Buchmesse Bad Nauheim

Ernst Ludwigs geheimes Liebesleben

Die zweite Ernst-Ludwig-Buchmesse ist am Samstag, 24. März, und Sonntag, 25. März, in der Trinkkuranlage

Von Petra Ihm-Fahle

Alles dreht sich um den Großherzog im Vorfeld der zweiten Ernst-Ludwig-Buchmesse in der Bad Nauheimer Trinkkuranlage, die in Ernst Ludwigs 150. Geburtsjahr terminiert ist. So war es auch jetzt, als Barbara Hauck aus „Capriolen. Die Männerfreundschaften des letzten hessischen Großherzogs Ernst Ludwig“ las. Ort war das EAM-Heizwerk am Goldstein.

Besondere Orte

Ein ungewöhnlicher Ort. Doch Veranstalterin Beatrix van Ooyen stellt vor der Buchmesse (Samstag, 24. März/Sonntag, 25. März, 10-18 Uhr) noch weitere Veranstaltungen an besonderen Orten in Bad Nauheim auf die Beine. Nach der bereits erfolgten Lesung mit Jasmin Behrouzi-Rühl im Fürstenbad und nun mit Hauck im Heizwerk folgen noch Jule Heck mit „Auf der Bettkante von Elvis“ im Hotel Grunewald (Freitag, 9. März, 19 Uhr), mit Irmgard Schürgers aus „Denn sie wissen, was sie tun“ im Biomarkt (Freitag, 16. März, 19 Uhr) und mit Uli Aechtner aus „Mordswetter“ in der Sternwarte (Freitag, 23. März, 19 Uhr). Als Aussteller mit von der Partie ist auch der Neue Landbote.

Zufällig aufmerksam geworden

Barbara Hauck. (Fotos: Petra Ihm-Fahle)

Im Heizwerk am Goldstein rauschte und brummte es, denn es war wegen der Kälte voll in Betrieb. Mit Mikrofon war es gerade so leistbar, die Dampf-Wärme-Tauscher zu übertönen. Die Platzzahl in dem Technik-Ambiente war begrenzt, weshalb es eine kleine Gesellschaft war, die gespannt auf Haucks Lesung wartete. An einem Jugendstiltisch saß die Autorin, in der Nähe stand van Ooyen, die das Buch der Griesheimerin in ihrem Booy-Verlag verlegt hat. Im Zuge der Messervorbereitungen war sie zufällig auf das Manuskript aufmerksam geworden.

Das Publikum freut sich auf die Lesung in dem besonderen Ambiente.
Drei Jahre recherchiert

„Hätte mir eine gute Fee vor 50 Jahren gesagt, dass ich in Bad Nauheim einmal mein drittes Buch vorstelle, hätte ich es nicht geglaubt“, sagte Hauck. Damals wollte sie eine solide Beamtenkarriere einschlagen, später machte sie das Schreiben zu ihrer Profession. Sie schilderte, wie sie auf die Idee zu dem Buch über das geheime Liebesleben von Ernst Ludwig kam: Leitete sie in Darmstadt Jugendstilführungen, war das Interesse der Zuhörer an privaten Geschichten über den Adel groß. Dieses Bedürfnis nach den menschlichen Komponenten wollte sie aufgreifen. „Ich habe drei Jahre recherchiert und dabei nichts ausgelassen.“ Das möge manch einer vielleicht befremdlich finden, doch der Großherzog habe einmal betont: „Habe den Mut zu sagen, was du denkst.“

Autorin Barbara Hauck (rechts) beantwortet Fragen der Zuhörer im Heizwerk.
Besorgter Brief

Zu seinen Lebzeiten indes war das nicht möglich, da Homosexualität aufgrund des diskriminierenden Paragrafen 175 strafbar war. Hauck ging auf Ernst Ludwigs Männerbeziehungen ein, beispielsweise zu „Alex“, für den er Gedichte schrieb. Sie las einen Brief des deutschen Botschafters Karl von Wedel vor, der sich wegen Ernst Ludwigs amouröser Bekanntschaften auf Capri sorgte. Weiteres Thema war der Konflikt mit seiner ersten Frau Victoria Melita, die sich scheiden ließ, laut Hauck, da sie ihn mit einem Mann erwischte. Auch deswegen sei es ihr darum gegangen, die historische Wahrheit darzustellen, erklärt sie, denn Victoria Melita wurde „schuldig“ geschieden und sämtliche Erinnerungszeichen an sie seien in Darmstadt getilgt worden. Alles, was die Autorin darlegt, hat sie mit Quellenangaben belegt, wofür sie in zahlreichen Archiven unterwegs war.

Beatrix van Ooyen wurde bei der Vorbereitung der Ernst-Ludwig-Buchmesse auf das Manuskript aufmerksam.
Gibt genug Biografien

Das Werk verkaufe sich besonders in Darmstadt recht gut, wie Hauck anschließend erzählte. Die eine oder andere Reaktion sei in Ernst Ludwigs Heimatstadt allerdings ambivalent gewesen. Das gilt vor allem für die dortige Zeitung, die ihr in einem kurzen Bericht vorwirft, zu viel in den Großherzog hineininterpretiert zu haben. In Bad Nauheim war ein weiblicher Gast ebenfalls nicht völlig überzeugt. Sie wollte wissen, weshalb Hauck nicht mehr über die sonstigen Seiten Ernst Ludwigs geschrieben habe, etwa seine Talente. Die Autorin konstatierte: „Es ist keine Biografie, davon gibt es schon genügend. Es ist eine spezielle Facette seines Lebens.“

Schlüsselloch-Perspektive

Barbara Hauck ist auch bei der Ernst-Ludwig-Buchmesse mit von der Partie, die am Samstag, 24. März und Sonntag, 25. März (jeweils 10-18 Uhr) in der Bad Nauheimer Trinkkuranlage veranstaltet wird. Am Samstag, 24 März (13.30 bis 14 Uhr) lässt sich Hauck zu folgendem Thema befragen: „Geschichte aus der Schlüsselloch-Perspektive – Brauchen wir das? Dargestellt am Beispiel des letzten hessischen Großherzogs Ernst Ludwig.“ Ort ist der Bankettsaal des Restaurants Tafelspitz & Söhne. Mit der Ernst-Ludwig-Buchmesse wird dies Jahr der 150. Geburtstag des Großherzoges gewürdigt, nachdem letztes Jahr der 80. Todestag im Fokus stand.

Das Buch

Barbara Hauck: „Capriolen. Die Männerfreundschaften des letzten hessischen Großherzogs Ernst Ludwig.“ Bad Nauheim 2017, Booy-Verlag. ISBN 978-3-9817809-2-5, 24,90 Euro.

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