Elektroautos

Eine Scheinlösung

von Ursula Wöll

Das Auto mit Verbrennungsmotor verpestet die Atmosphäre mit Kohlendioxid und trägt wesentlich dazu bei, dass das Klima in naher Zukunft unumkehrbar kippen wird. Sogar die Autokonzerne leugnen das nicht mehr, doch setzen sie nach wie vor auf das Auto. Nun aber auf das batteriebetriebene. Wie um das Goldene Kalb wird momentan das Elektroauto als Lösung bejubelt. Das Buch „Mit dem Elektroauto in die Sackgasse – Warum E-Mobilität den Klimawandel beschleunigt“ stellt sich diesem Hype entgegen und entlarvt ihn als Scheinlösung. Der Autor Winfried Wolf verarbeitet darin aktuelle Daten einschließlich Januar 2019. Er ist Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat von attac und belegt alle seine Quellen penibel.(Foto: Werner Hillebrand-Hansen/Wikipedia)

Nicht genug sauberer Strom

Schon lange hatte ich mich gefragt, woher all der zusätzliche Strom aus erneuerbaren Energien herkommen soll, mit dem die Batterien der E-Autos an den Ladestationen oder der Steckdose in der Garage ‚aufgetankt‘ werden. Ich hatte richtig vermutet: Eine wachsende Zahl von Elektroautos macht es notwendig, jenseits der Grenzen „schmutzigen“ Strom hinzuzukaufen, der aus Kohle oder Atomkraft gewonnen wird. Denn noch im Jahr 2018 kam unser Strom zu 12 Prozent aus Kernkraft. Und das Ende des Steinkohlebergbaus 2018 bedeutet, dass diese jetzt massenhaft nach Deutschland importiert wird. Daher wächst die Strommenge aus erneuerbaren Energien nicht so rasant, dass sie auch für den wachsenden Bedarf von immer mehr E-Autos reichen würde. Die Stillegung unserer AKWs ist zu begrüßen und der Verzicht auf Kohle bis 2038 müsste viel früher erfolgen. Die Lücke wird aber auch dann kaum kompensiert, wenn die erneuerbaren Energien gesetzlich stärker verankert werden. Etwa durch die Vorschrift, neue Dächer mit Solar zu bedecken.   

Wenn Macron tönt, ab 2045 gar keine Verbrennungsmotoren mehr zuzulassen, so wählt er den falschen Weg zu diesem schönen Ziel: 75 Prozent des französischen Stroms kommen aus französischen AKWs, sogar das klapprige AKW Fessenheim soll nun noch mal 10 Jahre länger am Netz bleiben. 39 AKWs sind in Betrieb, 19 im Bau und 38 weitere geplant. Auch die große chinesische Elektro-Offensive ist nur möglich durch Stromerzeugung in AKWs und in großen Kohle-Kraftwerken. So wird zwar in Peking, Shanghai und anderen Großstädten die Luft sauberer, aber die Emissionen weitab werden die Erdatmosphäre weiter aufheizen.

Zahl der Autos nimmt weiter zu

Ein E-Auto wird wegen der geringen Reichweite oft als Zweitwagen gekauft, und zwar von gut situierten BürgerInnen, die sich durch ihr E-Auto als ökobewusst ausweisen wollen.  So wird die Zahl der Autos weiter wachsen. Auch hierzulande und nicht nur in den kaum motorisierten Ländern. Was 1908 als Segen erschien – jedem seine Ford Tin Lizzie, seine durch Fließbänder billige Blechliesel, hat sich zum Fluch verwandelt. Die Urbanität unserer Städte geht bald endgültig den Bach runter. Ihr liebenswürdiges Flair wird schon heute durch eine Blechlawine erstickt. Die Staus nehmen weiter zu, das Ausweichen auf Drohnen versaut den Himmel. Hirsche müssen auf grünen Brücken über die Autobahn wechseln. Fazit: Das Auto als Beförderungsmittel muss in Gänze ad acta gelegt werden.

Rohstoffverbrauch für Fahrzeug und Batterie

Der Verbrauch an Rohstoffen, aus denen Fahrzeug und Batterie bestehen, ist enorm, zumal die Größe der Vehikel immer mehr zunimmt. Zu nennen wären vor allem Kupfer, Lithium und Seltene Erden, die nur mit einem enormen Energie-, Wasser- und Chemikalienaufwand gewonnen werden. Aber das geschieht außerhalb unseres Blickwinkels, etwa in Südamerika, den Philipinen oder dem Kongo und zerstört die Lebensbedingungen der dortigen Einwohner, die sich selbst kein Auto leisten können. Um etwa eine Tonne Lithium zu gewinnen, müssen 1,9 Millionen Liter Wasser eingesetzt werden. Alle diese Rohstoffe sind überdies nur in endlicher Menge vorhanden. Doch enthält ein E-Auto viermal soviel Kupfer wie ein herkömmliches, nämlich bis zu 80 Kilogramm.

