Buchmesse Bad Nauheim

Landbote im Gespräch

Die Presselandschaft in Mittel- und Südhessen verändert sich drastisch. Die gedruckten Zeitungen werden zusammengelegt und ausgedünnt. „Die Zeitung – besser digital?“ Unter diesem Motto diskutiert die Landbote-Redaktion bei der Buchmesse in Bad Nauheim am Samstag, 13. April 2019, 17 Uhr, mit allen Interessierten. Die turbulente Zeitungslandschaft in Rhein-Main und Mittelhessen wird beleuchtet und von den Erfahrungen mit der Online-Zeitung berichtet.

Vielfalt statt Einfalt

Seit sechs Jahren will der Neue Landbote eine digitale Alternative zu den gedruckten Blättern in der Region sein, orientiert am engagierten Journalismus des Hessischen Landboten. Während der Buchmesse zieht die Redaktion Bilanz. Wir wollen dort eine Stunde lang mit unseren Lesern und interessierten über den Zustand der Medienlandschaft in der Region, die Chancen einer Internet-Zeitung und neue Perspektiven für den Landboten sprechen.

In den Verlagen wird angesichts rapide fallender Auflagenzahlen und sinkender Werbeeinnahme ein drastischer Sparkurs gefahren. Die großen Verlagshäuser haben kleine Verlage geschluckt, um durch Zusammenlegen der Redaktionen Kosten zu sparen. Im Frühjahr 2018 haben die Zeitungsgruppe Ippen (München) und die Gießener Verlegerfamilie Rempel („Gießener Allgemeine“) die Frankfurter Rundschau und die Frankfurter Neue Presse zusammen mit der Societäts-Druckerei von der FAZ-Gruppe übernommen. Seither wird bei den Zeitungen kräftig zusammengelegt: Die Wetterauer Redaktion der FNP wurde von der Wetterauer Zeitung übernommen, die frei gewordene Stelle des Wetterauer FR-Korrespondenten nicht neu besetzt. Die einst vielfältige Presselandschaft in der Wetterau ist auf zwei große Unternehmen geschrumpft: die zu Ippen/Rempel gehörende Wetterauer Zeitung und den zur Verlagsgruppe Rein-Main gehördnen Kreis-Anzeiger. Die Butzbacher Zeitung und die kostenlosen Blätter des Gelnhäuser Naumann-Verlages spielen in einer anderen Liga. Die hinter dem Kreis-Anzeiger stehende Verlagsgruppe Rhein-Main fährt ebenfalls einen Sparkurs: schrumpfende Umfänge, geürzte Etats für freie Mitarbeiter.

Alternative Internet?

Die Landbote-Redaktion kurz nach Gründung der internet-Zeitung.

Ehemalige Radakteure der Frankfurter Rundschau, die durch den Konkurs des Blattes 2012 ihren Job verloren hatten, ergriffen vor sieben Jahren die Initiative, die Zeitungslandschaft übers Internet zu bereichern. Die Gründer der Internetzeitung hatten allesamt einst in der Friedberger Redaktion der Frankfurter Rundschau gearbeitet. „Wetterauer-Landbote“ nannten sie ihren 2013 gegründeten digitalen Auftritt, orientiert am berühmten Hessischen Landboten Georg Büchners von 1834. „Wir, vier ehemalige Beschäftigte der Frankfurter Rundschau, wollen eine Lücke in der regionalen Medienlandschaft schließen. Wir wollen aufdecken, dran bleiben und dort weiter machen, wo andere aufhören. Hier sollen Sie lesen, was sie anderswo nicht finden. Wir wollen Themen setzen und eigene Geschichten präsentieren. Wir greifen gerne Anregungen unserer Leser auf, nehmen sozusagen Rechercheaufträge entgegen. Für uns gilt: Klasse statt Masse. Deshalb steht für uns nicht im Vordergrund, diese Seite täglich zu aktualisieren. Wir tun es nur, wenn wir wirklich Neues zu bieten haben“, erklärten Jutta Himmighofen-Strack, Klaus Nissen, Toni Seib und Bruno Rieb damals. Im Frühjahr 2015 taufte das inzwischen auf zehn Mitarbeiter angewachsen Team die Internetzeitung auf „Der Neue Landbote“ um. Damit sollte deutlich gemacht werden, dass die Berichterstattung nicht auf die Wetterau beschränkt ist.

Die Landbote-Redaktion heute.

Schritt nach vorn

Ursprünglich war die Idee, eine Zeitung nach dem Vorbild der Stuttgarter Internetzeitung „Kontext“ ins Leben zu rufen, die über einen gemeinnützigen Verein finanziert wird . http://www.wetterauer-landbote.de/?p=711 Dieser Versuch ist gescheitert. Die Redaktion diskutiert inzwischen, einen erneuten Anlauf in diese Richtung zu unternehmen, ist sich allerdings noch nicht einig. Ein anderer Weg wäre, die Internetzeitung über eine Bezahlschranke zu finanzieren. Die wurde bereits 2014 mit „LaterPay“ beim Landboten eingeführt, hat sich aber bislang als wenig effektiv erwiesen: die Artikel mit einer Bezahlschranke werden von den Lesern nur selten aufgerufen. Andere Modelle sind eine Genossenschaft oder ein Förderverein.

Über alles das wollen wir während der Buchmesse mit allen Interessierten diskutieren. Zudem suchen wir Leute, die beim Neuen Landboten mitarbeiten möchten.

„Die Zeitung – besser digital“, Diskussionsrunde des Neuen Landboten bei der Buchmesse in Bad Nauheim, Samstag, 13. April 2019, 17 Uhr, Kerckhoff-Institut, Bibliothek, Parkstraße 1, 61231 Bad Nauheim.

Die Buchmesse ist am Samstag und Sonntag, 13. und 14. April, jeweils von 10 bis 18 Uhr im Kerckhoff-Institut, ein faszinierender Ort, der sonst nicht öffentlich zugänglich ist. Weitere Infos gibt es hier: http://landbote.info/buchmesse-bad-nauheim-11/

ernst-ludwig-buchmesse.de/

Weitere infos zur Presselandschaft in der Region:

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