Chopin mit Santana

Das Konzept des Modern Classix Trio

Rafael Lukjanik, Jahrgang 1965, hat vor drei Jahren mit zwei Freunden das Modern Classix Trio gegründet. Die Musiker aus dem Rhein-Main-Gebiet interpretieren in Ihren Konzerten klassische Musik auf dem Vibraphon, dem Klavier und dem Schlagzeug. Sie kombinieren dabei auch mal Chopin mit Musik von Carlos Santana. Am Samstag, 26. Mai 2018, spielt das Modern Classix Trio ab 19.30 Uhr im Theater Altes Hallenbad an der Haagstraße 29 in Friedberg. Im Interview erklärt Lukjanik, wie er einen modernen Zugang zur klassischen Musik sucht.

Chopin mit Santana

Herr Lukjanik, Sie waren Solo-Schlagzeuger  an der Warschauer Staatsoper. Jetzt leben Sie  in Hanau und spielen vor allem das Vibraphon. Woher kommen die anderen Musiker Ihres Trios?

Armin Heislitz, Gavin Brady und Rafael Lukjanik (v.l.) bei der Probe. Sie spielen seit drei Jahren als Modern Classix Trio zusammen. Am 26. Mai 2018 sind sie ab 19.30 Uhr im Alten Hallenbad an der Haagstraße 29 in Friedberg zu hören. Der Eintritt kostet 18, im Vorverkauf 15 Euro.

Unser Pianist Gavin Brady ist Schotte. Er hat in Glasgow und Frankfurt Musik studiert und spielt jetzt von Frankfurt aus auf vielen Liederabenden und Kammermusik-Konzerten. Unser Schlagzeuger Armin Heislitz hat in Wiesbaden und Düsseldorf studiert. Von Hofheim aus spielt er bei Musicals und diversen Band- und Soloprojekten. Seit drei Jahren musizieren wir im Modern Classix Trio zusammen.

Wenn man die Begriffe „Bach“ und „Modern“ googelt, findet man viel Text, aber auch Jazz und eiernde Fugen auf der Hammondorgel. Lässt sich die Musik des seit 268 Jahren toten Meisters Johann Sebastian Bach überhaupt in die Gegenwart übersetzen?

Durchaus. Wir machen das radikal und ziemlich vielfältig. Wir fokussieren uns aber nicht nur auf einen Komponisten, sondern befassen uns mit der gesamten Klassik. Wir bieten sie mit Rhythmus und Arrangements moderner dar und versuchen trotzdem, ihre  Substanz zu erhalten. Das Ziel ist, dem Publikum klassische Musik auf neue Art und Weise darzustellen.

 Sie benutzen dazu auch das Schlagzeug. Passt das wirklich zu Bach?

In seiner Zeit gab es nur Pauken. Und die setzte man auch nur in wenigen Stücken ein. Aber es geht gut. Bachs Musik swingt. Im Jazz gibt es mittlerweile viele Bach-Bearbeitungen.

Kennen Sie klassische Komponisten, denen man mit Schlagzeug, Vibraphon und Klavier nicht beikommen kann?

Rafael Lukjanik vor dem Alten Hallenbad in Friedberg.  Foto: Nissen

Man kann alle bearbeiten. Aber manche bieten nicht so viel Substanz dafür. Schuberts Musik ist eher traurig. Die Vorläufer der Romantik eignen sich nicht so sehr. Zu manchen Stücken von Beethoven kann man Beats dazu nehmen. Das spielen wir in Friedberg aber nicht.

Was hören wir dann?

Von Bach über französische Komponisten bis zu Mozarts Rondo alla Turca. Wir spielen eine Mischung aus Chopin und Santana. Dann gibt es ein Klavierkonzert von Grieg mit dem Capriccio Nummer 24 von Paganini in G. Auch das funktioniert gut mit dem Schlagzeug. Obwohl das Paganini-Stück für die Violine geschrieben wurde.

Chopin und Santana liegen ja zeitlich und musikalisch weit auseinander. Ist die Mischung  nicht problematisch?

Die vertragen sich gut. Früher haben wir die Musik solcher Paare oft vermischt. Jetzt versuchen wir eher, aus den einzelnen Komponisten mehr herauszukitzeln.

Sind Sie der Erfinder von Klassik-Variationen mit Vibraphon, Klavier und Schlagzeug?

Im Prinzip ja. Das Vibraphon war seit 40 Jahren vor allem im Jazz eingesetzt. Für andere Stücke gibt es kaum Literatur. Ich setze es als ganz normales Instrument ein, wie ein zweites Klavier.

Verändern Sie das Tempo der alten Musik?

Das mache ich nur in Maßen. Das Original muss erkennbar bleiben. Ich behalte das Grundtempo, lasse die Musik aber durch das Schlagzeug lebendiger wirken.

Für welches Publikum spielen Sie? Welche Altersgruppe können Sie begeistern?

Wer gern Klassik hört, mag unsere Stücke auch – also Leute über vierzig. Junge Menschen nehmen die Musik durch den Beat an. Das klassische Original schreckt sie eher ab. Da hört keiner hin. Aber wenn sie bei uns reinhören, dann sagen sie: Das ist ja ein bisschen Pop.

Sie unterrichten auch an der Musik- und Kunstschule in Maintal. Wie weit ist die junge Generation denn von der klassischen Musik entfernt?

Die alten Orchesterwerke stehen den Jüngeren fern. Schon wenn sie das Wort „Klassik“ hören, stellen sie sich einen Saal vor, in dem man steif auf einem unbequemen Stuhl sitzen muss und sich nicht rühren darf. Das Problem ist, dass die Jungen diese Musik nie wirklich kennengelernt haben. Es sind doch tolle Werke dabei, die richtig ziehen.

Und wie kann man die Jungen dafür begeistern?

Am Anfang sollte die Hürde nicht zu hoch sein. Da passt „Für Elise“ am Klavier. Und die Kleine Nachtmusik von Mozart. Die hat jeder schon mal gehört. Und Vivaldi sowieso. Das ist einfach schöne, leichte Musik. Auch Händel geht gut. Bach ist da schon schwerer verdaulich, wenn man ihn nicht bearbeitet. Seine Söhne komponierten schon heiterer wirkende Musik.

Hörbeispiele stehen auf  www.modern-classix-trio.com

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