Kommunen innovativ

Projekte „Dorf und Du“ ausgezeichnet

Von Corinna Willführ

Per Online-Voting sind drei Projekte im Wettbewerb „Dorf und Du“ ganz nach vorne gekommen und ausgezeichnet worden. Doch auch die anderen zwölf eingereichten Vorschläge von mehr als 220 Aktiven zeigen: Es tut sich viel, um die ländliche Region zukunftsfähig zu machen. Konkret: die Leader-Region Wetterau/Oberhessen mit ihren 17 Kommunen. Drei von ihnen hat das vom Bund geförderte Projekt „Kommunen innovativ“ als Modellregion im Fokus: Nidda, Ortenberg und Butzbach.

Gegen drohende Verödung

Bis 2020 können sie von 580.000 Euro Fördermitteln profitieren. Ein Projekt, das wissenschaftlich von der Uni Gießen untersucht, von der Wirtschafsförderung Wetterau inititiiert wurde und weiterhin begleitet wird – und zunehmend von der Bevölkerung als wichtige Initiative gegen eine drohende Verödung im Leben (kein Bäcker, kein Metzger mehr vor Ort – weite Wege zum nächsten Ort, abgehängt vom ÖPNV) der ländlichen Region gesehen wird. Wie vor kurzem das große Interesse an der jüngsten Veranstaltung zu „Kommunen innovativ“ mit mehr als 150 Teilnehmern in Ortenberg zeigte.

Drei ausgezeichnete Backhaus-Projekte

Aus einer Stammtisch-Aktion der Stirwelser Tafelrunde, einem Verein im Niddaer-Stadteil Stornfels, entstand die Idee, ein neues Backhaus zu bauen. Im Limeshainer Ortsteil Himbach war es die Initiative von Renate Schmidt und vielen Ehrenamtlichen eine Straußenwirtschaft – auch an einem Backhaus, einzurichten. Und auch das dritte Projekt, das per Online-Voting im Wettbewerb „Dorf und Du“ ausgezeichnet wurde, ist ein Backhaus: und zwar jenes in Gelnhaar, das von der Freiwilligen Feuerweht des Ortenberger Stadtteils instand gesetzt und mit neuem Leben erfüllt werden konnte.

Projektleiter Otfried Herling überreicht Renate Schmidt für die Straußenwirtschaft am Backhaus Limeshain-Himbach eine Siegerurkunde für die Teilnahme am Wettbewerb „Dorf und Du“. Mit ihr freuen sich Ortenbergs Bürgermeisterin Ulrike Pfeiffer-Pantring und Niddas Bürgermeister Hans-Peter Seum (von links). Foto: Corinna Willführ

Wie es zu der Auszeichnung kam: Durch ein Online-Voting. Das wiederum ermöglichte das Forschungsprojekt „Kommunen innovativ“. Bundesweit konnten sich die Kommunen Ortenberg, Nidda und Butzbach unter rund 180 Mitbewerbern für dieses qualifizieren. Bis 2020 stehen den drei Modellkommunen rund 580.000 Euro Fördermittel zur Verfügung, um die Ortsinnenentwicklung im ländlichen Raum zu beobachten, einzuordnen und insbesondere angesichts des demographischen Wandels und der Abwanderung aus ländlichen Regionen zukunftsfähig zu machen.

Leerstand in Problemimmobilien nimmt zu

So unterschiedlich die drei Kommunen sind: Sie eint eine Vielzahl von Ortsteilen, in denen zunehmend Leerstand in Gebäuden ausgemacht werden kann. Wenn auch nicht in jedem Fall unmittelbar, doch wenn man die Ermittlungen des Amtes für Bodenmanagement in Büdingen für die Zukunft zugrunde liegt: Ein wichtiger Punkt: Wie sieht es mit Leerständen in den Gemeinden aus. Wie werden sich diese entwickeln? Im Amt für Bodenmanagement in Büdingen hat dessen Leiter Dr. Andreas Schweitzer bereits mit seinem Team für alle 17 Leader-Kommunen nach Daten aus dem Liegenschafts- und dem Einwohnermeldeamt den aktuellen Stand an Häusern, „in denen niemand gemeldet ist“, ermittelt. Ebenso die Potenziale, die sich innerorts durch eine Neuordnung von Grundstücksflächen ergeben könnten. Wie beispielsweise im Butzbacher Stadtteil Hoch-Weisel. Dort könnten, so der Stadtplaner und Architekt Rainer Tropp, zwei nebeneinander stehende Hofreiten in der Ortsdurchfahrt, sogenannte Problemimmobilien, zu einer Gebäudeeinheit unter anderem mit barrierefreien Kleinwohnungen im Erdgeschoss und Gemeinschaftsräumen in den einstigen Scheunen umgebaut werden. Wie wichtig den Bürgern dort auch die Durchgangsstraße als Aufenthaltsort ist, konnte Kerstin Quaisier vom Bauamt mit den ersten Ergebnissen aus einer Bürgerwerkstatt in dem Butzbacher Stadtteil belegen. Untermauert wurden diese noch von Melanie Geier, Dozentin an der Uni Gießen. Von 408 befragten Haushalten (in den drei Modellkommunen) gaben 81 Prozent an, dass die Ortsdurchfahrt ihre Kommune präge. 73 Prozent der Interviewten erlebten dabei „bewusst bauliche Missstände“.

Die Menschen abholen, wo sie sind

Für Klaus Karger, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Wetterau Indizien, wie wichtig es ist, „die Ortsinnenentwicklung als Daueraufgabe in der Region zu etablieren und die 17 Kommunen in diesen Prozess zu integrieren.“ Dass dazu „gute Bilder und Geschichten nötig sind“, unterstrich André Hausmann, denn, so der Medienfachmann aus Bad Vilbel: „Veränderung kann man den Menschen nicht verordnen. Dazu muss man sie dort abholen, wo sie sind.“ Wie beispielsweise durch den Wettbewerb im Rahmen des Modellprojekts „Dorf und Du“.

 

Das Forschungsprojekt:

Weitere Kooperationspartner des Forschungsprojekts sind das Institut für Regionalmanagement Gießen (Moderation in Ortenberg: Andrea Soboth) sowie der Regionalverband Frankfurt/Rhein-Main. Impulsvorträge vo mehr als 100 Besuchern der Veranstaltung zu „Dorf und Du“ in Ortenberg steuerten Franz-Josef Sauer mit seinem Vortrag „Der Zukunft Heimat geben“ aus dem „Mehrgenerationendorf Binsfeld“ (Main-Spessart-Kreis) und Matthias Hirschmüller von der Gemeindeallianz Hofheimer Land in Unterfranken bei.

dorfunddu.de

www.wfg-wetterau.de

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