Weg vom Auto

Die Politik muss der Autoindustrie die Stirn bieten, um eine umfassende Verkehrswende einzuleiten. Das meint: Weg vom Auto und hin zum Rad, zur Schiene und zum ÖPNV. Zunächst sollten leichter durchsetzbare Kürzungen der Emissionen durchgesetzt werden. Durch ein Tempo-Limit bei 120 Stundenkilometern ließen sich laut Verkehrsclub VCD jährlich drei Millionen Tonnen Kohlendioxid einsparen. Der ÖPNV sollte billiger oder kostenlos werden. Radwege sollten mehr Raum erhalten. Auto-Werbung, die immer größere und schnellere Autos anpreist, sollte untersagt werden. Die gute alte Straßenbahn sollte reanimiert werden, ebenso der Trolleybus. Er bezieht ebenfalls Strom aus der Oberleitung, braucht aber keinen Schienenbau und hat sich etwa in Zürich gut bewährt. Der Eisenbahnverkehr sollte gänzlich elektrifiziert und breit ausgebaut werden. Alle öffentlichen Verkehrsträger sollten in sehr kurzen Abständen fahren. Natürlich bedeutet die Mobilität ohne Auto eine kleine Entschleunigung unseres Alltags, zumindest, wenn man die sich häufenden Staus außer Acht lässt. Nun, auch Entschleunigung zähle ich zu den positiven Effekten. „Der Ausstieg aus dem Autowahn und die Umsetzung einer Verkehrswende-Politik ist … ein Win-Win-Projekt“, so lautet Winfried Wolfs letzter Satz im Buch. Und so sieht es auch die Bewegung ‚Fridays for Future‘, die im Jahr 2080 erst um die 60 sein wird.

Winfried Wolf, Mit dem Elektroauto in die Sackgasse – Warum E-Mobilität den Klimawandel beschleunigt, Promedia-Verlag 2019, Euro 17,90

3 Gedanken zu „Elektroautos“

  1. Wie gut, dass Herr Wolf so kompetent ist und die Quellen akribisch belegt. Quellenangaben sind übrigens Grundlage einer jeden Bachelor oder Masterthesis. Dennoch sagen Quellen nichts über das aus, was vermittelt wird, bzw. werden soll. Als Hintergrund sollte man vielleicht wissen, dass Hr. Wolf Sprecher der Initiative Bürgerbahn statt Börsenbahn sowie Sprecher des Bündnisses Bahn für Alle ist. Und dass seine politische Orientierung „Die Linke“ ist.

    Zum Thema selbst befürworte auch ich einen ordentlich ausgebauten und zuverlässig funktionierenden ÖPNV.

    Das Auto oder allgemeiner gesprochen Kraftfahrzeuge lassen sich aus den heutigen Leben jedoch nicht wegdenken. Wenn nicht Personen von A nach B müssen, dann zumindest Waren.
    Ergo sollte sich die Gesellschaft um zwei Bereiche kümmern: a) verbesserter ÖPNV b) Individualverkehr

    Beim Thema Individualverkehr verteufelt der Author eigentlich alles. Die bestehenden Verbrenner, die Elektromobilität, die Geschwindigkeit, bzw. das nicht vorhandene Tempolimit, die Produzenten, die Politik, die Größe der Fahrzeuge, etc. Objektiv geht anders…

    Bzgl. Strom tut der Author so, als würde der Strom für E-Mobilität nicht langen und müsste aus zweifelhaften ausländischen Stromproduktionen eingekauft werden. Diese Meinung teilen nicht alle (ich auch nicht)! Ich spare mir jetzt aufwändige Darstellungen und verweise auf den Artikel (nebst Kommentaren) unter “ https://www.energiezukunft.eu/mobilitaet/es-gibt-genug-strom-fuer-alle-elektroautos/
    Zusammengefasst:
    – 18 Mio E-Autos machen (bei heutiger Technik) ca. 6,5% der Gesamtstromproduktion in Deutschland aus
    – Auch Herstellung und Transport fossiler Brennstoffe benötigt Strom – welchen man wieder spart.
    – Bis 18 Mio E-Autos in Deutschland zugelassen sind, wird es noch einige Jahre dauern
    – Die Technik steht nicht still. Verbesserungen (niedrigerer Stromverbrauch, effizientere Produktion) sind zu erwarten

    Strombilanzen im Vergleich:
    Bei der Strombilanz eines Stromers im Vergleich zu einem Verbrenner muss man auch in Ansatz bringen, dass die Elektromotoren wesentlich kleiner sind und weniger Energie bei der Herstellung bedürfen. Diese Ersparnis mag durchaus durch die Batterie aufgezehrt werden. Es gibt nach meinem Kenntnisstand aber noch keine verlässlichen Studien über den End-to-End Energiebedarf eines Stromers im Vergleich zu einem Verbrenner. Die oft gezeigten Statistiken „Ab wann rechnet sich ein Stromer“ sind oft nicht durchdacht und decken nicht den kompletten Energiebedarf eines Fahrzeugs in Herstellung und Einsatz ab. So wird oft lediglich die benötigte Energie der Batterieproduktion der Laufleistung entgegen gesetzt. Dass aber auch Strom für die Förderung, Herstellung, Transport und den Absatz von fossilen Kraftstoffen benötigt wird, wird völlig ausser Acht gelassen.

