera nach Quartieren. „Diese müssen frostfrei sein“, erklärt Faust. Denn Fledermäuse fahren ihre Körpertemperatur stark zurück, kommen in ihrer Winterruhe gerade einmal auf zwei Herzschläge pro Minute.

Die aus dicken Mauern bestehende „Röhre“ wäre also ideal. Davon war der gelernte Gärtner überzeugt, als er die Idee Adam Strecker von der AG Fledermaus-Schutz Hessen vortrug. In dem Experten für die nächtlichen Flieger fand er denn auch einen Unterstützer. Und unerwarteter Weise  auch im Eigner des Geländes, der Buderus Guss. So freut sich der NABU Hirzenhain, dass das Unternehmen kein Schild „Betreten des Geländes verboten“ aufgestellt, sondern sogar die Kosten für die Abfuhr des Sperrmülls übernommen hat.

Noch einmal wollen die NABU-Mitglieder mit Adam Strecker den unterirdischen Gang begutachten, die Luftschlitze kontrollieren, das geeignete Gitter anbringen. Danach soll er Überlebensraum für die immer seltener werdenden Tiere werden – und nicht eine versteckte Müllhalde für Umweltfrevler.

Wenn die Gitter als Schutz vor Iltis und Waschbär den Bunker-Eingang verschließen, wird auch Jürgen Faust dort keinen Zugang mehr haben.  Übrigens ist auch das größte bekannte Winterquartier für Fledermäuse in einem Bunker. Allerdings 50 Meter unter der Erde im Bunkersystem des Ostwalls im Zweiten Weltkrieg, in der Nähe des westpolnischen Nietoperek. Dort überwintern jährlich rund 30.000 der fliegenden Säuger. (Fotos: Corinna Willführ)

 

 

 

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