Fidelio in Friedberg

Oper im Alten Hallenbadserveimage

Von Klaus Nissen

Profis und Laien inszenieren an vier Abenden „Fidelio“ von Ludwig van Beethoven. Los geht es am 1. Oktober 2016. So eine selbstorganisierte „Stadtoper“ gibt es fast nirgendwo sonst in Deutschland.

Fidelio in Friedberg

Wo ein selbstorganisiertes Kulturzentrum ist, kann auch eine selbst organisierte Oper stattfinden. Im Alten Hallenbad an der Friedberger Haagstraße hat am 1. Oktober um 19.30 Uhr „Fidelio“ Premiere – die einzige Oper Ludwig van Beethovens. Das mehr als 40-köpfige Ensemble erzählt die Geschichte der mutigen Eleonore. Sie verkleidet sich als Mann und verdingt sich als Bursche Fidelio beim Kerkermeister Rocco, um ihren unschuldigen Gatten Florestan zu befreien. Dabei verliebt sich des Kerkermeisters Tochter Marzelline in Fidelio. Es gibt weitere Verwicklungen. Um Haaresbreite gelingt es Fidelio schließlich, den Gatten aus dem Gefängnis zu holen.

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Daniel Görlich gibt am Flügel den Ton vor, Wenn auf der Bühne der Chor der Gefangenen singt. Foto: Nissen

Die in Bad Nauheim lebende Sopranistin Cornelia Haslbauer hat das musikalische Großprojekt angestoßen. Aus vielen verschiedenen Chören der Region kamen 30 Frauen und neun Männer zusammen. Etliche von ihnen holte Daniel Görlich auf die Bühne des Alten Hallenbades. „Ohne ihn wäre das Ganze nicht möglich gewesen“, sagt Cornelia Haslbauer. Der junge Mann leitet mehrere Chöre und ist auch musikalischer Leiter dieses Projekts. Seit März wird an jedem Dienstag intensiv geprobt. „Es bringt mir unheimlich viel“, sagt der Chorsänger Peter Muth. Zuvor habe er nie etwas mit Oper im Sinn gehabt; er singt sonst in einer eigenen Band und im Chor „Hingehört“.  Etliche Laiensänger bekamen individuelle Stimmbildungen. Und in der Oper für 2017 sollen die Mitwirkenden auch Schauspielunterricht bekommen.

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Veronica Brendel gibt Regieanweisungen. Normalerweise inszeniert sie im Frankfurter Gallus-Theater. Foto: Nissen

Als Gesangssolisten holte Haslbauer professionelle Opernsängerinnen und –Sänger nach Friedberg. Sie selbst singt die Eleonore und den Fidelio. Zehn Profi-Musiker ließen sich von ihr überzeugen, für wenig Geld an vier Abenden in Friedberg das Opernorchester „Klangbad“ zu bilden. Als Dirigent fungiert der Hamburger Klaus Dieter Jung. Veronica Brendel, die sonst die Frankfurter Theatercompagnie „Tagträumer“ leitet, führt Regie. Sie verlegt die Kerkergeschichte in ein modernes Gefängnis. Der Chor tritt in Trainingsanzügen auf, wie sie auch die Strafgefangenen im nahen Butzbach tragen. Die Musik freilich ist original Beethoven. Die Schauspielerin Uta Eckert wird dem Publikum die einzelnen Szenen des Zweiakters aus dem Jahre 1805 erklären.

Dass sich ein großes Ensemble selbst zusammenfindet und weitgehend unbezahlt anspruchsvolle Werke inszeniert, gibt es bundesweit fast nirgends. Nur in Soest in Westfalen gebe es eine vergleichbare „Stadtoper“, so Cornelia Haslbauer. Im Friedberger Hallenbad organisierte sie seit 2013 drei Opern, zuletzt „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck. Auf Dauer wird die Friedberger Stadtoper aber wohl nur bestehen, wenn sich die Stadt, Organisationen und Unternehmen finanziell engagieren. „Wir brauchen Sponsoren“, sagt die Opern-Gründerin. Denn mit 25 Euro Eintritt je Zuhörer für insgesamt vier Aufführungen könne man nicht kostendeckend arbeiten.

Fidelio von Ludwig van Beethoven hat Premiere am Samstag, 1. Oktober im Alten Hallenbad an der Haagstraße 29 in Friedberg. Weitere Aufführungen beginnen am 3., 14. und 16. Oktober jeweils um 19.30 Uhr. Karten gibt es im Vorverkauf ab 25 Euro unter anderem in der Buchhandlung Bindernagel an der Kaiserstraße und im „Ulenspiegel“ an der Wolfengasse. 

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