Busnetz

Reformbedürftig

Fahrgäste von Omnibussen sind nicht immer zufrieden: Oft sind diese Fahrzeuge im Öffentlichen  Personennahverkehr (ÖPNV) völlig überfüllt. So ist es auch in der Region Gießen. Thomas Kraft, Regionalsprecher von Pro Bahn,  bezeichnet in einer Pressemitteilung  Vorschläge als völlig unzureichend,  das  Busnetz in Gießen rudimentär zu stärken. Stattdessen fordert er,  von den aktuellen Lokalen Nahverkehrsplänen für Stadt und Kreis komplett Abstand zu nehmen und für das Jahr 2020 oder 2021 eine umfassende Liniennetzreform zu planen.

Neuen Schwung für den Stadtbus

Thomas Kraft

Die heute noch bestehenden Linien 1 bis 5 hatten so schon seit Anfang der 1950er Jahre Bestand, als die Straßenbahn in der Universitätsstadt abgeschafft wurde. Auf diesem Grundnetz könne man eine in weiten Teilen neu entwickelte Stadt im 21. Jahrhundert nicht mehr mit dem Bedürfnis der Personenbeförderung abdecken, meint Kraft. Es sei erforderlich, in manche Stadtteile künftig zwei Linien mit getrennten Linienwegen fahren zu lassen. Als Beispiel nennt Pro Bahn Mittelhessen den Stadtteil Wieseck. Neue Wohnquartiere seien entstanden, die teilweise  nur vom überörtlichen Linienverkehr angebunden sind. Thomas Kraft: „So etwas ist eine Farce, die Stadt muss alle Siedlungsflächen gleichermaßen mit dem Stadtbus erschließen.“ Heute seien auch ganz andere Verkehrsachsen möglich, so z.B. über die Klinikstraße und die Lahnstraße aber auch unter kompletter Nutzung der Ludwigstraße. Auf der Bahnhof-Westseite müsse neben dem künftigen Fernbusbahnhof auch eine kapazitätsstarke Stadtbusanlage entstehen, um hier Bedarfe abzufangen, die aktuell vom bestehenden Busbahnhof ausgehend mit den Linien 2 und 5 im unmittelbaren Innenstadtbereich zu den überfüllten Bussen führen. Alle neuen Stadtbuslinien müssten einen Grundtakt von mindestens 20, auf stärker nachgefragten Strecken von 10 bzw. 5 Minuten haben. Halbstundentakte wie teilweise heute vorhanden, seien für ein zukunftsweisendes Stadtbusnetz nicht mehr ausreichend.

Liniennummerierung übersichtlicher machen

Die Zeit sei gekommen, die Gedanken mal zukunftsweisend spielen lassen anstatt sich fortwährend an wirtschaftsliberale antiquierte Besitzstände zu klammern. Neuer Schwung für den Stadtbus ins Rathaus, das sei der Zeitgeist, an welchem sich der Fahrgastverband aktiv beteiligen möchte. Innovation könne auch von den Hochschulen der Stadt kommen; man habe hierzu mit den entsprechenden Fachbereichen ein Juwel in Gießen, welches in der aktuellen Verkehrspolitik weitgehend verpufft. Auch die Liniennummerierung müsse wieder einer Übersichtlichkeit zugeführt werden. Dass es Stadtbusse mit einstelligen Nummern, dann aber auch die Linien 800-802 gibt, das könne man keinem ortsunkundigen Menschen logisch erklären. Ein gemeinsamer Nummerierungsplan mit dem Umland, auch mit der Nachbarstadt Wetzlar, so wie er mal bestanden hat, sei erstrebenswert.

Um die Stadt von überfüllten Stadtbussen und dem starken Autoverkehr entlastet zu bekommen, fordert Pro Bahn ein kreisübergreifendes Umlandkonzept, in welchem alle Kommunen bis zu einer Entfernung von 12 km einbezogen werden. Kraft kritisiert: „Heute erbringen Linien wie die 24, die 25 und die 371 auch Stadtbusfunktion und sind streckenweise völlig überlastet.“ Damit müsse Schluss sein, insbesondere müsse das Bewusstsein reifen, dass der ÖPNV nicht an der Stadtgrenze endet. So fordert Pro Bahn ein Stadt-Land-Bus-Konzept, in welchem Lollar, Wettenberg, Biebertal, Heuchelheim, Lahnau, die östlichen Teile Wetzlars, Hüttenberg, Linden, Langgöns, Pohlheim, Fernwald, Reiskirchen, Buseck und Staufenberg einbezogen werden. Für all diese Gemeinden müsse ein ganztägiger 30 Mínuten-Takt, in Kernbereichen und Hauptverkehrszeiten sogar 15 Minuten-Takt eingerichtet werden, welcher völlig unabhängig vom Stadtbusnetz eine zweite Säule des ÖPNV für die Universitätsstadt bildet. Zudem wünscht sich der Fahrgastverband  mehr Engagement seitens der Stadt Gießen, um die Reaktivierung der Lumdatalbahn in den nächsten Jahren in die Realität umzusetzen. Dies sei existenziell, auch im Hinblick auf anreisende Pendler, welche weiter in den Rhein-Main-Ballungsraum wollen.

Man müsse auch mal Schwächen eingestehen und diese habe der Gießener Linienbus in seiner gesamten Komplexität. Pro Bahn Mittelhessen fordert dazu auf, einen runden Tisch einzuberufen, um eine wirkliche Liniennetzreform 2020 oder 2021 für Gießen vorzubereiten und ist hier zur Mitarbeit bereit.

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