Energieeffizienz

Gesucht: Firmen, die Energie sparen wollen

Von Klaus Nissen

Jobtickets für die Mitarbeiter, geringere Kosten für Strom und Heizung, ein positives Image dank einer niedrigen C02-Bilanz – all das will die Mittelhessische Energiegenossenschaft (MiEG) den Wetterauer Firmen bescheren. Doch dafür braucht sie mindestens zehn Unternehmen, die sich auf ein Energieeffizienz-Netzwerk einlassen.

Energieeffizienz

Klimaschutz kann Geld bringen – davon ist Ellen Enslin überzeugt. Die Bevollmächtigte der MiEG will das beweisen. Dazu ruft sie in diesen Tagen Firmenchefs an: Sie mögen doch bitte beim ersten Wetterauer Energieeffizienz-Netzwerk mitmachen. Beim – was? Das ist erklärungsbedürftig.

Ellen Enslin war früher Grünen-Landtagsabgeordnete. Jetzt ermuntert sie Firmenchefs zu energiesparendem Arbeiten. Foto: Gerd Seidel (Wikipedia)

Die Frankfurter haben so etwas schon. Es gibt dort zum Beispiel das Netzwerk „Ökoprofit“. Auch in Nordhessen arbeiten Firmen gemeinsam daran, weniger und effizienter Energie zu verbrauchen. Nun will Enslin in der Wetterau so ein Netzwerk gründen.

Die gebürtige Norddeutsche vom Jahrgang 1960 ist selbst Unternehmerin. Ab 1998 gründete sie in Eschbach bei Usingen einen der ersten Internet-Shops überhaupt. Sie verkaufte über das Netz Tee. Von 2009 bis 2014 war Enslin kommunalpolitische Sprecherin in der Grünen-Landtagsfraktion und gründete danach die Unternehmensberatung „Ecofair Consultig“. Seit 2016 gehört Ellen Enslin auch zum Vorstand der Mittelhessischen Energiegenossenschaft. Das ist eine 530 Mitglieder starke Gruppe, die bislang 37 Photovoltaik-Anlagen auf die Dächer von Kindergärten, Schulen und Gemeinschaftshäusern gesetzt hat. Jetzt wollen die Energiegenossen auch Wetterauer Firmenchefs zeigen, wie man mit Nachhaltigkeit mehr Geld verdienen kann. Als Bündnispartner hat Enslin die Wirtschaftsförderung aus Friedberg ins Boot geholt – ein Unternehmen, das gemeinsam vom Kreis und der Industrie- und Handelskammer getragen wird.

Die Mittelhessische Energiegenossenschaft sucht intensiv Wege, wie man in Zukunft ohne Ressourcenverlust Energie nutzen kann. Im Juli 2016 besuchten Mitglieder deshalb den Mainzer Energiepark, in dem überschüssiger Windstrom zu Wasserstoff wird. Nun probieren die Energiegenossen Firmen-Arbeitskreises aus, in denen man gemeinsam den Energieverbrauch verringert. Foto: Nissen

Mindestens zehn kleine oder mittlere Firmen brauche sie für das erste Netzwerk, sagt Ellen Enslin im Gespräch mit dem Kreis-Anzeiger. Je ein Energie-Verantwortlicher der Unternehmen könne in den auf drei Jahre angelegten Arbeitskreis kommen. Für ein Eintrittsgeld von tausend Euro für das erste Jahr bekomme jedes Unternehmen zunächst eine Software, mit der es seinen realen Energieverbrauch erfassen könne. Danach entwickelt man gemeinsam mit dem Moderator Ideen, wie man im Firmenalltag weniger Strom, Wasser oder Heizenergie verbrauchen könnte. Man bekomme auch Hinweise, welche Maßnahmen mit staatlichen Zuschüssen gefördert werden. „Das lohnt sich richtig“, verspricht Ellen Enslin. „Wir sind dann in einem Kreis von bis zu 15 Unternehmen und können zum Beispiel gemeinsam Energie einkaufen. Gemeinsam ist das viel günstiger.“ Machbar wäre auch, gemeinsam für einen günstigen Preis Jobtickets für die Mitarbeiter zu beschaffen. „Das kann man positiv öffentlich verkaufen“, meint Ellen Enslin. Denn gerade qualifizierte junge Mitarbeiter bevorzugten Arbeitgeber, die sich sozial und ökologisch engagieren.

Die Kosten können deutlich sinken

In Cent und Euro rechne sich so ein Energieeffizienz-Netzwerk ebenfalls. Beim Strom-Einkauf seien Kostensenkungen von bis zu 15 Prozent realistisch, bei der Heizwärme etwa acht Prozent. Das nütze nicht nur dem eigenen Geldbeutel und Image, sondern dem ganzen Planeten. „Jedes Unternehmen soll am Ende eine Kohlendioxidbilanz haben“, sagt Ellen Enslin.

Die Genossenschafts-Chefin und Unternehmerin räumt ein: Jetzt, am Anfang des Projekts, werde sie nicht gerade von Anfragen interessierter Firmenchefs überschüttetet. „Der Anfang ist das Schwierigste“, sagt Ellen Enslin.  Kein Firmenchef gebe gern fremden Leuten Einblick in den eigenen Arbeitsalltag. Deshalb müsse jedes Arbeitskreis-Mitglied eine Vertraulichkeits-Erklärung unterscheiben. Die Wetterauer Wirtschaftsförderer Bernd Uwe Domes und Klaus Karger werden laut Enslin nach der Sommerpause verstärkt Unternehmer ansprechen. Im Oktober soll es zwei Informationsabende geben. Mehr bei Ellen Enslin unter 06081/16209 oder auf der Webseite der Wirtschaftsförderung: www.wfg-wetterau.de

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