Euthanasie

Gedenken an die Opfer

An den Tod der in Brandenburg und Hadamar (Landkreis Limburg-Weilburg) vom Oktober 1940 bis Mai 1941 ermordeten Patientinnen und Patienten wird am 1. September 2017 in der Kapelle der Vitos-Klinik (Foto) für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik Gießen erinnert. In Hadamar sind rund 15000 Menschen, die von den Nazis als „unwertes Leben“ eingestuft worden waren,  durch Gas oder Injektionen getötet worden.

Raum der Stille

Dany Bober

Zu dem Gedenken laden ein: die Vitos Gießen-Marburg gemeinnützige GmbH und der Oberhessische Geschichtsverein, der das Engagement des „Fördervereins Psychiatriemuseum/Gedenkausstellung Gießen“ unterstützt. Ansprachen werden unter anderem von Herwig Groß, der Leiter der Psychiatrischen Tagesklinik der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Gießen ist, gehalten. An diesem Abend wird in der Klinik auch ein Raum der Stille eingeweiht, der ein überkonfessioneller Ort der Einkehr und des Gebets sein wird. Für die musikalische Gestaltung der Mahnfeier wurde Dany Bober (Wiesbaden) gewonnen, der 1948 in Israel geboren wurde, wohin seine Eltern vor den NS-Verfolgungen geflogen sind. Die Familie kehrte 1956 nach Deutschland (nach Frankfurt/Main) zurück. Dany Bober, der über Deutschland hinaus bekannt und geschätzt ist, interpretiert vornehmlich jüdische Lieder.

Der Euthanasieerlass

Das Ermächtigungsschreiben Hitlers vom 1. September 1939, das Töten von Menschen mit Behinderung rechtfertigte. Die Opfer wurden als „unheilbar“ eingestuft.

In der Ankündigung der Veranstalter wird der historische Anlass des Gedenkens erläutert: Der von Hitler im Oktober 1939 unterschriebene und auf den Beginn des Zweiten Weltkriegs zurückdatierte ,,Euthanasieerlass“ sollte signalisieren, dass Krieg gegen „äußere“ aber auch „innere“ Feinde geführt wird. Dies hat hunderttausenden von psychisch kranken Menschen in Deutschland und in den überfallenen Gebieten im Verlauf des Krieges das Leben gekostet. Sie wurden als rassisch, genetisch, gesellschaftlich und „wirtschaftlich“ unerwünscht eingestuft. Aus der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt und der Provinzial-Siechenanstalt, beide in der Licher Straße in Gießen gelegen, wurden 388 „Schutzbefohlene“ im Rahmen des „Euthanasieprogramms“ umgebracht. Damit begann die Verfolgung und Vernichtung aller, die das Naziregime ausschalten wollte.

Garage der Busse, mit denen Menschen in die Tötungsanstalt in Hadamar gebracht wurden. Heute Teil der Gedenkstätte.

In der Vorankündigung heißt es weiter: „In diesem Jahr wollen wir uns besonders an die jüdischen Patientinnen und Patienten erinnern: Sie waren doppelter Verfolgung ausgesetzt: als Juden und aufgrund ihrer Erkrankungen und Behinderungen.“ Auf Erlass des Reichsministers des Inneren vom August 1940 wurden aus dem gesamten mitteldeutschen Raum jüdische Patienten in eine eigens eingerichtete „Sammelanstalt“ in der Licher Straße in Gießen eingewiesen und zehn Tage später in der Mordanstalt Brandenburg umgebracht.
Soweit die Vorankündigung der Vitos Gießen-Marburg und des Oberhessische Geschichtsvereins zu dem Gedenken: Es soll dazu beitragen, dass die Opfer des Verbrechen der Nationalsozialisten auch im Raum Mittelhessen nicht unvergessen bleiben.

Die Gedenkveranstaltung für die Euthanasieopfer ist am 1. September 2017 in der Kapelle der Vitos-Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik Gießen, Licher Straße 106, ab   ab 19 Uhr.

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