    Lithium, Kobald & Co.:
    – Die Hersteller von Akkumulatoren haben in den vergangenen Jahren den Bedarf stark reduziert. Man kann davon ausgehen, dass er weiter reduziert wird. Stelle ich die Produktion von Lithium, Kobald & Co. in Frage muss ich eigentlich alles technische in Frage stellen. Was für Stoffe sind in unseren Smartphones, TV-Geräten, Computern, der Akkubohrmaschine etc.? Und wo kommen sie her? (Anmerkung: Besonders lustig finde ich die Frage, wenn man sie einem iPhone Nutzer stellt).

    E-Mobiliät:
    Ich möchte die E-Mobilität nicht vergöttern. Nach heutigen Stand der Dinge hat auch die klassische (verbrennungsbasierte) Mobilität ihren Sinn. Man sollte Dinge dort einsetzen, wo es Sinn macht und nicht, weil es einem gerade dogmatisch in den Kram passt…
    Für Langstreckenfahrer (>400km / Tag) macht derzeit ein Otto/Diesel Fahrzeug durchaus Sinn. Bei weniger km/Tag kann ein Stromer sinnvoll sein.

    Oberleitungen:
    Den Einsatz von Oberleitungen für Busse, wie z.B. in Zürich, halte ich auch nicht für ein Optimum. Immerhin müssen die produziert, montiert und gewartet werden. Kostet auch Ressourcen… Und wie ist da der elektrische Verlust? Größer oder kleiner, als beim Akku? Warum nicht mit alternativen Energien (Wasserstoff, Stromspeicher, o.ä.) betreiben und an definierten Punkten befüllen, bzw. laden?

    Herausforderungen:
    – Stromproduktion. Windkraft wird völlig überbewertet, da die Gesamtenergiebilanz gar nicht so gut ist, die Generatoren nur durch Einsatz von Neodym (Abbau primär in China, nicht umweltfreundlich) richtig wirkungsvoll werden. Die Entwicklung, bzw. kommerzielle Nutzung anderer Stromproduktionen müsste stärker beforscht werden. Was ist mit schwimmenden Turbinen auf Flüssen, mit dem Erhöhen der Wirkungsgrade bei Photovoltaik, was mit Blockheizkraftwerken für das Eigenheim?
    – Stromspeicherung. Hier sollte am stärksten geforscht werden! Wie speichert man Strom vernünftig und ohne große Verluste? Produktion ist das Eine… Strom muss aber quasi sofort verbraucht werden. Wie kann man das durch Zwischenspeicherung optimieren?
    – Dezentrale Energieproduktion. Hier müssten die Netze angepasst werden, aber die Stromkonzerne wollen nichts investieren
    – Arbeit. Arbeiter und Arbeitnehmer müssen zur Arbeit. Heimarbeit wäre eine Alternative für manche. Für andere steht und fällt der soziale Stand mit dem Verkehr. Komme ich nicht zur Arbeit, habe ich schnell keinen Job mehr. Hier kann nicht mit Ideologien vorgegangen werden, sondern mit Sinn und Verstand!
    – Preis. Gekauft wird nur, was man sich leisten kann! Und günstige Preise gibt es per se nur Subvention oder durch Wettbewerb. Subventionen wollen wir nicht – oder?

    Dies nur als Anregung hinter die vielen Aussagen zu schauen, die jeden Tag so getätigt werden… Ich für meinen Teil kenne die Wahrheit ganz genau! Und die lautet: Es gibt keine! Für jeden Zweck kann die Lösung anders aussehen. Und man weiß nicht, was die Zukunft bringt. Die Wahrheit ist auch: Wir müssen verantwortungsvoll mit unserer Zukunft umgehen, aber ohne die Zukunft des Einzelnen durch ideologisch getriebenen Vorstellungen zu zerstören.

  2. „Fazit: Das Auto als Beförderungsmittel muss in Gänze ad acta gelegt werden.“

    Das ist die realitätsferne, elitäre Sicht eines linken Stadtbewohners – in unzähligen ländlichen Regionen wird man über solche Ideen nur den Kopf schütteln. Dort ist das Auto unverzichtbar….

    1. Unter der Prämisse, dass es einen adäquaten und bezahlbaren Ersatz des Individualverkehrs gäbe, würde ich dem Autor ja zustimmen. Nur den gibt es (derzeit) nicht. Entsprechend teile ich Ihre Ansicht Herr P.

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